Mit gestelztem Gruß auf französisch

Meine Frau (ihre Zeichens Französin) erhielt letztens eine email ihres französischen Auslandsabgeordneten (in Frankreich gibt es seit 2010 für die im Ausland lebenden Staatsbürger eigene Auslands-Wahlkreise, die im Parlament vertreten sind).

Die email endete – statt mit „Salutations“ oder so ähnlich – mit der doch etwas blumigen Formulierung

Je vous prie de croire, Madame, Monsieur, cher(e) compatriote, en l’expression de mes sentiments dévoué, Pierre-Yves Le Borgn‘

(der Name schreibt sich tatsächlich mit einem Apostroph am Ende), also auf deutsch so ungefähr

Ich bitte Sie, liebe(r) Herr/Frau Landsmann/frau, an den Ausdruck meiner ergebenen Gefühle zu glauben, Pierre-Yves Le Borgn‘.

Wie sowohl meine Frau wie auch eine ausgiebige Internet-Recherche bestätigen, handelt es sich hierbei um eine gängige Formulierung im Schriftfranzösisch, eine „formule de politesse épistolaires“.

Mein lieber Mann, sage ich dazu. Geht es auch etwas weniger steif? Tatsächlich wäre das passende Gegenstück auf deutsch so was wie „Hochachtungsvoll, ihr ergebenster Yves-C’est-la-vie mit Apostroph am Ende'“ oder so, wenn man denn total gestelzt daher kommen möchte.

Möchte man aber nicht, jedenfalls nicht im deutschen Schriftwesen. Da sind wir Deutschen doch ein ganzes Stück lockerer als die Franzosen. Wer hätte das gedacht? (Naja, ich zum Beispiel, schließlich habe ich genug Franzosen kennen gelernt, um zu wissen, dass das Vorurteil vom coolen laissez-allez in Frankreich genau das ist – ein Vorurteil. Wir Schlandis sind cooler! Vielleicht sind die Deutschen spießiger, weil sie ihre Hunde nicht überall hinkacken lassen (sondern nur auf den berliner Gehwegen, habe ich mir sagen lassen ;)), aber irgendwie ist Hundekot unter den Schuhen auch uncool, oder? Aber das nur nebenbei) .

Bitte, sofern es Euch zu gefallen gefällt,  so glaubt an meine ergebenstvollsten Hochachtungen und unterwürfigsten Gefühle,

Pfeffermatz

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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7 Antworten zu Mit gestelztem Gruß auf französisch

  1. gnaddrig schreibt:

    Früher hieß das hierzulande ungefähr so:

    Genehmigen Sie, hochzuverehrender Herr [Titel], den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung und Ergebenheit.
    [Unterschrift]

    Findet man hier

    • Pfeffermatz schreibt:

      Wie man sieht, sind uns die Franzosen um 150 Jahre hinterher! Tatsächlich kannte ich diesen altertümlichen Gruß nicht.

      • gnaddrig schreibt:

        Klar sind die hinterher. Wie ich neulich hier irgendwo gelesen habe sind die ja die meiste Zeit mit Flaschenöffnen und Rauschausschlafen beschäftigt, da haben sie wenig Zeit und Nerv, ihre Schriftsprache auf neuesten Stand zu bringen…

      • Pfeffermatz schreibt:

        Ach, wer verbreitet denn solche Bösartigkeiten? Wenn das meine Schwiegereltern läsen…

      • gnaddrig schreibt:

        Ach, irgendwelche Leute im Internet. Da treibt sich ja allerhand Gesindel herum. Die schreiben ja auch böse Sachen über gute französische Salami…

  2. Inch schreibt:

    Französische Salami? Ich esse dort immer nur Käse zum Baguette

    • Pfeffermatz schreibt:

      Ausserdem besteht die Salami schon mal aus Esel, wenn man nicht aufpasst (ist mir tatsächlich schon passiert: „Ach, dir hat die Eselsalami geschmeckt?“, „Was?! Würg – nein!“)

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