Eine runde Sache.

Gestern abend habe mit einer für meine Verhältnisse größere Anzahl Menschen (Männer, Frauen und Kinder) einen – meinen – runden Geburtstag gefeiert. Dabei war anfangs gar nicht klar, dass ich überhaupt feiern würde. Nicht, dass ich mit den Älterwerden Probleme hätte – tatsächlich fühle ich mich (noch) je besser, desto älter ich werde -, ich hatte einfach nicht zu viel Lust auf den Stress der Vorbereitung und hatte schließlich schon die letzten zwei Jahre meinen Geburtstag gefeiert, das musste doch reichen. Außerdem kam ein bisschen mathematische Bockigkeit im Zusammenhang mit dem Thema „runder Geburtstag“ bei mir auf:

An jedem beliebigen Tag ist man ein Tag älter als am Tag zuvor, und genau so ist man auch ein Jahr älter als man es ein Jahr zuvor war. Gegen das Jahr als astronomische Einheit habe ich natürlich nichts einzuwenden, denn so lange braucht unser Planet nun mal, um einmal um sein Zentralgestirn herumzueiern; es ist eher das Herauspicken des Jahrestags der Geburt als herausragenden Punkt auf der Zeitachse, das ich nicht mathematisch-wissenschafftlich nachvollziehen kann. Diesem Tag etwas besonderes beizumessen, ist für mich, als würde man die Aura ayurvedischer Bachblüten in den athroposophischen Aszendenten hinein transzendieren. Oder so ähnlich.

Ich glaube an die Stetigkeit, doch muss diese strenge Logik wohl auf dem Schlachtbank der Kultur geopfert werden. (Wer sich nun wundert, dass ich plötzlich so schlaue Redewendungen von mir gebe, dem sei gesagt: Obiger Spruch mit der kulturellen Schlachtbank stammt von einem hauptberuflich philosophisch tätigen Freund von mir (der übrigens gestern auch dabei war). Ich könnte hier noch viele von ihm geklaute Sprüche klopfen, doch wäre das bloß eine angeberische Übung in angeblicher sprachlicher Gewandheit ohne zum eigentlichen Wesen der Dinge vorzudringen.) Will sagen: da man die Zeit in Jahren misst, in denen die „Tag“ genannten Abschnitte bestehend aus Monat und Tagesnummer stets wiederkehren, kehrt somit auch der „Geburtstag“ jedes Jahr wieder. Man hat sich also darauf geeinigt, diesen zu feiern. Dem beuge ich mich in Ermangelung eines besseren Vorschlages (und weil ich gerne Bier trinke).

Des Weiteren muss ich als Mathematiker natürlich Anstoss an die Verwendung des Begriffs „rund“ als synonym für „durch zehn teilbar“ nehmen. Dass wir heutzutage zum Zählen das Zehnersystem verwenden, ist nicht zwingend, und liegt vermutlich in die Anzahl unserer Finger begründet (man zählt gerne und praktischerweise auf den Fingern, und davon hat man nun mal zehn). Auch andere Kulturen als die unsere schienen stets beim Zehner- oder Zwanzigersystem (Zehen gibt es auch noch) gelandet zu sein – doch wenn es statt ums Zählen ums Rechnen ging, sind viele Kulturen gerne auf das Zwölfer- oder gar Sechzigersysteme übergegangen, da in diesen Systemen das Teilen viel einfacher fällt. Genaugenommen begegnet uns das Zwölfersystem (und das Sechziger) noch heute auf Schritt und Tritt überall da, wo es was zu rechnen gibt: 12 Monate im Jahr, 24 Stunden am Tag, 60 Minuten in der Stunde, 60 Sekunden in der Minute, ein Dutzend, ein Schock, ein Gros, ein Maß, 12 Zoll per Fuss, 12 Pence per Shilling (Grossbritannien bis 1971) usw.

Was wäre ein echter runder Geburtstag? In der Mathematik ist es die Kreiszahl Pi = π = 3,14159-und-das-geht-noch-lange-so-weiter, die für das runde schlechthin steht. Somit wäre der erste runde Geburtstag der Pi-te, also nach rund(!) 3 Jahren und 51,7 Tagen. Da wir Geburtstage aber sonst auch nicht minutengenau rechnen, können wir ruhig auf 52 Tage nach dem dritten Geburtstag aufrunden.

Als nächsten runden Geburtstag könnte man dann den Pi-Quadratischen Geburtstag begehen, das wäre 47 Tage vor dem zehnten Geburtstag. Dann kommt eine kleine Durststrecke bis zum Pi-Kubischen Geburtstag, nur 3 Tage nach dem 31. Geburtstag (nur drei Tage? Folglich ist dritte Wurzel aus 31 eine gute aber sinnlose Näherung für Pi, da dritte Wurzeln auch nicht gerade vom Himmel fallen). Aber dann können wir keine 5 Monate später schon den 10-Pi-ten Geburtstag feiern, womit wir zwar wieder zum Teil ins Zehnersystem verfallen, aber was soll’s, in dem Alter kann man das viele Partymachen noch ab, und außerdem wird man ja nur einmal Zehnpi.

Dann werden wir kreativ und feiern den superrunden Geburtstag: Pi hoch Pi! Da sind wir in herkömmlicher Zählweise so rund sechsunddreissig und halb.

Und dann wird’s düster mit den runden Geburtstagen… pi hoch vier ist über siebenundneunzig, so lange wollen wir nicht warten. Wir könnten auf die alternative Kreiszahl tau = 2 * pi zurückgreifen, aber das hilft vermutlich auch nicht weiter…

Naja, ich habe jedenfalls letztendlich doch meine durch zehn teilbare Anzahl der Sonnenumrundungen seit der Tag meiner Geburt gefeiert, und was soll ich sagen: es hat riesig Spass gemacht, und mein nächster Geburtstag wird auch ein Runder sein, ich muss nur das richtige System dazu finden!

Advertisements

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
Dieser Beitrag wurde unter Echte Geschichten, Mathematik & Logik abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Eine runde Sache.

  1. Catio schreibt:

    Da bleibt mir nichts weiter, völlig unmathematisch einfach zu dem runden Geburtstag nachträglich zu beglückwünschen, mit der Hoffnung verbunden, dass neben anderen noch viele Beiträge über runde Geburtstage zu lesen sind…;-)

  2. Fellmonsterchen schreibt:

    Diesen ganzen mathematischen Aspekten kann ich nicht so ganz folgen (ich war schon in der Schule nicht die Beste in Mathe), aber trotzdem nachträglich alles Gute und herzliche Glückwünsche! Das schreibe ich hier einfach mal hin, ohne eine Gleichung mit X Unbekannten daraus zu basteln. 😉

  3. Anna-Lena schreibt:

    Welcher runde das auch immer war, ich gratuliere herzlich nachträglich und wünsche dir ein knallvergnügtes neues Lebensjahr.
    Herzlich,
    Anna-Lena

  4. tinyentropy schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch und alles Gute zum (runden) Geburtstag !!! 🙂
    Ich habe Deinen Artikel mit viel Freude gelesen, Dinge, über die ich noch gar nicht nachgedacht hatte (bin eben kein Mathematiker).

    Lieben Gruss

  5. Franzi schreibt:

    Ich wünsche dir nachträglich noch alles Liebe und Gute zum Geburtstag!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s