Ausgefranzt

In den letzten Wochen überkam mich eine gewisse Wehmut, angesichts der Tatsache, dass jeder Blogbeitrag mein potenziell letzter hätte sein können. Ich saß ja quasi schon auf gepackten Koffern – doch die Katholikenheit wollte es anders.

Nicht nur das Konklave hat mich in Stich gelassen, auch die Mathematik ist nicht mehr das, was sie mal war: heute habe ich mich und meine Familie mit Armer Ritter zum Abendbrot trösten wollen. Dazu nahm ich zuerst acht Scheiben Toastbrot, erinnerte mich dann aber, dass halbierte Toastbrote besser kommen. Also teilte ich jede Brotscheibe per Messer durch zwei (naja, ich stapelte sie aufeinander und teilte alle auf einmal durch zwei, aber das nur so nebenbei) … und obwohl acht durch zwei gleich vier, hatte ich nicht vier, sondern sechszehn Scheiben da liegen!

Ich komme da einfach nicht drüber hinweg. Vielleicht verhält sich das Teilen von Toastbrot wie eine Autofahrt von Kerpen nach Solingen, denn auch da gilt: doppelt so schnell bedeutet halbe Dauer. Außer natürlich es gibt wieder Bauarbeiten am Kreuz Köln-West, so dass man statt die A1 nach oben die A1 nach unten nehmen muss, in Frechen dann von der Autobahn runter, bei McDoof auf dem Parkplatz wenden, und dann wieder rauf und weiter geht’s. Oder eher wie eine Fahrt von Aachen nach Hannover: da geht es auf der A1 nämlich doppelt so schnell wie auf der A2 voran (wegen Stau bei Bielefeld), obwohl 1 die Hälfte von 2 ist!

Unser Negativrekord ist übrigens zwölf Stunden von Duisburg Hauptbahnhof nach Barsinghausen bei Hannover. Laut Gugelmäps hätte uns das gerade mal 2 Stunden 11 Minuten kosten sollen. Die erste Stunde unsere Fahrt ging für eine Irrfahrt von Du Hbf über das Umland bis kurz vor der Grenze Hollands und wieder zurück nach Du Hbf drauf, wo wir dann zwei weitere Versuche brauchten, bis wir endlich auf dem Weg nach Dortmund unterwegs waren. Da war die Laune in unserem Auto schon auf dem Nullpunkt, und ich kann nur für uns alle hoffen, dass der Schildermacher von Duisburg mir nie über den Weg läuft. Ein paar Stunden verbrachten wir in einer Vollsperrung (vor Bielefeld, wo sonst), und eine weitere Stunde in einem chinesischen Restaurant in Paderborn (das eigentlich nicht auf dem Weg zwischen Duisburg und Hannover liegt, da sieht man, was das für eine Sch#$%&ßfahrt war). Und kaum waren wir in Bad Nenndorf von der A2 runter, gab es hinter uns den nächsten LKW Unfall bei Lauenau mit Vollsperrung.

Übrigens habe ich mich hier im Rheinland zu Anfang lächerlich gemacht, weil ich immer Duh-ies-burg sagte, dabei wird die Stadt korrekterweise Düs-burg ausgesprochen. Außerdem reimt sich Roetgen (deutsch-belgischer Grenzort) mit Brötchen, während es sich dagegen beim e hinter dem a in Raeren (belgisch-deutscher Grenzort) um ein sogenanntes Dehnungs-„e“ handelt, so dass es Rahren und nicht Rären ausgesprochen wird.

Der Vatikan – um mal auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen – kennt sich zu meiner Überraschung erstaunlich gut mit Zahlen und mit Sprache und mit dem Verhältnis zwischen den beiden aus: wie ich heute lesen konnte, heißt der neue Papst nicht nur nicht Pfeffermatz I, sondern auch nicht Franz I. Tatsächlich heißt er einfach nur Franz. Warum? Wo keine II, da auch kein I. Das heißt, erst wenn es einen zweiten Papst namens Franz gibt, wird der erste nachträglich in Franz I umbenannt.

