Gott und die Welt und Samurai-Suppe

Mir war letztens aufgefallen, dass eine gewisse japanische Fabel und ein bestimmter jüdischer Witz, die ich beide mal irgendwo aufgeschnappt habe, von der Erzählung her sehr ähnlich sind. Das nehme ich mal zum Anlass (mal wieder, denn letztes Mal kam mir ja ein Musikstück dazwischen) hier diese beiden Texte zum Besten zu geben, allerdings in der Version, wie ich sie gerne erzähle.

Ein berühmter und mächtiger Samurai erfuhr eines Tages von einem Mann, der die verdammt beste Suppe der Welt kochte. Da kriegte er Hunger, ging zum Hause des Mannes und sagte: „Koche mir die verdammt beste Suppe der Welt!“.

Der Mann bat den Samurai einzutreten und sich hinzusetzen. „Also gut, ich koche jetzt für Euch die verdammt beste Suppe der Welt“, sagte dieser und begab sich in die Küche. Der Samurai wartete ungeduldig und wartete weiter, und nach einer halben Stunde wurde er sehr ungeduldig und herrschte den Mann an: „Wo bleibt meine verdammt beste Suppe der Welt?“. Der Koch trat ins Zimmer, sagte: „Das dauert noch ein bisschen“, und verschwand wieder in seine Küche.

Nach einer weitere halben Stunde war der Samurai regelrecht sauer, warf sein Trinkgefäß an die Wand und brüllte: „Ich will jetzt meine verdammt beste Suppe der Welt!“. „Das dauert noch eine kleine Weile“, sagte der Koch und werkelte in der Küche weiter. Noch mal eine halbe Stunde später – der Samurai brodelte schon wie ein Vulkan – schrie er: „Wenn ich nicht gleich meine verdammt beste Suppe der Welt kriege, haue ich hier alles kurz und klein!“ und schlug – teils aus Prinzip und teils aus Unbeherrschtheit – schon mal ein paar Möbelstücke entzwei. „Nur noch ein kleines bisschen warten“, rief der Koch aus seiner Küche.

Eine weitere halbe Stunde später – die Einrichtung des Zimmers war inzwischen vom Samurai größenteils in Einzelteile zerlegt worden – erschien nun endlich der Koch mit seiner Suppe. Er setzte sie dem Samurai vor, dieser aß davon – und was soll ich sagen: es war die verdammt beste Suppe der Welt.

„Diese Suppe“, sagte der Samurai, „ist die verdammt beste Suppe der Welt! So sage mir: wie machst du sie?“

„Ach“, sagte der Mann, „es nützt doch nichts, Euch das Rezept zu geben. Da ist eine ganz wichtige Zutat drin, da kommt Ihr nicht dran.“

„Was?!“, brüllte der Samurai, „ich bin berühmt und mächtig! Ich bekomme jede erdenkliche Zutat!“

„Nun, diese aber nicht“, erwiderte der Koch.

„Das ist ein Unverschämtheit!“ schrie der Samurai. Er stand auf und zerschlug den Tisch mit einem mächtigen Hieb seines Schwertes. „Sage mir, bevor ich dir den Kopf vom Leibe trenne: wie heißt die Zutat?“

„Die wichtigste Zutat in dieser Suppe, o großer Samurai, ist Geduld.“

Es ist nicht überliefert, ob der Koch diese Antwort überlebt. Wahrscheinlich hat diese Geschichte auch eine Moral, aber damit wollen wir uns nicht belasten. Stattdessen folgt jetzt besagter jüdischer Witz, der – wie im jüdischen Humor üblich – das Verhältnis zu Gott auf den Arm nimmt:

Ein Mann möchte sich einen neuen Anzug machen lassen. Da erfährt er von einem Schneider, der die verdammt besten Anzüge der Welt machen soll. Er geht also zu dem Schneider, lässt Maß nehmen, und sucht sich Stoff und Schnitt und Wasimmer aus.

„Ich melde mich bei Ihnen, wenn der verdammt beste Anzug der Welt fertig ist“, verabschiedet sich der Schneider von dem Mann.

Es vergeht eine Woche, dann noch eine und noch eine. Der Mann wird ungeduldig und schaut beim Schneider vorbei: „Was macht mein Anzug?“

„Das dauert noch ein bisschen“, sagt der Schneider und verschwindet wieder in seine Werkstatt.

Nach weiteren zwei Wochen ist der Mann regelrecht sauer, stampft zur Schneiderei und verlangt zu wissen, was mit seinem verdammt besten Anzug der Welt los sei. „Das dauert noch eine kleine Weile“, sagt der Schneider und werkelt weiter in seiner Werkstatt.

Noch mal zwei Wochen später – wäre der Kunde ein Samurai, hätte er bis jetzt einiges kaputt gemacht, aber er ist ja nur ein einfacher Mann auf der Suchen nach einem Anzug – meldet sich der Schneider, um zu sagen, dass der Anzug nun fertig sei. Der Kunde kommt vorbei, legt den Anzug an, betrachtet sich im Spiegel – und was soll ich sagen: es ist der verdammt beste Anzug der Welt. Stoff, Nähte, Schnitt, Sitz, Tragegefühl, Gesamterscheinung – alles besser als perfekt.

„Dieser Anzug“, sagt der Mann, „ist der verdammt beste Anzug der Welt!“

„Also alles zur vollsten Zufriedenheit?“ fragt der Schneider.

„Ja – nur…“

„Nur was?“

„Also“, sagt der Mann, „der Anzug ist wirklich der verdammt beste Anzug der Welt, aber musste das wirklich so lange dauern, ihn herzustellen?“

„Finden Sie sieben Wochen lange?“ fragt der Schneider.

„Naja, Gott hat die ganze Welt in nur sieben Tagen geschaffen, da sind sieben Wochen für einen einzigen Anzug schon lange.“

„Na“, sagt der Schneider kopfschüttelnd, „schauen Sie sich die Welt mal an… und dann schauen Sie sich diesen Anzug an!“

Advertisements

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
Dieser Beitrag wurde unter Auf dem Weg zum Glück, Aus Spaß am Leben abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Gott und die Welt und Samurai-Suppe

  1. petrus2105 schreibt:

    Hat dies auf Petrus2105's Blog rebloggt und kommentierte:
    Wie Recht der Schneider doch hat! 😉

    • Pfeffermatz schreibt:

      Danke für den Reblog! So schlecht scheint die Welt ja gar nicht zu sein 😉 Und beim Frankenberger Viertel hatte Gott wohl laut deines Blogs einen guten Moment erwischt, oder?

  2. franhunne4u schreibt:

    Ich denke, der Samurai hatte die geheime Zutat selbst mitgebracht – er hatte doch HUNGER – und musste noch 2 Stunden warten. Hunger aber ist der beste Koch!

  3. tinyentropy schreibt:

    Sehr schön. Dabei fiel mir wieder ein, dass ich mir zum Thema Geduld auch schon mal meine Gedanken gemacht hatte:

    http://tinyentropy.com/2013/01/07/alles-hat-seine-zeit/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s