Ganz gefährlich,…

… laut meinem Fünfjährigen, sind Bälle mit roten Trompeten.

Da musste ich erst ein bisschen überlegen, bis ich darauf kam:

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Das sehr Kleine und das sehr Große

Uns alle hält eine organische Struktur in Atem, deren Urahn vor einigen Monaten in irgendeinem Wirtstier in China ihr Genom geringfügig änderte. Aufgrund diese Mutation eines einzelnen zehn Nanometer kleinen Virions werden inzwischen gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Systeme in Frage gestellt, und zwar sowohl im lokalen wie im globalen Kontext.

Anscheinend unbeeindruckt von diesen Umwälzungen treibt Elon Musk seine eigene Umwälzung voran und schießt täglich 60(!) Satelliten in ins Weltall, was ein Ehrfurcht gebietendes Spektakel an manchem Abend- und Morgenhimmel liefert:

Sinn der Sache, die gesamte Welt mit Breitband-Internet zu versorgen. Bei aller Skepsis: gerade jetzt könnte die Welt das gut gebrauchen (auch wenn ich nicht weiß, zu welchem Preis).

Mal sehen, welches Ereignis auf lange Sicht die größere Auswirkung hat…

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Stigmata

Am heutigen Karfreitag bot sich wettermäßig und mangels alternative Freizeitmöglichkeiten (siehe Corona) eine kleine Radtour mit der Familie an. Die Familie, das sind bei uns zwei Erwachsene und drei Kinder im Alter von fünf bis sechszehn. Abfahrtsort war unsere Garage, Ziel war ein Picknick an günstiger Stelle im Aachener Wald, falls die kurzen Beine unseres Kleinsten uns so weit bringen würden.

Die frohe Nachricht ist, dass wir es tatsächlich schafften, sowohl hin wie auch zurück, wenn auch viel Tragen und Schieben und Improvisation nötig war, um unseren Lütten mit seinem 12 Zoll Rad die aachener Steigungen wieder hoch zu kriegen. Viel und häufig musste ich zwischen meinem abgestellten Fahrrad und seinem hin und herlaufen, ihn sodann hundert Meter weiter schieben und dann wieder zurück zu meinem Rad rennen.

Bei meiner großen Tochter stellte sich die Gangschaltung als leicht defekt heraus, mit dem linken Daumen musste sie durchgängig Druck auf den Schalthebel aufbauen, damit dieser nicht zurück fiel. Bei meinem Sohn dagegen war das Fahrrad frisch überholt gewesen, so dass er auf die starke Bremsung, natürlich bei einer stark abschüssigen Schotterpiste, nicht vorbeireitet war. Meine Frau war wie immer gut vorbereitet, nur an einen Stützverband für ihren anfälligen Knöchel hatte sie nicht gedacht.

Somit bestand der Preis für unseren Ausflug aus: müde Beine beim Kleinen, einen verdrehten und inzwischen geschwollenen Fußknöchel bei meiner Frau, Schürfwunden an der rechten Hand meines mittleren Sohnes, einen verkrampften linken Daumen bei meiner großen Tochter und schlussendlich Seitenstiche bei mir vom andauernden Hin- und Hergelaufe.

Und kaum zuhause angekommen, bebte die Erde und unser Duschvorhang riss von oben bis unten entzwei!

Ok, der letzte Absatz war erlogen…

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Ein Hoffnungsschimmer: es geht bergab.

Quotienten der Corona-Infizierten, Durchschnitt der letzten sieben Tage

Als verhinderter Statistiker verfolge ich sehr aufmerksam die täglichen Corona-Zahlen. Dabei trage ich die Anzahl der kumulierten Infizierten laut Robert-Koch-Institut (für Deutschland) bzw. laut John-Hopkins-University (für die USA) in eine wahnsinnig gut gestaltete Excel-Tabelle ein, welche diese Zahlen wiederum unfassbar intelligent aufbereitet. Ich habe ja sonst nichts zu tun.

