Da war es schön: Silver Bay in New York

Letztens erreichte mich ein email meines in den USA wohnenden Bruders von seinem Familienurlaub in der Urlaubsanlage / dem Hafendörfchen / dem YMCA Konferenz-Center Silver Bay am schmalen aber 50 km langen Sees Lake George im Norden des Staates New York. Da wir in unserer gemeinsamen Kindheit ein paar Sommerurlaube mit unserer Familie dort verbrachten hatten, nutzte ich den Anlass, um in Wikipedia und dann auf der Homepage des YMCAs mal nachzuschlagen und somit auch ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen. Aber besser noch war dies eine willkommene Gelegenheit, meiner Rubrik „Orte“ einen zweiten Beitrag hinzuzufügen, was ich hiermit tue.

von Wikipedia Commons

Wann und warum war ich das erste Mal da? Gott, das weiß ich doch nicht mehr – ich werde wohl irgendwie im Grundschulalter gewesen sein. Wir wohnten zu der Zeit in den USA, im Staate New York, und meine Eltern kamen auf die Idee, an einem von der National Wildlife Federation (also der amerikanischen Umweltschutzorganisation) organisierten einwöchigen Familienurlaub teilzunehmen. Diese sogenannten „Summits“ fanden jährlich an unterschiedlichen Orten in den USA statt – wir haben über die Jahre an vielleicht vier verschiedener solcher Urlaube teilgenommen, und ich habe sehr schöne Erinnerungen daran. Dieser fand jedenfalls in Silver Bay statt, und somit kamen wir das erste Mal an diesen schönen Ort am Fuße der Adirondack-Berge.

Was gefiel mir? Das Gelände ist derart weitläufig, dass ich mir als Kind keine Vorstellung davon machen konnte. In der Mitte thront ein riesiges, von einer Veranda umgebendes, holzverkleidetes Gebäude (das Silver Bay Inn von 1904, sagt Wiki), das meiner Erinnerung nach als Rezeption, Unterkunft für einige hundert Leute, Aufenthaltsraum, Frühstücksgebäude etc. diente. Auf dem Gelände verteilt stehen aber eine Unmenge weiterer Gebäude: Unterkünfte en masse (Hütten, Wohnungen, Landhäuser, …), Konferenzgebäude, Pavillions, Zelte, ein Theater, eine Bücherei, ein Laden, und – damals mein Lieblingsort – ein Bootshaus. Die meisten dieser Gebäude stammen vom Anfang des zwangisten Jahrhunderts und der Geruch vom Holz, aus dem sie errichtet worden sind, steigt mir beim Betrachten der Bilder heute noch in die Nase.

Und natürlich der See – Lake George – in dem und auf dem ich schwimmen, Paddeln und Kanufahren war, und als Beifahrer auch im Segelboot und Motorboot unterwegs war. Und die Bastelwerkstatt, die Kurse die Zuckerstangen, die Ausflüge, die Abendmahlzeiten, das Herumlungern und Herumrennen, die diversesten Veranstaltungen – wie kann soviel in so wenig Zeit passen? Aber natürlich scheinen alle Urlaube als Kind eine Ewigkeit zu dauern.

Eine Geschichte! Ich könnten erzählen, wie mein Vater jeden Morgen zum Frühstück das „French Toast“ (die amerikanische Version von „Armer Ritter“) bestellte, bis er dann irgendwann in die Küche stapfte um den Koch nach dem Rezept zu fragen, und dass dieses Gericht bis heute untrennbar mit unserer Familie verbunden ist. Oder der Blitz, der unser „Lodge“ traf. Oder dass ich über die Jahre zig Mal den Kanuschein gemacht habe, und dann als selbsternannter Kanulehrer stolz alle „Anfänger“ schalt, die sich verkehrt herum auf ihren Paddeln (d.h. Paddelblatt nach unten) abstützten.

Aber meine Lieblingsgeschichte ist dann doch die von dem organisierten Übernachtungsausflug der Jugend per Kanu zu einer Insel im See. Das halbstündige Hinpaddeln in den vielleicht zehn bis zwanzig (ist lange her ;)) Kanus war toll, das Lagerfeuer und das Übernachten im Schlafsack unterm freien Sternehimmel wie aus einem Kinderroman. Aber die Rückfahrt… naja, was soll ich sagen: wir hatten Gegenwind. Und wie.

Als wir auf „offener See“ waren, ging es tatsächlich keinen Meter mehr voran, eher zurück. Wir hatten (gefühlt, jedenfalls) stundenlanges Paddeln hinter uns, als ein paar der Betreuer dann doch zum nächsten Ufer paddelten und von dort aus zu Fuß den Weg zum Hafen zurücklegten. Dort angekommen erklärten sie dem Leiter des Camps die Situation und baten ihn, ein paar Motorboote rauszuschicken um uns zu holen, aber dieser weigerte sich. Also trommelten sie ein paar Leute zusammen, die uns dann mit ihren privaten Motorbooten vor den Elementen retteten. Ich erinnere mich, schlimme Blasen an den Händen gehabt zu haben, dafür aber eine aufregende Erinnerung gewonnen zu haben.

Werde ich da wieder hingehen? Wohl nicht. Dieser Teil meiner Vita liegt hinter mir.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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Eine Antwort zu Da war es schön: Silver Bay in New York

  1. tinyentropy schreibt:

    Ich habe auch meine Urlaube an Seen besonders hervorstechend in Erinnerung, auch wenn es meist nur am Bodensee war. Man trifft um die Seem herum als Kind so viele andere Menschen und erlebt gemeinsam eine Menge Abenteuer. Ach ja, das war immer schön.

    Ich möchte auch gerne mal wieder in die USA. Zuletzt war ich auf Cape Cod. Herrlich dort 🙂 Danke für die Erinnerung.

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