Hollywood in Aachen

Russell Crowe

Ungefähr so sah er aus, nur mit mehr Haaren und Wald.

Gestern traf ich beim Fahrradfahren im Aachener Wald auf Russell Crowe. Ich war auf dem Weg vor der Arbeit nach Hause und er kam mir zu Fuß entgegen, unbeschwert pfeifend. Russel trug zur Tarnung einen Blaumann und die Haare zum Zopf gebunden, doch lächelte ich ihn im Vorbeirasen wissend an. Mein Lächeln sollte heißen: „Ihr Geheimnis ist bei mir sicher. Genießen Sie ihren heimlichen Kurzurlaub“.

George Lucas cropped 2009.jpgFalls Ihr euch wundert, dass ich diese Begegnung so locker und souverän gemeistert habe, so liegt das daran, dass internationale Prominenz in Aachen derzeit keine Seltenheit ist. Ich bin sozusagen in der Übung. Gerade letzte Woche spazierte George Lucas in der Innenstadt vor mir her. Ich folgte ihm ein bisschen, um zu sehen, wo er hin wollte, doch ich fand es nicht heraus. Vielleicht wollte er einfach nur spazieren, aber vielleicht wollte er auch zum Friseur: seine Haare waren nämlich nicht ganz so akkurat in Form, wie ich das von Fotos her kenne. Das war wohl auch der Grund, dass er außer mir niemandem aufzufallen schien. Das, und die Schlabberklamotten, die Promis im Urlaub ja gerne tragen.

Oder er wollte Döner essen gehen, so wie Judd Hirsch und Mark Ruffalo, die ich zusammen beim Türken erwischte. Im Schlabberlook, jeweils – aber selbst die zehn Meter Entfernung und die speckige Fensterfläche zwischen uns konnten ihre unverkennbaren (und stets unrasierten) Gesichtern nicht vor meinem wachsamen Auge verbergen. Ben Kingsley hatte ich dort auch erwartet, aber er hatte wohl schon gegessen.

Deswegen jedenfalls hat mich die Begegnung mit Russel Crowe nicht mehr wirklich umhauen können. Zwar folgt aus Lucas nicht unbedingt Crowe, aber es ist wie beim Perlentauchen: Hat man eine Perle gefunden, so ist die zweite auch nicht weit. Will sagen: Ist einem schon der Ober-Jedi über der Weg gelaufen ist, so kann die Begegnung mit dem Gladiator auch nicht mehr schocken.

Oder wie beim Versuch mit dem frisch ausgepackten französischen Kartenspiel: Man fragt einen Probanden, wie hoch er die Wahrscheinlichkeit schätzt, dass unter den ersten Queen playing cardszehn aufgedeckten Karten eine grüne Dame ist; die Wahrscheinlichkeit soll größer Null sein. Da es normalerweise keine grüne Karten gibt, wird er eine sehr sehr kleine Zahl nennen, zum Beispiel 0,0001 Prozent. Nun deckt man man die Karten nacheinander auf: Pik Sieben, Herz As, Karo Drei, … beautiful stamp wilding GB 9D 9d (9p pence) pre decimal green queen QEII elisabeth royal pence penny elizabeth england uk great britain united kingdom postage revenue porto timbre bollo sello marke briefmarke stamp WindsorNach jeder aufgedeckten Karte bittet man ihn, die Wahrscheinlichkeit neu zu schätzen; seine Zahl wird immer kleiner werden, denn schließlich werden die übrig gebliebenen Karten immer weniger. Als sechste Karte deckt man nun einen grünen Buben auf – obwohl auch diese Karte nicht der gesuchten entspricht und wieder eine Karte weniger im Stapel ist, springt die geschätzte Wahrscheinlichkeit steil in die Höhe: denn die Prämisse, es handele sich um ein „übliches“ Kartenspiel, hat sich plötzlich verändert.

