Schlechte Presse, Teil 1.

An dieser Stelle wollte ich eigentlich einen Satz aus meiner Lieblings-Nachrichtenquelle „Super Sonntag“ zitieren, doch leider musste ich feststellen, dass die entsprechende Print-Ausgabe inzwischen den Weg alles Weltlichen gegangen ist, also Küchentisch -> aktueller Lesestapel -> Ablagepapierhaufen -> Zwischenlager -> Wegwerfpapierkarton -> Kaninchenstall -> Biomüll.

Ach, zum Glück gibt es selbst dafür eine Online-Ausgabe. Also: unter der Überschrift Spritpreise schwankten 2012 täglich stand nun:

Dabei schwankte der Preis um mehr als vier Cent je Liter pro Tag. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren gab es in der gesamten Branche lediglich 73 Tage mit Erhöhungen.

Dazu sage ich: aargh! und zwar nicht wegen den Spritpreisen, sondern weil hier zwei Sachen miteinander verglichen werden, die wenig mit einander zu tun haben: auf der einen Seite die durchschnittliche absolute Veränderung des Spritpreises pro Tag (ob rauf oder runter, scheint da egal zu sein), und auf der anderen Seite die Anzahl der Tage mit steigenden Benzinpreisen. Was will uns der Autor damit sagen? Weiß ich nicht; ich weiß aber, was er tatsächlich damit aussagt: Gar nichts. Das ist eine vermeintliche statistische Aussage mit Null Information (außer, dass der Schreiber nicht sehr stark im logischen Denken ist).

Und was möchte ich mit meiner Meckerei zum Ausdruck bringen? Folgendes: Statistische Aussagen sollte man immer hinterfragen. Verlasst Euch nicht auf die darin enthaltene implizite (oder gar explizite) Stimmungsmache, sondern lest sie noch mal genau durch, wenn sie nicht auf Anhieb logisch klingt. Im obigen Beispiel möchte der Autor suggerieren, dass die Benzinpreise heute sehr viel mehr schwanken als vor zehn Jahren. Das mag sein – aber aus seiner Ausssage geht das ganz sicher nicht hervor!

Ich mag hier nicht von „miesem Journalismus“ reden, denn das ist was anderes als bloß unlogische Behauptungen aufzustellen – aber ein jeder kämpft auf seinem Gebiet, und mein bescheidenes ist das der Logik .

Teil 2 folgt, wenn ich Zeit habe, dann ist DIE WELT dran. Da stolperte ich Anfang Dezember über eine mathematisch etwas unverständliche Aussage und verstauchte mir dabei den Denknochen 🙂

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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3 Antworten zu Schlechte Presse, Teil 1.

  1. gnaddrig schreibt:

    Da hast Du Dir aber ein großes Fass ausgesucht! Zahlen egal welcher Art und ihre Darstellung bzw. Verwurstung in den Medien sind praktisch immer problematisch.

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