Auf der Suche

Wie so viele von uns, bin auch ich auf der Suche. Auf der Suche nach einem vertrauenswürdigen Politiker, der auch bei Bauer-Sucht-Butler bestehen würde; nach einem Rezept für selbstgebackene Kekse, die besser schmecken als die leckersten abgepackten Kekse für Ein-Euro-Neunundsechzig; nach einer Großstadt, deren geographischen Koordinaten miteinander multipliziert eine Primzahl ergeben; und natürlich – getreu dem Motto meines Blogs – nach dem Glück vergangener Tage.

Bei den ersten drei Punkten mag ich meine Suche so gut wie eingestellt haben, aber was das Glück angeht, bin ich gerade voll dabei. Insbesondere drei Glückse jage ich momentan hinterher:

  1. Gerne lese ich ZEITonline. Genauso wie andere kostenlose Informationsangebote, wie z.B. Spügel, Blöddeutsche, Weltipedia und sämtliche Seiten, die mir wertvolle Tipps über Candy Crush, meine defekte Heizungsanlage oder meine eingebildeten Krankheiten geben. Diese Woche las ich nun: „In einer Sonderausgabe widmet sich das ZEITmagazin den deutsch-französischen Beziehungen. Passt zu meinem Blog, da kann ich ruhig das Geld in die Druckausgabe investieren, dachte ich. Insbesondere da meine Frau wohl auch mitlesen würde, womit ich ein Teil der (Geld-)Ausgaben als familiären Lesestoff-Spende und einen weiteren Teil als Eheberatung absetzen könnte.
    Ich also ab zur Tanke und die ZEIT gekauft. Und vorher noch schlauerweise durchgeblättert, um sicher zu gehen, dass das Magazin auch drin war. War sie nicht. Das Suchen des Magazins dauerte dementsprechend lange, so dass ich begann, unangenehm aufzufallen. Als der Angestellte dann seinen Chef zur Kundenbegutachtung holte, kaufte ich aus lauter Verlegenheit die Ausgabe da drunter. Was soll ich sage – auch diese Ausgabe war ZEITmagazin-befreit. Ist das normal so? Keine Ahnung, jedenfalls habe ich gestern eine email an die ZEIT geschickt, sie mögen mir bitte das Magazin zuschicken. Ich bin gespannt, ob’s funzt.
  2. Am gleichen Tag (Samstag, übrigens, hätte aber auch ein Donnerstag sein können), hörte ich beim Abwaschen meinen Lieblings-Online-Ass-Kicking-Blues-Rocker-Sender, der da wäre BellyUp4Blues. Das ist übrigens eine wichtige Zutat in meinem derzeitigen Glücksrezept: Samstags (also doch nicht donnerstags) beim Essenkochen (falls ich dran bin) mittellaute Blues-Mucke hören, vielleicht aber auch weinerliche Männer und jodelnde Frauen mit Banjos (das nennt sich dann Blue Grass). Während des Essens gibt es eher was ruhiges, aber beim Abwaschen dreh ich die Quetschkiste mit den Arschtretenden Blauschauklern dann doch etwas auf, so dass es nach was klingt (das Teil hat nämlich furchtbar tiefe Tiefen und zum Ausgleich fast keine Höhen, sprich: es ist dumpf wie ein Nazi)…
    Ähem, wo war ich? Ja, genau: sie spielten also ein Lied namens „Wooly Mammoth„, aber den Interpreten habe ich mir nicht gemerkt (wird ja angezeigt), und am Sonntag suchte ich dann das Lied im Netz, alas: ich fand es nicht. Zwar ergoogelte ich mir zwei Songs, die so oder ähnlich hießen, aber sie stimmen nicht mit den Fetzen in meinem Kopf überein (schönes Bild, würg). Glück für die Lieder, Pech für mich. Also habe ich heute ein Kommentar auf deren Seite hinterlassen. Ich bin gespannt, ob’s funzt.
  3. Zu meiner Zeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni entdeckte ich beim Schmökern in der Institutsbibliothek ein Büchlein, das mich sehr fesselte. Es ging um Laienmathematiker, die fehlerhafte mathematische Beweise aufstellten und diese an irgendwelche Professoren schickten (solche Leute gibt es übrigens haufenweise, auch ich hatte mit einem zu tun – der klopfte eines Tages an meiner Tür an der Uni und wurde alle paar Monate wieder vorstellig, leider hatte ich nicht die innere Kraft, ihn abzuweisen).
    Die Leute, die in diesem sehr kurzweiligen Buch beschrieben wurden, gehörten jedenfalls zu den Verschwörungstheoretikern: Kein Gegenbeweis, kein gutes Zureden, keine Autorität – einfach nichts konnte sie davon abbringen, dass Pi gleich Drei ist oder das es irgendwo da draußen reelle Zahlen gibt, die dem Assoziativgesetz nicht gehorchen. Das Buch enthielt die Schriftwechsel von vielleicht zehn solcher Leute mit dem armen Mathematiker, der von Amts wegen mit solchen Leuten zu tun hatte, und seine Erlösung offenbar im Schreiben dieses Buches fand. Ich verfolgte gespannt, wie die armen Seelen jede Gegenrede als Angriff auf Ihrer selbst interpretierten, jede Tatsache anzweifelten, die ihrer Behauptung widersprach, und Ablenkung, Ablehnung und Ignoranz im beliebigen Maße als Bausteine ihrer „mathematischen“ Beweise verwendeten. Leider habe ich nicht die geringste Ahnung, wie das Buch hieß, geschweige denn, wer der Autor war. Ich weiß nicht mal, ob es auf deutsch oder auf englisch war. Ich habe versucht, es zu ergugeln, habe aber wirklich gar kein Anhaltspunkt. Und die Institutsbibliothek wird mir auch nicht helfen – es handelt sich dabei nicht etwa um eine Institution, sondern um einen auf zwei Etagen mit Bücher vollgestellten verstaubten Raum (für Bibliophile wie mich ein Paradies!). Womöglich gibt es dafür einen elektronischen Katalog (zu meiner Zeit gab es den nicht), vielleicht schreibe ich den letzten verbliebenen Exkollegen mal an… Ich bin gespannt, ob’s funzt.
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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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5 Antworten zu Auf der Suche