Bildet man jeweils den Quotienten zum Vortag, so erhält man die Wachstumsrate. Bei echtem exponentiellen Wachstum ist dieser Wert größer 1 und konstant. Beträgt der Wert genau 1, gibt es keine Zunahme mehr. Da wir (derzeit) kumultative Fallzahlen ohne Berücksichtigung der Genesenen betrachten, ist eine Wachstumsrate unter 1 nicht möglich.

Aufgrund der ungenauen zeitlichen Erfassung der Zahlen ist die Kurve der „reinen“ Wachstumsrate etwas zackig. Aus diesem Grund habe ich stattdessen zu jedem Tag den geometrischen Mittelwert der letzten sieben Tage aufgezeichnet. Bei den Zahlen zur USA musste ich sogar händisch die Werte glätten, denn da kommen die Zahlen offenbar sehr unregelmäßig rein (das JHU sucht sich die Zahlen selber zusammen). Zusätzlich habe ich von Excel eine Trendlinie (Polynom zweiten Grades) dazu zeichnen lassen. Was sehen wir?

In Deutschland ist die Entwicklung mitnichten exponentiell. Scheinbar haben wir einen fast linear fallenden Trend in unserem gemittelten Quotienten, was mir viel Hoffnung macht, dass die Kurve tatsächlich „abflacht“ und wir sogar irgendwann in der nächsten Woche eine fallende absolute Zunahme (also weniger neue Fälle als am Vortag) sehen werden! Der Trend zeigt uns sogar, dass wir in ein paar Wochen sogar fast keine Zunahme haben könnten, aber bei dieser Extrapolation wäre ich eher skeptisch.

Das wäre dann hoffentlich ein Grund, die jetzigen Maßnahmen etwas zu lockern; eine Fortführung des Lock-Down würde dann ja wenig Sinn machen, außer dem Gesundheitssystem weitere Zeit zu verschaffen. Die schlechte Nachricht ist, dass dann erst ein verschwindend geringer Anteil der Bevölkerung (wenige Promille, je nach Dunkelziffer) eine Immunität aufgebaut haben wird.

Zu den Zahlen der Vereinigten Staaten kann man nur sagen: Trump täte wohl nicht gut daran, die Pandemie für bald überstanden zu erklären.

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Verluste

Ich hatte von einem Kollegen zwei DVDs (Spiderman und Spiderman) ausgeliehen und diese, als sie allzu sichtbar ungeguckt herumvegetierten, vorsorglich in den Schrank zu meinen anderen DVDs gelegt. Als ich zwei Wochen später eine davon schauen wollte, waren sie weg. Ich habe den DVD-Schrank aus- und wieder eingeräumt, ich habe meine Bücherregale aus- und wieder eingeräumt, ich habe das Haus auf dem Kopf gestellt – ich habe sie nicht finden können. Sie waren weg. Dann habe ich sie aufgegeben, das ist vielleicht drei Wochen her.

Vor zwei Tagen habe ich meine Brille verlegt. Ich bin kurzsichtig, allerdings auch schon in einem Alter, in dem ich zum Lesen eine andere Stärke brauche. Das bedeutet, dass ich (da ich noch keine Gleitsichtbrille besitze) ab und zu meine Brille wechsle. Im Büro komme ich mit der Fernbrille noch durchgehend gut zurecht, aber zu Hause, wo ich schon mal Kleingedrucktes lese oder mehr auf das Handy schaue, benutze ich lieber meine Lesebrille. Jetzt, in Zeiten von Corona-bedingtem Homeoffice, wechsle ich viel die Brille. Ergo hat es ganze zwei Tage gedauert, bis ich meine sauteuere Brille im Haus verloren haben.

Ich vermutete sie entweder auf einer der zahlreichen Ablageflächen im Wohnzimmer oder im Kleiderschrank vor dem Flur, wo ich an dem Tag eine Steckdose angebracht hatte (für das Herumfummeln mit den Kabeln und den Schräubchen ist Lesebrille die schlauere Wahl). Beides Fehlanzeige. Ich suchte und räumte und kramte und stellte das Haus auf dem Kopf. Die Brille blieb verloren. Weg. Glücklicherweise besitze ich eine – wenn auch weniger hochwertige – Ersatzbrille.