Ich glaube, ich weiche vom Thema ab. Jedenfalls hat sich die Prämisse, Hollywood-Stars würden sich höchst selten nach Aachen verirren, für mich ebenfalls in Luft aufgelöst. Nachdem ich letztens in die Straßenbahn eingestiegen war und mich hingesetzt hatte, war mir, als hätte ich im Sitz hinter mir eine mittelbekannte Schauspielerin erblickt. Natürlich konnte ich mich schlecht umdrehen und sie anstarren, doch wusste ich mir mit einem genialen Trick zu helfen: ich nahm mir das aktuelle ZEIT-Kreuzworträtsel vor (welches ich stets ausgedruckt bei mir trage) und ließ mehrmals meinen Kugelschreiber fallen, um beim Aufheben unauffällig meinen Kopf zu verrenken und einen Blick auf die Dame zu erhaschen. Zusätzlich zu meinen detektivischen Absichten hoffte ich, durch die Beschäftigung mit dem ZEIT-Rätsel als besonders intelligent zu wirken, aber ich fürchte, dass die Wirkung dadurch verpuffte, dass ich offenbar nicht in der Lage war, einen Kugelschreiber festzuhalten. Besser wäre gewesen, sie hätte mir gegenüber gesessen, aber das wäre bekanntlich nicht kompatibel zu meiner Sitzwahl.

Jedenfalls handelte es sich bei der Dame tatsächlich um eine mir vage bekannte Schauspielerin, die sich mit etwas Gegugele als Maura Tierney herausstellte. Geradezu absurd wurde die Geschichte, als Maura am Elisenbrunnen aussteig, und niemand Geringeres als Madeleine Stowe ihren Platz einnahm. Die beiden sahen sich nicht mal an. Ich hatte gedacht, die zwei würden sofort eine Unterhaltung beginnen: „Maura! You here in Ahken!“ „Madeleine! How nice to see you! So you’re spending the summer here, too?“ „Of course Maura, the Drylenderack is theee place to be this year!“ „We should get together at one of those shwarma-places this week! I even saw that guy who played the Hulk at one of them yesterday!“ „Lou Ferrigno?“ „No, the new one, and not Bana and not Norton either. The other one. Whoever.“ „Great! You know they call schwarma ‚doner‘ here, with those funny dots on the ‚o‘?“ „Oh, how cute! I just looove Ahken!“

Doch nichts dergleichen. Naja, vielleicht mögen die zwei sich nicht so; Hollywood soll ja ein echtes Zickennest sein. Deswegen machen die wohl auch alle Urlaub in Aachen, schätze ich.

Nach all dieser Hollywood-Celebrities fand ich es geradezu erfrischend, bei der Hochzeit eines Kollegen „nur“ den Hochadel anzutreffen. Genaugenommen war es Willem-Alexander, Koning der Nederlanden, der auf der anderen Seite des Gangs (die Braut-Seite) zwei Reihen vor mir saß. Máxima war nicht dabei, dafür hatte er eine andere Frau und einen Anzug von C&A, so zur Tarnung, sicherlich. Aber ich habe ihn trotzdem erkannt, und so nah wie wir hier an Holland wohnen, war das jetzt auch nicht so unwahrscheinlich, ihm mal leibhaftig gegenüber (bzw. hinterüber) zu stehen.

Ich kann stolz berichten, dass ich auch ihn nicht angesprochen habe. Die Leute sollen sich hier ja wohl fühlen!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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6 Antworten zu Hollywood in Aachen

  1. Nesselsetzer schreibt:

    Ich bin ja mal gespannt, wieviele Gegendarstellungen Du in nächster Zeit veröffentlichen musst, dass der oder die Betroffene keineswegs zu der Zeit in Ahken war. 😉

  2. gnaddrig schreibt:

    Hättste mal Dein Hancy gezückt und fleißig papparazziert. Dann hättest Du die Klatschpresse für Wochen mit Bildmaterial versorgen und von den Honoraren ein Jahr lang sorglos leben können…

    • Pfeffermatz schreibt:

      Haste schon vergessen? Mein Handy-Akku ist grundsätzlich leer. Ich könnte ja nicht mal nach Hause telefonieren, wenn ich E.T. treffen würde.

      • gnaddrig schreibt:

        Ah, stimmt, da war doch was. So’n Mist aber auch. Was da für Kohle einfach so ins Nichts entschwunden ist. Naja, immerhin hast Du jetzt die wärmenden Erinnerungen an die illustren Begegnungen, das ist ja auch was. Kann nicht jeder vorweisen…

  3. petrus2105 schreibt:

    Hat dies auf Petrus2105's Blog rebloggt und kommentierte:
    Mal wieder eine tolle „Pfeffermatz-Geschichte“!!!

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