Oder Pfefferfranz? Auch nicht schlecht…

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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16 Antworten zu Ausgefranzt

  1. pixelspielerei schreibt:

    Die Nummer mit den Toastbroten muss ich mir merken. Vermutlich grinse ich jetzt jeden Morgen breit. Man gut, dass ich mir so selten Arme Ritter mache und dann auch nicht gleich aus vier über acht gleich 16 Stücken Toast! Toast spricht sich übrigens nur mit o, wobei das a der Dehnungs-Lümmel ist. Tja ja, nicht nur die Zahlen, auch die Buchstaben und ihre jeweilige Bedeutung haben es echt in sich. Darüber darf man ja gar nicht nachdenken.

    Eigentlich! 😉

    Einen unzählbar schönen Abend wünsche ich Dir/Euch!

    • Pfeffermatz schreibt:

      Stimmt, beim Toastbrot gibt es ein Dehnungs-A! Das war mir bisher gar nicht aufgefallen, danke! Und natürlich darf man darüber nachdenken 🙂 Gerade das macht mir ja so einen Spaß! Einen ebenso unbezahlbaren Abend wünscht Dir Pfefferfranz!

  2. giftigeblonde schreibt:

    Also ich bin schon froh dass du nicht in Rom nun kaserniert wirst, sondern noch daheim Toastscheiben teilen kannst 🙂
    Das Teilen hast du mit dem neuen Oberhaupt der Katholischen Kirche ja gemeinsam 🙂

  3. Nesselsetzer schreibt:

    Die humorige Schreibweise hätte ich doch sehr vermisst. Kaum auszudenken, wenn Du auf diese Art und Weise der Kirche vorgestanden hättest. Und ich darf gar nicht dran denken, was bei Deinen Pedigten passiert wäre! Hm, woran erinnert mich das nur? Achja…

    • Pfeffermatz schreibt:

      Aaah, „Das Leben des Bfeffermatsch“!

      • Nesselsetzer schreibt:

        Bei dem Sprachfehler wohl eher „Bfeffermadch“. Und ich stelle mir das erstaunte Gesicht beim Teilen der Hostie vor, wenn der mathematisch vorbelastete Papst von einer Hälfte auf die Andere schaut, über die Formel „eins durch zwei gleich zwei“ nachdenkt und dann erfreut ausruft: „Ohhh, wundersame Brotvermehrung!“ Peinlich, peinlich…

        Übrigens, zur Irrfahrt durch die Bundesrepublik hätte ich eine Frage: Wie oft tauchte bei der Fahrt in die falsche Richtung die Aufforderung auf, doch mal einen Passanten nach dem Weg zu fragen…? 😉

      • Pfeffermatz schreibt:

        Ich glaube, es herrschte eher eine eisige Stille im Auto. Kurz danach kauften wir unser erstes Navi, und ich vermute, das Gerät hat unsere Ehe gerettet.

  4. Stefan R. schreibt:

    Ich hasse es wirklich, den Klugscheißer zu geben, doch die Sache will’s: Auch die Aussprache Düs-burg ist nicht korrekt. Dat heißt Dühs-buach, zumindest aber Dühs-burch. Ich meine, Gugelmäps ist ja auch korrekt, so weit…

    • Pfeffermatz schreibt:

      Danke für die Präzisierung; wie man sieht, habe ich noch viel dazu zu lernen! Und ich verbuche es auch nicht unter Klugscheißen, wenn mich auf meinen Bockmist aufmerksam macht – ganz abgesehen davon, dass ich selber als Klugscheißer gelte…
      Also, alle herhören: Dühs-buach!

      Und was ich noch vergaß: Das „sch“ in Monschau wird wie „ʒ“, wie das „j“ in „Journal“ ausgesprochen (auch wenn Wikipedia was anderes meint nämlich „dʒ“ wie in Dschungel).

  5. gnaddrig schreibt:

    Seid Ihr eigentlich auch an Bad Oeynhausen (sprich: Öhnhausen) vorbeigekommen? Das ist doch auch irgendwo da in der Gegend. Ansonsten fällt mir noch Bleckede (mit Dehnungs-k wie in Mecklenburg, sprich also: Bléhkädde) ein, aber das wäre wirklich etwas abseits der Strecke gewesen…

    • Pfeffermatz schreibt:

      Da sind wir öfters mal durchgefahren, so wie 50.000 andere Leute täglich auch, da Bad Oeynhausen in einer Autobahnlücke zwischen der A30 und der A2 liegt (ich habe mich gerade per Wikipedia informiert). Ab 2014 soll die Nordumgehung fertig sein.

  6. mamforever schreibt:

    köstlich …im Sinne von unterhaltend 😉

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