Ich gab das Suchen auf und erkundigte mich schon mal im Internet, wo man in diesen Zeiten eine preiswerte Brille (vielleicht doch Gleitsicht?) erhalten kann, und daneben lobte ich 10 € (für meinen großen Sohn) bzw. ein Heft vom Kiosk (für meinen kleinen Sohn) aus, wenn sie meine Brille fanden.

Sie suchten gestern eine halbe Stunde lang und gaben dann auf.

Heute kramten sie im DVD-Schrank nach einem Scooby-Doo-Film und fanden dabei die DVDs meines Kollegen. Da, wo ich schon mehrmals und auch besonders gründlich gesucht hatte.

Geflügelt von dem Erfolg schaute mein Sohn noch mal im Kleiderschrank nach meiner verschwundenen Brille. Da lag sie dann auch.

Ich bin fassungslos. Und um 10 Euro und ein Lego-Heft ärmer. Und morgen schaue ich Spiderman.

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Topologie der Quarantäne

Es gibt einen Mathematiker-Witz, der geht ungefähr so:

Ein Ingenieur, ein Physiker und ein Mathematiker sollen mit einem vorgegebenen Zaun eine möglichst große Fläche eingrenzen. Der Ingenieur setzt den Zaun zu einem Quadrat. Der Physiker, mathematisch etwas fitter, setzt den Zaun zu einem Kreis. Der Mathematiker aber wickelt den Zaun um sich herum und sagt: Ich bin draußen!

Für den naiven Zuhörer liegt der Witz darin, dass der Mathematiker, unbeeindruckt von der Realität, definieren kann was er will. Der topologisch etwas gebildetere Leser dagegen weiß, dass der Mathematiker real sogar recht hat. Lebten wie auf einer Fläche, so könnte man den Mathematiker als Spinner abtun; aber tatsächlich befinden wir uns auf einer Kugeloberfläche, und somit hat jede „kleine“ Kreisfläche als Komplementärfläche eine ungleich größere Kreisfäche (nämlich die restliche Erdoberfläche), die sich beide den gleichen Rand (hier der Zaun) teilen.

Und falls einer nachfragt: ja, die Komplementärfläche ist tatsächlich ein Kreis, auch wenn sie wie eine Kugeloberfläche mit Loch daherkommt. Und zwar, weil sie einen Mittelpunkt hat, von dem alle Randpunkte gleich weiter entfernt sind. Nicht-euklidische Geometrie ist halt gewöhnungsbedürftig.

Aber stellt euch eine kleinen Kreis um den Südpol vor, und nun vergrößert den Radius, immer weiter. Irgendwann liegt der Umfang auf dem Äquator und ist somit maximal groß. So einen Kreis nennt man Großkreis, vorher war es noch ein Kleinkreis. Aber den Radius kann man noch weiter vergrößern, die Fläche des nun komisch aussehenden Kreises wächst weiter, nur der Umfang verkleinert sich wieder, bis er irgendwann einen kleinen Kreis um den Nordpol darstellt. Spooky!

Der Mathematiker in dem Witz ist sich also bewusst, dass er mit dem Zaun nicht ein, sondern zwei Gebiete abgrenzt, und dass die Definition, welches Gebiet die eigentliche sei, noch getroffen werden muss. Diese Entscheidung trifft er dann auch, allerdings entgegen der intuitiven Definition seiner sich auf einer Fläche wähnenden Mitmenschen. Manchmal ist eben nicht klar, wo innen und wo außen ist.

Kommen wir also zum derzeit alles beherrschende Thema: der Corona-Virus. Der neuartige Virus, bzw Covid-19, bzw die dazugehörige Epidemie oder Pandemie… Ich bin Mathematiker, nicht Virologie, also belasse ich es mal beim Begriff Corona.

