Das Pizza-Problem

Beim Gedanken an das italienische Restaurant in unserem Dorf kam mir letztes folgende nicht unwesentliche (allerdings auch nicht neue) Erkenntnis, dass der Weg zum Ziel nicht immer geradeaus verläuft – genau genommen muss man sich manchmal sogar in die verkehrte Richtung begeben, um dahin zu kommen, wo man auch hin möchte. So wie manch eine Straße von A nach B nun mal einen Schlenker macht.

Ein etwas komplexeres Beispiel: stell‘ dir vor, du möchstest auf den Gipfel eines Berges. Nun könntest du dich unten am Fuß des Berges hinstellen und beschließen, immer nur bergauf zu gehen. Tatsächlich wirst du – weigerst du dich wirklich streng, auch nur zwei Schritte mal wieder runter zu gehen – ziemlich schnell auf einen Punkt ankommen, der höher als die anderen Punkte in der Umgebung ist, aber trotzdem wirst du weit vom eigentlich Gipfel entfernt sein. Der Mathematiker spricht hier übrigens von einem lokalen Maximum (eine Erhebung auf die man so gelangt, die eben der höchste Punkte in einer womöglich noch so kleinen Umgebung ist), im Gegensatz zum globalem Maximum (der Berggipfel, also der höchste Punkt überhaupt). Immer bergauf ist also eine ziemlich schlechte Strategie, um ganz oben anzukommen.

Was hat das mit dem italienischen Restaurant zu tun?Image

Gehe ich zum Italiener, stellt sich mir jedes Mal naturgemäß die Frage, was ich bestellen möchte. Dazu wälze ich das Menü. Nun esse ich gerne Pizza. Genaugenommen esse ich lieber Pizza als alles andere, was es beim Italiener gibt, also bestelle ich eben Pizza. Dies ist sozusagen mein lokales italienisches Maximum. Nun gibt es aber auch viele andere leckere Sachen beim Italiener, und wenn ich zehn Mahlzeiten (z.B. für die nächsten zehn Mal) aussuchen müsste, so würde ich vielleicht doch sieben Mal Pizza, zwei Mal Nudelgerichte und ein Fleischgericht wählen. Das wäre also mein persönliches globales italienisches Maximum.

Doch leider suche ich nicht für zehn Mal im voraus aus, sondern ich wähle bei jedem Restaurantbesuch nur ein Gericht, und zwar das, welches ich dieses Mal am liebsten essen würde. Wie der Möchtegern-Bergsteiger, der immer nur bergauf läuft, bestelle ich dann eine Pizza – wohlwissend, dass ich nachher sagen werde: ach, hätte ich nur mal die canelloni al forno bestellt, was sehen die doch lecker aus…

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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15 Antworten zu Das Pizza-Problem

  1. Muriel schreibt:

    Bei mir ist es eher umgekehrt.
    Ich tue mich wahnsinnig schwer, in Restaurants die Klassiker zu bestellen. Wenn ich beim Italiener Spaghetti alla Carbonara bestelle, oder beim Chinesen gebackenes Hühnerfleisch in süßsaurer Sauce, scheint mir das immer dermaßen langweilig, dass ich es sogar dann nicht tue, wenn ich wirklich großen Appetit darauf hätte.
    Dadurch entgeht mir auch einiges.

  2. Pfeffermatz schreibt:

    So stehen wir beide unserem eigenen Glück im Wege. Deswegen ist es auch besser, als Paar essen zu gehen, dann kann man nämlich strategisch bestellen und bedenkenlos teilen!

  3. freudefinder schreibt:

    oh diesen Umweg kenn ich auch – ich schaue beim Chinesen auch immer ganz sorgfältig die Speisekarte durch und bestelle doch wieder – wie schon immer – die krosse Ente.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Was mich interessieren würde: Hast Du dann auch das Gefühl, womöglich etwas verpasst zu haben?

      • freudefinder schreibt:

        das ist mir zumindest nicht bewußt – ich fühle mich hinterher einmal bestätigt, dass die Ente tatsächlich das beste aller Gerichte ist – aber eigentlich fühl ich mich auch etwas zu wenig expirimentierfreudig…..

  4. Catio schreibt:

    Das kenne ich alles; auch ich greife immer zu bestimmten Gerichten, auch wenn ich wirklich gerne Neues ausprobiere. Aber es liegt wohl eher daran, dass man bei den anderen Gerichten stets die Befürchtung hegt, man wird nicht satt… 😉

    • Muriel schreibt:

      Geht dir das wirklich so?
      Wahnsinn.
      Ich habe in meinem ganzen Leben diese Befürchtung nie auch nur von Weitem gesehen. Ich glaube nicht mal, dass ich jemanden kenne, den die beim Bestellen umtreibt.

      • Catio schreibt:

        Im Prinzip schon; vielleicht heutzutage weniger als früher. Aber es gab Zeiten, in denen ich Pizza „Wagenrad“ (passte damals nur auf spezialgroße Holzbretter) doppelt belegt bestellte und die Kellnerin mich damit ärgern wollte, indem sie dieselbe dreimal belegen ließ. Auf die Frage nach dem Essen, ob es mir geschmeckt habe, sagte ich nur: „Ja, aber zu wenig!“. Das war dann das erste Mal, dass ich Facepalm in Natura kennenlernte…. 😉

      • Muriel schreibt:

        Na gut. jeder, wie er kann.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Ich kann auch nicht behaupten, dass es bei mir am Sattwerden liegt. Obwohl ich von Pizza tatsächlich schneller satt werde als von Nudeln. Aber Pizza ist einfach so was von lecker – und: zuhause machen geht nicht, jedenfalls nicht so wie beim Italiener. Ein Nudelgericht, auch ein leckeres, kriege ich schon hin.

  5. Kim schreibt:

    Man will immer das, was man nicht bestellt hat ^^

  6. tinyentropy schreibt:

    Grins 🙂 Genau dieses Problem habe ich auch immer. Wahrhaft, dies ist einen Artikel wert! Gut gemacht. Gruss

  7. tinyentropy schreibt:

    Man könnte und wird in der Regel so argumentieren, dass man Nudeln zuhause öfters macht, Pizza aber nicht. In Wirklichkeit essen wir Deutschen aber mit Abstand die meisten Tiefkühlpizzen 😉

    • Pfeffermatz schreibt:

      Das Argument finde ich tatsächlich richtig, denn Tiefkühlpizza ist mit Pizzeria-Pizza nicht vergleichbar, selbstgemachte Nudeln kommen dagegen den Italiener-Nudeln schon recht nahe. Auf jeden Fall nahe genug, dass ich keine 10 Euro dafür ausgeben möchte.

      • tinyentropy schreibt:

        leider gibt’s aber auch immer seltener richtig gute pizza beim „italiener“ (wenn es denn einer ist). teilweise ist man mit einer tk-pizza (oder dem nudelgericht) tatsächlich besser bedient.

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