Von Dörfern und Menschen

Vor einigen Wochen erzählte mir eine über 80-jährige Nachbarin bei einem Spaziergang von ihrem Leben (wozu ältere Menschen ja schon mal tendieren). Als sie und ihr Mann in den späten 60er-Jahren in unserem (inzwischen eingemeindeten) Dorf das Haus bauten, in dem sie heute noch leben, hatten sie als „Hinzugezogene“ anfangs etwas Akzeptanzprobleme, schließlich kam ihr Mann aus einem anderen 10 km entfernten Vorort (und sie von noch viel weiter weg). Ein wenig konnte ich das nachvollziehen, schließlich sind auch wir vor wenigen Jahren hinzugezogen, allerdings sind – der zunehmenden Mobilisierung der Gesellschaft und dem steten Neubau von Häusern sei dank – vermutlich inzwischen gut über 90% der Familien hier in den letzten Jahrzehnten hinzugezogen, so dass wir uns hier nie fremd gefühlt haben. Außerdem wohnen hier inzwischen mehr als nur eine Handvoll Leute wie damals, und diese sind auch noch alle sehr nett.

Jedenfalls überraschte meine Nachbarin mich mit dem Satz: „Aber inzwischen haben wir uns ganz gut eingelebt.“ Inzwischen! Sie wohnt sie über 40 Jahren hier, da war ich noch gar nicht geboren und hatte noch 17 Umzüge vor mir! Und als kleine Krönung äußerte sie dann noch den einsichtigen Nachgedanken: „Naja, inzwischen sind die damaligen Nachbarn auch alle verstorben.“

Man sieht, gerade Unterhaltungen mit älteren Menschen bieten schon mal überraschende Perspektivwechsel. Also: staunen, genießen, lernen!

Zu dem Thema fällt mir noch ein Anekdötchen ein: Als ich um die 18 Jahre alt war und in einem Städtchen in Norddeutschland wohnte, erzählte uns (in diesem Fall meinem Vater und mir) ein älterer Herr aus dem Sportverein… ja, aus seinem Leben. Er wohnte in einem (inzwischen eingemeindeten) Dorf, das in seiner Jugendzeit wirklich nur eine Handvoll Einwohner gehabt haben konnte (irgendwie wiederholt sich das hier). Durch dieses Dorf führte damals wie heute eine Hauptstraße, und der junge Mann verliebte sich in ein Mädchen aus seinem Dorf. Aber es gab ein kleines Skandal, denn…

… sie wohnte auf der falschen Seite der Straße! Nördlich-von-der-Straße und Südlich-von-der-Straße vermischten sich zu der Zeit einfach nicht! Eijeijeijei… Doch das junge Paar hielt dem Skandal stand, und dann kam der Krieg und schon hatten die Leute wieder echte Probleme und mussten sich keine mehr selber machen.

Perspektivwechsel!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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