Komm doch zu mir nach haus

Wie schon im Artikel zur Übersetzung des Liedes „Over the Rainbow“ beschrieben, singe ich meinen Kindern gerne abends zum Schlafengehen etwas vor. Früher mehr als heute, da sie nun schon beide im Grundschulalter sind – aber dafür ist es um so schöner, wenn wir doch mal dazu kommen. Und wenn mir ein Lied – meistens in englischer Sprache – im Kopf herumschwirrt (und besser gesagt: die Stimmbänder in Beschlag nimmt, denn ich lasse die in meinem Kopf befindlichen Lieder gerne und häufig raus), dann mache ich mir meistens Gedanken dazu, wie ich sie ins Deutsche übertragen kann. Dabei kommt in der Regel eine Übersetzung heraus, machmal aber auch ein ganz neuer Text, wie im folgenden Fall.

Viele viele Jahre ist es her (frühe Studentenzeit), da hörte ich Rebecca Pidgeons fantastische Version von Bring It On Home To Me / Auld Lang Syne (sie singt beide Lieder im gleichen Stück). Das war das erste mal, dass ich das Lied Bring It On Home To Me hörte (ursprünglich von Sam Cooke, glaube ich, wurde aber häufig sehr geil gecovert). So war es nicht verwunderlich, dass ich später als junger Vater auch hier überlegte, wie ich diese Melodie meinen Kindern nahe bringen konnte. Meine zwei Lieblingsstrophen lauten im Original:

If you ever change your mind
About leavin‘, leavin‘ me behind
Oh, oh, bring it to me
Bring your sweet lovin‘
Bring it on home to me, oh yeah

I’ll give you jewellery, money too
And that’s not all, all I’ll do for you
Oh, oh, bring it to me
Bring your sweet lovin‘
Bring it on home to me, yeah (yeah) yeah (yeah) yeah (yeah)
Yeah

Ich fand, dass ein Lied über verlorene Liebe nicht so dolle zu Kindern passte; also war mir klar, dass ich einen gänzlich neuen Text brauchte. Aber trotzdem wollte ich die melancholische und doch hoffnungsvolle Stimmung des Originals dabei nicht verlieren. Ich entschied mich insbesondere, die Anfangsworte „If you ever“ beizubehalten, auf deutsch: „Wenn Du jemals„, und auch das home, also das zuhause sollte darin vorkommen. Heraus kam die folgende kindertaugliche Version:

Wenn du jemals traurig bist
Oder einfach mal mit mir reden willst,
Oh, oh, dann komm doch,
Komm doch nach haus,
Komm doch zu mir nach haus, oh ja.

Ich würd‘ dir was kochen, ich würd‘ niemals ruhen,
Ich würd‘ alles, einfach alles für dich tun,
Oh, also komm doch,
Komm doch nach haus,
Komm doch zu mir nach haus, oh ja.

Dieses Lied eignet sich ganz gut zum improvisieren: häufig fahr ich dann fort mit schlecht gedichteten impromptu Strophen über das, was sie oder wir am Tag gemacht haben. Dafür braucht es nur jeweils einen halbwegs vernünftigen Reim, und die Strophe endet dann mit „hier in unserem Haus“ – und im einfachsten Fall kommt was raus wie:

Du warst in der Schule, und dann beim Doktor Schrat,
Hast gut gespielt und gegessen deinen Salat,
Und dann etwas Fernseh geguckt
Auf dem schönen blauen Sofa,
Hier in unserem Haus, oh ja.

Hast dich mit deinem Bruder gestritten, ihn fast gehauen auf die Nase,
Und dein Kaninchen hat so viel gepinkelt, ganz leer ist jetzt die Blase,
Und die Kaninchen bleiben,
Sie bleiben draußen,
Im Garten von unserem Haus.

Ihr seht: das Improvisieren ergibt zwar fruchtbar schlechte Texte (erst recht, wenn man versucht, möglichst viel Information in eine Zeile zu packen), aber das kann eine Menge Spaß machen, insbesondere wenn das Kind mitmacht. So, jetzt habe ich mir selber so viel Lust darauf gemacht, dass ich ab Morgen diese Tradition wieder aufnehme!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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4 Antworten zu Komm doch zu mir nach haus

  1. ...der Berliner schreibt:

    Unsere Kinder sind schon sehr lange aus dem Haus. Aber manchmal spiele ich vor dem Einschlafen meiner Frau im Bett ein Gute-Nacht-Lied vor, welche ich früher immer unseren Kindern auf der Mundharmonika vorgespielt habe und sie dazu sangen.
    Gefällt mir sehr, die Art, wie Du Dich um die Kleinen bemühst.

    G. l. G. Jochen

    • Pfeffermatz schreibt:

      Und ich finde es goldig, dass du deiner Frau auf der Mundharmonika ein Gute-Nacht-Lied vorspielst! Ich würde das ja auch versuchen, aber sicherlich wecke ich damit die Kinder…

  2. gnaddrig schreibt:

    Gutenachtlieder gehören zuallermindest bei Kindern einfach dazu. Ich singe abends immer mit meiner Jüngsten, die Ältere lässt sich von meiner Frau was singen. Ohne das fehlt irgendwie was.

  3. Pingback: Auld Lang Syne – Schlafe sacht die ganze Nacht | Pfeffermatz

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