Wie ich inzwischen gelernt habe, gehört zu jeder guten Epidemie eine Quarantäne. Klassischerweise werden dadurch die Kranken eingegrenzt und somit von den Gesunden abgegrenzt. Gleichzeitig aber grenzt man somit umgekehrt die Gesunden von den Kranken ab und von den Quarantäne-Gebieten aus. So kann manch einer nicht mehr seine im Kreis Heinsberg wohnenden Liebenden besuchen oder seinen bereits gebuchten Oster-Urlaub in Italien antreten.

Was passiert nun, wenn die Kranken immer mehr werden und irgendwann gar die Mehrheit stellen? Wenn das Quarantäne-Gebiet größer als das übrige Gebiet ist? Im Extremfall landen wir bei dem aus zahlreichen Film bekannten Zombie-Szenario, in dem das Nicht-Quarantäne-Gebiet eine ummauerte Stadt oder ein desolates Einkaufszentrum darstellt.

Hier hat also der Radius eindeutig den Äquator überschritten. Im Film kommen die Überlebenden meist recht verzweifelt daher. Ich hoffe, dass bei uns in wenigen Wochen nicht die gleiche Hoffnungslosigkeit wie bei Dawn Of The Dead herrscht. Dabei könnte uns zu Gute kommen, dass mit dem Corona-Virus infizierten Menschen in aller Regel (gesundes Immunsystem vorausgesetzt) wieder gesunden und außerdem im Krankheitsverlauf keinen besonderen Appetit auf Menschenhirn zeigen (so weit man der Berichterstattung glauben darf).

Und falls doch, dann haltet euch an dem Mathematiker, der irgendwo in eurem verbarrikadierten Schutzgebiet auf dem Dach eines umzingelten Einkaufszentrums steht und in den Himmel ruft:

Ich bin draußen!

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Aschermittwoch

Lustige Faschisten
tragen auch im Karneval
gerne Uniform.

Unter heller Schminke
können Sie ihr dunkles
Gesicht zeigen.

Einsame Lacher dagegen
Brauchen keine Verkleidung.

Bringen auch so
Die anderen zum weinen.

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Es geht nicht um den Hamburger

Nach unserer kleinen Kneipentour – es war kurz nach Mitternacht – spürte ich das dringende Bedürfnis nach einem Hamburger und bestand darauf, bei McDonalds vorbeizuschauen, und das obwohl ich mich in Begleitung zweier ausgewiesenen Feinschmecker befand. Mein französischer Kumpel Jean-Paul dachte, ich scherze. Mein albanischer Freund Schorsch dagegen steuerte meine wankende Gestalt zielsicher zum Schnellimbiss.

„Da wollen wir nicht wirklich hin“, ereiferte sich Jean-Paul. „Die Hamburger sind ekelhaft!“

„Es geht nicht um den Hamburger“, antwortete ich.

Es ging darum, in der hellen industriehallenartigen Leere des Vorraums von McDo einen Gegenentwurf zu den dunklen, lauten und überbevölkerten Kneipenräumlichkeiten der vergangenen Stunden zu finden. Und wohl auch darum, den angenehmen Abend zu verlängern.

Die Kasse war unbesetzt, denn die aus zwei Arabern bestehende Mannschaft war vollauf mit der Zubereitung und Ausgabe der Speisen beschäftigt. Ein kleines Volk an Leuten wartete entspannt auf sein Essen. Ein grauhaariger, etwas clochardhaft aussehender Mann spazierte im Vorraum hin und her. Eine in die Jahre gekommene Hippiebraut fragte mehrmals in die Küche hinein, ob nicht einer zur Kassen kommen möchte. Ich ging zum Touch-Bestell-Automaten-Dings.

„Das ist nicht dein ernst“, sagte Jean-Paul. „Es geht nicht um den Hamburger“, antwortete ich. „Ich nehme auch einen“, sagte Schorsch. Ich bestellte zwei Hamburger.

