Blut, Scheiß und Tränen.

Vor kurzem habe ich an dieser Stelle das Hygiene-Verhalten der Franzosen bemängelt. Dabei verwendete ich so unflätige und drastische – wenn auch korrekte – Ausdrücke wie:

Es gibt in ein zivilisiertes Land in Westeuropa, in dem – selbst in neu gebauten Häusern aus diesem Jahrtausend – die theoretische Möglichkeit des Händewaschens nach dem K*ck*n architektonisch nicht vorgesehen ist!

Inzwischen habe ich einige Zustimmung meiner bösartigen – wenn auch korrekten – Einschätzung der (Un)Sauberkeit der Grande Nation erfahren, so z.B. durch diesen (ebenfalls bösartigen, allerdings inkorrekten) Stupidedia-Artikel oder einem Bekannten, der mir sagte, er würde gerne mal Urlaub in Frankreich machen, aber seine Frau weigere sich, in einer französische Unterkunft zu übernachten.

Andere bestreiten ein französisches Hygiene-Problem mit dem Hinweis darauf, dass – wenn es so wäre – die Franzosen doch viel häufiger krank als unsereins wären. Mein persönlicher Eindruck ist, dass genau dies der Fall ist. Fleißiges recherchieren im Internet hat immerhin diese Untersuchung ergeben, nach der – in einem internationalen Vergleich von zwanzig Ländern – … Frankreich den höchsten Krankenstand hat. Allerdings ist die Datenbasis etwas mau, insbesondere sind die Zahlen aus Frankreich zehn Jahre älter als die der meisten anderen Länder.

Den zweitniedrigsten Krankenstand, neben Portugal, hat die USA. Kein Wunder, gibt es in diesen Ländern wenig (Portugal) bis gar keine (USA) Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Ich zitiere aus dem Internetauftritt der Deutschen-Eliteakademie:

Amerikaner schleppen sich zur Arbeit, solange es geht, denn mit einer Abwesenheit riskieren sie ihren Arbeitsplatz oder zumindest den Lohn für die versäumte Arbeitszeit. Grund dafür ist, dass die USA als einziger hochentwickelter Industriestaat einen Anspruch auf Weiterbezahlung im Krankheitsfall nicht kennen.

Ach ja, America und seine Kranken. Gerade heute hat der republikanisch dominierte Congress den finanziellen Shutdown ausgelöst, weil er nicht akzeptieren möchte, dass kranke, finanziell schwache Bürger auf Kosten der Allgemeinheit gesunden dürfen – etwas, was in vermutlich allen sonstigen „zivilisierten“ Staaten selbstverständlich ist oder wird, selbst in China. Auch das Recht, gesund werden zu können, gehört zu den Menschenrechten, die sich ein wohlhabender Staat durchaus leisten kann. Wenn sich eine Zivilisation tatsächlich daran messen lassen muss, wie sie mit ihren Schwächsten Mitgliedern umgeht, dann ist America am Ar$*% und es ist eine Frage der Zeit, bis China die USA nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Sozialwesen überholt.

Um mein Entsetzen mal analog zu obigem Eigenzitat Ausdruck zu verleihen:

Es gibt in ein angeblich zivilisiertes westliches Land, in dem der Staat untätig zuschaut, wenn arme Menschen an heilbaren Krankheiten krepieren!

Aber wir reden hier ja auch von einem Land, in dem 80 Menschen am Tag (das sind ca. 30.000 im Jahr)  durch Schusswaffen den Tod finden. Wir reden von einem Land, bei dem Eifersuchtsdramen und Ladenüberfälle dank einem unglaublich laxen Waffenrecht gerne mit Schusswaffen ausgelebt werden. Wir reden (oder reden lieber nicht) von Schulmassakern. Und wenn auch kleine Kinder aus Versehen ihre noch kleineren Geschwister erschießen – diese mittelalterliche Zivilisation jenseits des großen Teichs kennt nur eine Lösung: noch mehr Schusswaffen! Wen interessiert da noch die Krankenversicherung!

Meine lieben Franzosen (und ich mag Euch wirklich :)) Es tut mir leid, dass meine Aufmerksamkeit heute von euch und euren Fäkalbakterien wegschwenkte und sich etwas verständnislos wütend auf unseren gemeinsamen transatlantischen Freund richtete. Ich verspreche, mich euch bald wieder gebührend zu widmen. Und bis dahin denkt stets daran:

Lieber Kacke als Blut an den Händen!

(Und an euren Krankheitstagen könnt ihr ja mal das Klo putzen).

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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13 Antworten zu Blut, Scheiß und Tränen.

  1. gnaddrig schreibt:

    Der Zusammenhang zwischen Hygiene und Krankheit ist mit Vorsicht zu genießen. In gewissem Umfang kann man sich an die hygienischen Bedingungen anpassen. Wer in der Antarktis geboren wurde und aufwuchs, wird kaum ein nennenswertes Immunsystem haben, weil es dort kaum Krankheitserreger gibt. Solche Leute werden hierzulande dann reihenweise krank.

