Erinnerungen an King Kong

Vor Kurzen hatte ich hier die Lösung eines „Film-Rätsels“ gepostet – der gesuchte Film war King Kong. Darüber bin ich in ins Nachdenken gekommen, und wollte nun der Grübelei durch eine entsprechende Würdigung dieser Filmfigur (hoffentlich) ein Ende setzen, schließlich haben es Affen schon schwer genug 🙂 Los geht’s:

von Radio-Keith-Orpheum Corp./Radio Pictures Inc. (DCGeist at en.wikipedia) [Public domain], vom Wikimedia Commons

Lange Zeit teilte der Film King Kong (1933) das traurige Schicksal seiner gleichnamigen Hauptfigur: er wurde missverstanden. Er ist nur zum Teil „Monster“, und der Film somit auch nur zum Teil „Monsterfilm“ – der Rest ist romantisches Abenteuer.

Dabei war diese Dualität offenbar schon in der Konzeption der Figur angelegt: King Kong war der erste rein fürs Kino erfundene „Monster“ (also ohne literarische Vorlage), und sollte mit allen in den dreißiger Jahren zur Verfügung stehenden cineastischen Mitteln möglichst furchterregend rüberkommen; doch im Laufe der Produktion entschieden sich die Macher, auch die menschliche Seite der Figur herauszustellen, so dass der Film King Kong (1933) letztendlich neben den Monster-Elementen auch eine gehörige Portion Romanze beinhaltete. Am Ende des Films sind gar die Menschen zu Bestien geworden, die die zum Held gewordene, empfindsame Hauptfigur betäubt, gefangen genommen, entführt, ausgestellt, erniedrigt, gnadenlos gejagt und schließlich niedergeschossen haben. Dabei hätte Kong sowohl auf seiner Heimat-Insel (Skull Island) wie auch auf Manhattan seinen Häschern entkommen können… – ja, wäre er nicht derart der hübschen Schauspielerin Ann Darrow (Fay Wray!) verfallen gewesen. Mehrmals im Film riskiert er sein Leben, um das ihrige zu retten, und am Ende verliert er es auch:

Oh, no, it wasn’t the airplanes… it was Beauty killed the Beast.

Nicht die Flugzeuge, sondern die Schönheit hat ihn umgebracht.

Filmplakat zum japanischen Machwerk „King-Kong, Frankensteins Sohn“

Trotz aller Menschlichkeit scheint King Kong hauptsächlich als „Biest“ in Erinnerung geblieben zu sein. Gerade die japanischen Toho-Studios (Godzilla!) konnten dieses neue Monster nicht links liegen lassen, und so entstanden dort in den Sechzigern zwei sog. Kaiju-Filme mit einem noch viel riesigeren und bösigeren King Kong. So musste der überdimensionierte Affe seinen Namen als Synonym für „Monster“ verwendet sehen, genauso wie sein Halbbruder im Geiste Frankensteins-Monster, dessen Schicksal ähnlich – wenn auch viel komplexer – verläuft.

Aber wozu gibt es Remakes? 1976 wurde King Kong neu verflimt, wenn auch zu eher gemischten Kritiken. Die Geschichte orientierte sich nur grob an das Original, bleibt allerdings dem Geist des „liebenden“ Kong treu. Darauf folgte eine wirklich miese Fortsetzung (in der Kong ein künstliches Herz, eine Frau und ein Baby kriegt(!)), und erst im Jahre 2005 kam King Kong durch die großartige originalgetreue Verflimung von Peter Jackson wieder zu seinen verdienten Ehren. Manch einer mag sich gewundert haben, dass sich Jackson nach dem Erfolg seiner Herr-der-Ringe-Trilogie ausgerechnet King Kong zuwandte, aber damit hat er eben keinen „einfachen“ Monsterfilm nachgedreht, sondern filmhistorische Aufarbeitung betrieben.

Meine zwei persönlichen Lieblings-Erinnerungen an King Kong sind folgende:

  1. Im Film Gottes Werk & Teufels Beitrag (nach dem gleichnamigen Buch von John Irving), welches zum großen Teil in einem Waisenhaus in den frühen vierziger Jahren in Neu England spielt, dürfen die Kinder an besonderen Tagen den einzigen Film schauen, den der gutmütige Heimleiter Dr. Larch besitzt: King Kong. Die Kinder lieben den Film, der stets an der gleichen Stelle reißt, und können sich nicht vorstellen, dass es auf der Welt andere Filme gibt. Und … schniefff… der kleine süße todkranke Waise Fuzzy glaubt tatsächlich, dass Kong deswegen die weiße Frau liebt, weil er glaubt, sie sei seine Mutterdoppelschnieeefff! (Die Szene, wo Fuzzy stirbt, ist zwar kongfrei, aber dafür dreifachschniefschniefschnief!!!)
    Geradezu legendär ist die Reaktion der Hauptfigur Homer Wells, nachdem er als junger Erwachsener zum ersten mal einen „anderen“ Kino-Film sieht („Sturmhöhe“):

    It’s good… but it’s no King Kong.

  2. Vor einigen Jahren hatten wir über mehrere Wochen eine junge französische Sprachschülerin bei uns im Haus. Als sie eines abends was zum fernsehgucken suchte, legte ich die DVD von Peter Jackson’s King Kong ein. Sie war wenig angetan von der Idee, denn sie mochte keine „Monsterfilme“. Ich bestand aber darauf, und als ich sie am nächsten Morgen (ich war früh ins Bett gegangen, ich bin ja auch was älter) sie fragte, wie ihr der Film gefallen hatte, sagte sie etwas überrascht: „Gut!“, und dann sehr überrascht: „Aber… er war – traurig!“. Quel surprise!
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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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