Es ging um Frau Hippie, die endlich einen der Mitarbeiter zur Kasse gelotst hatte und dann nach einem Tee fragte. „Was hatte ich letztes Mal für einen Tee?“ fragte sie. „Was weiß ich?“, sagte der Kassierer, aber freundlich. „Was hast du denn für Tee?“ fragte sie. Er schaute nach und nannte irgendwelche neudeutsche Begriffe. „Ja, Fresh Mint, das war’s“, sagte sie. Vor mir bezahlte noch ein Kerl mit der Nummer 119, obwohl ich die 118 hatte. Dann fragte ich den herumstehenden grauhaargien Mann, ob er vor wollte. Nee, wollte er nicht. Ich ging zur Abholungstheke.

„McDonalds ist kein Restaurant. Das ist kein Essen. Es ist kein Hamburger. Das ist soooo klein“, schimpfte Jean-Paul und machte kleine Zeichen mit seinen großen Fingern. „Es geht nicht um den Hamburger“, sagte ich.

Es ging um die junge Araberin mit der wilden Frisur und dem Big Mac, die zur Theke rief: „Wer hat diesen Hamburger gebaut?! Der ist total schief!“ Sie hatte recht, die Käsescheiben guckten halb raus und wäre es ein Jenga-Turm,  wäre ich ungern als nächster dran gewesen. „War das der Hamed? Ich will einen neuen! Und den soll der Achmed machen!“

„Das wird euch furchtbar schmecken“, sagte Jean-Paul. „Es geht nicht um den Hamburger“, sagte ich.

Es ging um die neumodischen Trennung bei McDonalds zwischen Bestellung, Bezahlung, Zubereitung und Ausgabe, was bei ausreichender Mitarbeiteranzahl vielleicht alles schön und gut ist, aber bei einer Soll-Belegschaft von zwei Mitarbeitern in den Nachtstunden einfach nicht funktionieren kann. Wie diese automatisierte Call-Center-Computer-Schleifen-Dinger, die sicherlich ganz toll sind, wenn man ein Anliegen hat, welches mit der Tastenkombination 1-4-2 erreicht werden kann, aber völlig nutzlos, irrsinnig und gar aggressionserzeugend, wenn das Anliegen außerhalb der im Menü vorgesehen Punkte liegt. So verlief auch die Diskussion mit dem Kunden mit der Nummer 116, der geduldig wartend aber verzweifelt philosophierend mit der Situation umzugehen versuchte, dass seine Bestellung nicht ausgeführt wurde. 119 kam und ging, und ich mit meiner Papiertüte irgendwann auch.

„Da werden zwei winzige Hamburger drin sein“, meckerte Jean-Paul. „Und die schmecken wie Pappe. Und überhaupt nicht unweltfreundlich, in so einer großen Papiertüte“. „Es geht nicht um den Hamburger“, sagten Schorsch und ich.

Es ging um den grauhaarigen Kerl, der nun vor dem McDonalds herumlief und mich freundlich grüßte, und um all die Leute, mit denen ich mich in der letzten Viertelstunde irgendwie ausgetauscht hatte, vor und hinter der Theke.

Es ging um die erstaunlich entpannte und wohltuend friedliche Atmosphäre im multikulturellen Raum eines unterbesetzten Schnellimbisses zu nachtschlafender Uhrzeit.

Wir spazierten zurück zum Auto; trotz der Uhr- und Jahreszeit war uns allen dreien warm. Schorsch und ich bissen in unsere Hamburger. Mich durchflutete die wohlbekannte Mischung aus Fett, Zucker, Protein, Geschmacksverstärker – und ja, vielleicht auch Pappe. Beide stießen wir ein wohliges Seufzen in die Winternacht hinaus.

Denn vielleicht ging es doch auch um den Hamburger.

 

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Wo ist es, das neue Jahr?

Irgendwo im Nebel muss es sein, das neue Jahr 2020. Gestern, nein heute, sind wir gegen 2 Uhr morgens nach Hause gefahren (eine Strecke von wenigen hundert Metern, die wir aber mit Mitbringseln vollgepackt und mit der Aussicht auf einen schlafenden Fünfjährigen lieber mit dem Auto zurückgelegt haben).