    Andererseits leben Leute in ländlichen Gegenden in Afrika oder in Russland unter hygienischen Bedingungen, die wir verzärtelten Mitteleuropäer kaum überleben würden, bzw. wo wir die ersten sechs Monate die meiste Zeit Durchfall und sonstige Verdauungsprobleme hätten, bis sich der Körper und das Immunsystem an die Bedingungen gewöhnt haben. Ich bin sicher, dass sich Frankreich in hygienischer Hinsicht innerhalb eines „bewohnbaren Bereichs“ befindet. Sonst gäbe es doch sicher Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt…

    • Pfeffermatz schreibt:

      Alles korrekt. In fremden Ländern mit niedrigeren hygenischen Standards und einfach höherer Kontaminierung (was auch der Hitze geschuldet sein kann) hat man in der Regel doch mit „Montezumas Rache“ zu kämpfen.
      Und doch gelten für französische Bakterien die gleichen Gesetze wie in bei uns: Händewaschen hilft! Mich wundert und fasziniert einfach, wie zwei benachbarte Völker so unterschiedlich ticken können 🙂
      Noch was – ich hatte diesen Artikel „zu früh“ publiziert – ich kam auf den falschen Knopf. Inzwischen habe ich ihn (bis aufs Korrekturlesen) beendet. Aber Franzosen kommen nicht mehr vor 😉

      • gnaddrig schreibt:

        Ja, dafür dass wir Nachbarn sind, sind wir doch recht unterschiedlich verdrahtet. Faszinierend, wie anders Leute drauf sein können. Die denken über uns wahrscheinlich ähnlich 🙂

      • Pfeffermatz schreibt:

        Das vermute ich auch… muss da mal meine Schwagerschaft anhauen, was die an uns deutsche merkwürdig finden. Das gibt hoffentlich was her für einen weiteren Artikel!

      • gnaddrig schreibt:

        Kann ich mir gut vorstellen. Nur zu, da wäre ich gespannt, was dabei herauskommt!

  2. Sam schreibt:

    Bei der Aussage „Auch das Recht, gesund werden zu können, gehört zu den Menschenrechten“ irrst Du. Auch ich bin ein freund von vielen kollektiven Lösungen. Aber Menschenrecht ist das recht auf körperliche Unversehrtheit und bedeutet, dass einem Menschen keine Gewalt angetan werden darf. Nebenbei leitet sich daher direkt das Verbot der Todesstrafe ab.

    Mithilfe der Gemeinschaft zu Gesunden ist eine Verteilungsfrage. Und das ist ein Bürgerrecht, zumindest in Deutschland (Versicherungspflicht).

    Der Unterschied ist immens: ALLE Menschen (auch die im Ausland, auch Nicht-Bundesbürger im Inland) genießen Menschenrechte. Punkt. Aus. Fertig. Deutsche Bürgerrechte sind nur für Deutsche. Also Vorsicht mit Begriffen.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Sicherlich hast du recht. Doch folgte ich mit der Verwendung des emotionell stark besetzten Begriffs „Menschenrechte“ eine gewisse Absicht, denn gerade dieser Begriff wird gerne schlagwortartig im Zusammenhang mit China verwendet („Merkel will in China über Menschenrechte reden“, und meint dort übrigens auch nur Menschenrechte für Inländer). Ich wollte also die unterlassene Hilfeleistung, welcher die USA sich schuldig macht, den fehlenden Menschenrechten in China – die eben auch von den USA angeprangert werden – gegenüberstellen.

  3. Marina Z schreibt:

    Ich hatte mit meinem Exfreund, gebürtiger US-Amerikaner aus Michigan, häufig Unterhaltungen über Hygiene. Allem Anschein nach gibt es in den Staaten das Gerücht, dass Europäer weniger duschen als Amerikaner. Was nicht verwunderlich ist, da Amerikaner häufig zweimal täglich unter die Dusche springen, ohne dass der zweite Duschgang durch eine sportliche oder anderweitig schweißproduzierende Tätigkeit ‚gerechtfertigt‘ wäre. Aber gut.

    Meine Gedanken zu dem Thema wollte der Gute nie wirklich hören, verankere ich den amerikanischen Waschzwang – und es ist ein Zwang! – in einer tiefen psychologischen Störung. Dieses Land ist einfach so voll von Dichotomien.
    Das lässt sich am Beispiel Sex sehr gut erkennen: Unter den jüngeren Leuten – mein Freund und ich waren damals Mitte 20 – sind Gespräche über Sex üblich. Das sind keine Gespräche, in denen man seine echten Sexerlebnisse austauscht, sondern es sind „Hey, would you like to bang that red-head chick from How I Met Your Mother?“-Gespräche. Es sind Pornunterhaltungen, die nie persönlich werden. So ist es natürlich auch, wenn wir die Familie meines Exfreundes besuchten – in dem Falle war Sex schichtweg nonexistent.
    Dabei sind die US-Amis hinter geschlossenen Türen abartig pervers. Nach außen hin wird ein reines Image präsentiert, während jeder, wirklich jeder weiß, wie der durchschnittliche Ami – Mann und Frau – tickt. Aber ausgesprochen wird es nicht.

    Und hier setzt meine Waschzwanghypothese ein: Ich glaube nämlich, dass Amis permanent den Drang verspüren, sich von all ihrem unausgesprochenen Dirt freizuwaschen. Denn Jüngere, selbst wenn sie selber nicht unbedingt religiös sind, haben meistens trotzdem eine relativ gläubige Familie. Und irgendwas muss dises Doppelleben doch psychologisch mit ihnen machen. Der Wunsch clean zu sein, wäre dann eines der Symptome dieser Psychose.

    Ich sehe aber durchaus ein, dass sich meine These wissenschaftlich nicht halten lässt 😛
    Mal sehen – vielleicht versuche ich in einem meiner nächsten Blogeinträge validere Argumente zu finden.

    In jedem Fall fand ich deinen Artikel spannend, weil ich mir bisher selten Gedanken über das Hygieneverhalten anderer Länder gemacht habe.

    Derzeit bin ich übrigens in einen Franzosen verliebt. Aber wie es um dessen Sauberkeit steht, weiß ich noch nicht. Da er halb französisch, halb deutsch ist, bin ich aber zuversichtlich! 😀

  4. Marina Z schreibt:

    Upserle! Das mit dem Mich-Kurz-Fassen hab ich nicht so 😛 Aber warum auch? Das Leben ist kurz. Schnell noch alles loswerden!

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