Ein Gedicht von damals

Hier mal ein Gedicht von mir, das schon gut über fünfzehn Jahre auf dem Buckel hat und den heutigen Tag abgewartet hat, um das Licht der Welt zu erblicken:

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Zwischen zwei Tagen

Das offene Fenster, an dem ich stehe,
gehört nicht mir, es gehört einem Freund.
Ich betrachte die glückliche Nacht und sehe,
sie hat die Streitigkeiten des Tages versäumt.

Der Mond scheint wie eine zusätzliche Straßenlaterne,
Grillen singen im Duett mit dem Straßenverkehr.
Der Mensch und die Erde, Gestein und Gedärme,
kommen sich im Schutze der Dunkelheit näher

und paaren sich. Es entsteht ein tiefer Frieden,
der Ruhe bringt, und Wärme.
Lieben Freunde, ewig lieben,
scheint so einfach im Schatten der Sterne.

– – – – – – – – – – – – – – – – – –

Ganz ehrlich: Finde ich heute schon etwas kitschig, aber trotzdem schön. Vielleicht ist es auch nur die Erinnerung an den Lebensabschnitt (ich war im Leerlauf zwischen Zivildienst und Studium), die melancholisch macht. Ich glaube nicht, dass ich heute so schreiben würde oder könnte.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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6 Antworten zu Ein Gedicht von damals

  1. Muriel schreibt:

    Ja.
    Gewagtes Versmaß, aber lässt sich hören.
    Und Kitsch muss in Gedichten.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Versmaß, was für ein Versmaß? Nein, ich weiß schon – das Ding hat ziemlich viele Silben pro Zeile, finde ich aber ok. Dem jungen Mann gehen hat allerhand Gedanken durch den Kopf. Ich glaube, ich beginne bald einen Beitrag über den Begriff „Kitsch“!

  2. wholelottarosie schreibt:

    Manchmal muss etwas Kitsch im Leben sein – so als Utopie und Sehnsucht. Was ist falsch daran?
    Mir gefällt das Gedicht, zeigt es doch eine Momentaufnahme, eine Minute eines authentischen Ist-Zustandes, der in Worten zu Papier gebracht wurde. Ob kitschig oder nicht, ist in diesem Sinne egal.
    LG von Rosie

    • Pfeffermatz schreibt:

      Danke! Es bleibt bei mir die Frage, was „Kitsch“ eigentlich ist. Da muss ich mal receherchieren… Oder wie definiert Ihr Kitsch?

      • wholelottarosie schreibt:

        Kitsch definiert sicherlich jeder anders. Auch die Auffassung darüber, was eigentlich Kitsch ist, wandelt sich im Laufe der Zeit. Jedenfalls bei mir. Früher fand ich die Häkelstola und die Hu.mmel-Figuren meiner Oma schrecklich kitschig – heute sehe ich, dass diese Dinge für sie und ihr Leben authentisch waren. Heute finde ich Werbung kitschig, die voller Klischees und standardisierter Heile-Welt-Figuren ist.
        LG von Rosie

  3. Pingback: Hat jemand “Kitsch” gesagt? | Pfeffermatz

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