Die Rückfahrt hatte es jedenfalls in sich. Aufgrund von unsinnigen physikalischen Gesetzmäßigkeiten hatte das plötzliche Abkühlen der Luft gegen 2 Uhr morgens eine dichten Nebel verursacht, der es in sich hatte. Die Sichtweite betrug gefühlte 15 Zentimeter und wir krochen über die gottseidank leeren Dorfstraßen heim.

Zuhause angekommen fürchtete ich, von bösartigen Geistern aus dem Nebel des Grauens heraus attackiert zu werden, aber auch hier hatte ich Glück (und vermutlich zuviel Gruselfilme geschaut) und erreichte unbeschadet meine Bettstatt.

Tatsächlich hat ein solcher Nebel etwas sehr beängstigendes, wenn nicht gar gefährliches an sich. Vor vielen Jahren, fünfzehn mögen es sein, fuhren wir von eben einer solchen Neujahrsfeier nach Hause, mussten dort aber tatsächlich Autobahn fahren. Von Nebel war erstmal nichts zu sehen, aber ab einer (tieferen und deswegen kühleren?) Stelle war urplötzlich vor lauter Nebel… gar nichts mehr zu sehen. Wir konnten gerade die Rücklichter das vorausfahrenden Autos erkennen, und das auch nur, wenn man gefährlich dicht auffuhr.

Das war wirklich beängstigend, unheimlich und bedrohend, denn es gibt auch keine Alternative zum langsamen Weiterfahren und hoffen, dass die Nebelbank irgendwann ein Ende haben würde. Anhalten ging ja nicht, dann wäre mit Sicherheit der Hintermann reingefahren, und die Seitenstreifen waren im Nebel nicht zu erkennen. Eine solche unheimliche Situation möchte ich wirklich nie wieder erleben… Irgendwann waren wir aber tatsächlich aus dem Nebel raus; die Erleichterung kann man sich gut vorstellen!

Frohes 2020 und allzeit gute Weitsicht wünsche ich allen Lesern!

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Ich habe letzte Woche nicht geheiratet!

Ich dachte, Facebook sei ausgestorben, dahingewelkt wie Tulpen im Sommer, wie SPD-Parteivorsitzende nach der Wahl, wie das Plagiat StudiVZ nach Erfindung des Schlaufons. Offenbar habe ich mich geirrt.

Ich hatte mich vor Jahren bei Facebook angemeldet, dort aber wenig getan außer diese meine WordPress-Blog-Beiträge dort automatisch hochladen zu lassen. Das (automatische Hochladen) unterbindet Facebook allerdings seit ein paar Jahren, und somit wurde ich zum inaktiven Mitglied.

Inzwischen aber hat Facebook quasi unbemerkt ein Großteil der von mir verwendeten Social-Media-Apps aufgekauft, und so wurde ich von Zuckerberg wie ein scheues aber hungriges Tier allmählich wieder in die Facebook-Familie hineingelockt. Letztes Wochenende habe ich dann auch mein Profil angepasst.

Dabei trug ich auch in mein Status ein, dass ich verheiratet bin, was ich auch schon früher war und überhaupt schon seit 17 Jahren bin, und…. dann klingelte das Telefon. Eine Bekannte gratulierte mir zur Hochzeit.

Am nächsten Tag wurde ich von einem Vereinsmitglied beglückwünscht. Am Tag darauf von einem Arbeitskollegen. Jetzt immer wenn einer mit „Was habe ich da auf Facebook gelesen?“ kommt, weiß ich, worauf es hinausläuft. Schon bald wird unser eigentlicher Hochzeitstag vernachlässigbar gegenüber unserem Auf-Facebook-Verheiratet-Tag sein.

Im übrigen sind sowohl mein „Heimatort“ wie mein „Arbeitgeber“ auf Facebook falsch, sogar gänzlich unsinnig. Dort habe ich mich ganz auf lustige Wortspiele verlassen. Nun traue ich mich nicht, diese zu korrigieren, aus Angst vor unerwarteter Anrufe:

„Du bist umgezogen? Du hast den Job gewechselt? Was ist da los? Habt ihr euch getrennt? Warum hast du dann deinen Status bei Facebook nicht geändert?“

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