  1. gnaddrig schreibt:

    Dann wünsche ich Dir viel Glück bei Deinen Suchen. Das Laienmathebuch kenne ich nicht, aber ich habe vor Jahren mal ein Werk aus den 70er oder 80er Jahren gekauft, in dem ein älterer Herr hieb- und stichfest sowie schmerzfrei darlegt, warum die (damals mit Enthusiasmus in den Grundschulen gelehrte) Mengenlehre Unsinn sei. Den Namen des Autors und den Titel weiß ich nicht mehr, das Buch lagert in einer Kiste, an die ich zur Zeit nicht drankomme. Aber wenn Du Interesse hast, schicke ich Dir bei Gelegenheit mal die Details. Der Autor hat im Vorwort sogar erwähnt, dass sein Sohn – Mathematiker oder Mathelehrer seines Zeichens – ihm nahgegelegt hatte, das mit dem Buch doch seinzulassen, damit er sich nicht unsterblich blamiere. Er war aber so überzeugt von seiner Sache, dass er das Buch natürlich trotzdem veröffentlicht hat. Es war auch für mich als Laien sehr unterhaltsam zu lesen.

  2. franhunne4u schreibt:

    War das Buch mit den mathematischen Beweisen von Underwood Dudley, Mathematical Cranks? Das habe ich mit einer einfachen Google-Nachfrage jedenfalls gefunden. Gibt es auch auf der Seite, vor der die Buchhändler warnen, dass sie die kleinen Buchgeschäfte kaputt mache.

  3. franhunne4u schreibt:

    Das Mathebuch gibt es auch gebraucht – auf Deutsch – Mathematik zwischen Wahn und Witz … Ich denke, Underwood Dudley ist dein Autor.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Ist das geil! Es ist es – und ich habe es auch schon bestellt… Danke! Und Grüße an meine ehemalige Heimatstadt, wo das „Original“ noch steht (in der Bibliothek des Instituts für Angewandte Mathematik). Ach was ist das schön 🙂

      • franhunne4u schreibt:

        Mal den alten Goethe zitiere, weil ich den noch nie ausstehen konnte, aber so manches Zitat von ihm dann doch wahr ist:
        Willst du glücklich sein im Leben
        trage bei zu andrer Glück
        denn die Freude, die wir geben
        kehrt ins eigne Herz zurück

        Hat der alte Weimaraner doch mal wieder Recht 😉

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