Hi Kuh / was bist du nur / für ein Haiku

Im Rahmen meines letzten Beitrages hatte ich ein Haiku von Günter Eich zitiert. Das habe ich zum Anlass genommen, mich noch mal etwas genauer mit dem Thema Haiku zu befassen. Dazu gibt es unter anderem einen Wiki-Eintrag, eine Online-Zeitschrift namens Haiku-heute sowie die Deutsche-Haiku-Gesellschaft.

Ich möchte meine Recherchen hier kurz zusammenfassen: Ein Haiku ist sehr kurz. Punkt. Alles andere, zum Beispiel Inhalt oder Zeilen- und Silbenanzahl, ist Verhandlungssache. In der Regel hat ein Haiku drei Zeilen, häufig hat jede Zeile ein ungerade Silbenanzahl, meistens ist die mittlere Zeile die längste, und fast immer kommt die Natur darin vor. Die meisten deutschsprachigen Haikus bestehen aus anderthalb Sätzen. Wirklich: zu Beginn eine Ellipse, dann ein ganzer Satz. Und total schwammig offen für Interpretationen sind sie auch. Dagegen kommen Satzzeichen, Großbuchstaben und Titel eher selten zur Anwendung.

Schwammig, naturnah, offen und konkret: ein Haiku in Reinform

“Haiku heute” nennt Kürze, Konkretheit, Gegenwärtigkeit und Offenheit als wesentliche Merkmale, und nennt als gute Beispiele für deutsche Haikus

Reiseschach –
ein Jeansknopf ersetzt
den fehlenden König
           – Gerhard Winter

oder ganz unkonventionell

ihre sms   fliederduft
        – Dietmar Tauchner

Da dachte ich mir: Natur, ein paar Silben, schwammig, Satzzeichen vergessen –  das kann ich auch. Hier mein erster Versuch:

Libelle
das Kaninchen frisst
Der Sommer ist mist.

Das ist natürlich ganz unhaikuisch, weil es sich reimt. Deswegen:

Abendlicht
ein Haiku ist ein Gedicht
reimt sich nicht.

Meinen Sohn habe ich auch gleich dazu angestachelt, und dabei kam folgendes heraus:

Spiderman
Ein guter Schneeball
gewesen

Meine Tochter was etwas schwerer dafür zu begeistern. Erstens sah sie keinen Sinn darin, zweitens musste sie ihre Deutsch-Hausaufgaben machen. Nach einem gewissen Maß elterlichen Drucks kam sie auf:

Erdbeere
zum Essen da sein
ist rot

„Ist aber kein Deutsch, sondern eine andere komische Sprache“, sagt sie. Stimmt. Dann war ja der Deutsch-Unterricht doch für was gut.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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3 Antworten zu Hi Kuh / was bist du nur / für ein Haiku

  1. Nesselsetzer schreibt:

    Irgendwie erinnert mich ein Haiku immer an diese Szene… 😉

    • Pfeffermatz schreibt:

      Das scheint ja Dein Lieblingsfilm zu sein! Aber zu recht, zu recht…
      Letzten habe ich meinen Sohn per youtube die Highlights aus Ritter der Kokosnuss gezeigt – hat der sich weggeschmissen 🙂

      • Nesselsetzer schreibt:

        Aha, ein Sohn in der satirischen Tradition des Vaters, das nenne ich doch mal eine vernünftige Sozialisierung! Monty Python bietet in seinen Filmen ja auch zu fast allen Lebenssituationen enstprechende Überzeichnungen („Bitte jeder nur ein Kreuz!“). Da ist es kein Wunder, dass mir häufig zu bestimmten Situationen ein Szenenpendant einfällt 🙂

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