Held der Wissenschaft

Ich sehe mich manchmal als Wissenschaftler, in einer großen Reihe von selbstlosen Helden, die ihre körperliche und geistige Gesundheit dem Fortkommen der Wissenschaft opferten. Bei Wikipedia findet sich eine wundervolle und amüsante Liste von mutigen Menschen, die sich voller Absicht mit hochgefährlichen Viren infizierten, sich Bakterien oder sonstigen Kleinstlebewesen in ekelerregender Anzahl aussetzten oder sich selber klasse Drogen in wahnsinniger Überdosis verabreichten, giftige Gewächse in unverantwortlicher Menge aßen, sich Katheter sonst wohin schoben, eigene Körperteile entfernten oder ihren Körper extremen Bedingungen (Beschleunigungen, Temperturen, Strahlungen) aussetzten. Die Liste ist wirklich lesenswert!

Gestern war jedenfalls ich dran, in die Wissenschaftsgeschichte einzugehen. Ich war dabei, einen bei Max Bahr (die ja zusammen mit Praktiker in den Abgrund gerutscht sind und nun ihr Inventar verammschen müssen) für kleines Geld gekauften Briefkasten an die Hauswand anzubringen. Dazu musste ich sechs Löcher in den Klinker bohren. Für alle, die es nicht wissen: Ziegelsteine (oder Backsteine oder Mauerziegel oder Blendziegel oder wie immer) sind verdammt hart. Ich musste jedenfalls meine (alte, preisgünstige, mit ebenfalls preisgünstigen Bohrern bestückte) Bosch-Bohrmaschine schon auf „volle Kanne“ und „Hämmern was das Zeugs hält“ stellen und dann minutenlang wie ein Beserker pressen, bis ein dübellanges Bohrloch entstand. Dabei fing die Spitze des Bohrers jeweils schon nach wenigen Sekunden an, rot zu glühen. Und genau hier beginnt die Wissenschaft – und zwar, wie so häufig, mit einer Frage:

Wie heiß wird die Spitze des Bohrers?

Meine Frau sagte: „Klar, sie wird sehr heiß!“, aber eine solche unwissenschaftliche Aussage reichte mir natürlich nicht. Also führte ich folgenden Versuch durch, den ich hiermit der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung stelle:

Man bohre einige Sekunden, ungefähr so lang wie einmal der Refrain von All Right Now. Dann halte man sich die Bohrspitze an die Haut (ich suchte mir dafür das innere Handgelenk aus, also die klassische Selbstmörder-Stelle nahe den Pulsadern, was aber nur Zufall war). Das Ergebnis ist auf folgenden Bild zu sehen

Bild

und kann mit folgender wissenschaftlichen Erläuterung beschrieben werden:

Klar, sie wird sehr heiß!

Ich gebe zu, Syphilis oder Oroya-Fieber sind schlimmer als das bisschen angebrannte Haut, aber ich erwarte ja auch keinen Nobelpreis. Danach war die Zeit gekommen, meinen Aufstieg in den Wissenschaftsolymp gebührend zu feiern, was ich mit folgendem Selbstgeschenkversuch unternahm:

Bild

Was Max von Pettenkofer seinen Cholerabakterien, ist halt mir mein Bourbon. Und was soll ich sagen: Versuch geglückt!

P.S. Das hier ist eine viel schönere Version des oben verlinkten Liedes:

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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10 Antworten zu Held der Wissenschaft

  1. franhunne4u schreibt:

    Nun, ich habe wissenschaftlich getestet, ob man auch zum Einstellen einer Auflaufform in einen vorgeheizten Backofen Handschuhe benutzen muss – es ist anzuraten … 😉

    • Pfeffermatz schreibt:

      Du Held! Den Ofen-Versuch habe ich sogar mehrmals durchgeführt, nur um das Ergebnis abzusichern 😉

      • franhunne4u schreibt:

        Ich weiß immerhin schon beim ersten Mal, dass es einen Farbwechsel gibt. ERST ist die am stärksten verbrannte Stelle weiß und die Umgebung rötlich, später wird dann die Umgebung wieder weiß – und die „Fastblase“ schillert rötlich.

    • gnaddrig schreibt:

      Sehr schöne Effekte kann man auch durch Berühren der rotglühenden Grillstäbe am Backofenhimmel erzielen. Nicht nachmachen, ist wissenschaftlich hinreichend gesichert 😉

      • Pfeffermatz schreibt:

        Naja, bei einem Ofen kann man die Temperatur immerhin einstellen und somit eine Ahnung davon haben, wie heiß es da drinnen ist. Bei anderen Geräten (wie z.B. der Bohrmaschine) hat man keine derartigen Anhaltspunkte, weswegen dort mutige Wissenschaftlicher weiterhin gefragt sind.

      • gnaddrig schreibt:

        Natürlich ist empirische Wissenschaft weiterhin gefragt! Sehe ich das richtig, dass Du für das Experiment extra die Armbanduhr abgelegt hattest?

      • Pfeffermatz schreibt:

        Für das Foto, das mit 24 Stunden Verspätung erfolgte, habe ich die Armband abgelegt – gut aufgepasst!
        Ob ich die Uhr beim Bohren noch anhatte, weiß ich nicht mehr… Oh je, was für eine mangelhafte Versuchsaufbaubeschreibung…

      • gnaddrig schreibt:

        Beim Bohren kannst Du die Uhr kaum angehabt haben, sonst würdest Du das jetzt am Armband sehen, das müsste verschmort sein.

        Und so heiß, dass er durch ein Armband hindurch so eine Verbrennung verursacht, wird der Bohrer wohl kaum geworden sein. Außerdem hätte ich keinen so präzisen Abdruck der Bohrerspitze erwartet. Bei einem Stahlarmband eher die Umrisse der einzelnen Elemente, bei Leder einen diffuseren Fleck, bei Plastik einen runden Fleck von geschmolzenem Material. Aber hast recht, an der Dokumentation müsstest Du noch ein bisschen feilen 😉

      • franhunne4u schreibt:

        Uuuh – Grillmuster – auch haben will … 😉

      • gnaddrig schreibt:

        @franhunne4u: Da kann man mit Karnickeldraht und zurechtgebogenen Kleiderbügeln aus Draht sicher sehr ansprechende Muster hinkriegen. Einfach ein bisschen experimentieren 😉

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