Ein Sonntag, wie er vermutlich nicht im Buch der Bücher steht.

Am heutigen Sonntag wachte ich juckend auf. Kein Wunder, denn ich hatte den ganzen verdammten Samstag damit verbracht, im Heimarbeitsprojekt „Badezimmer“ (unter fachlicher Anleitung, denn ich habe ja keine Ahnung von so was) zu verfugen, zu kleben, zu spachteln und zu schleifen. Kein Grund, mich zu waschen, denn es ging ja gleich weiter.

Also, Frau und Kinder erst mal ab zur Kirche, wo sie einmal im halben Jahr hingehen. Normalerweise komme ich mit, damit ich dem alten Herrn (nennen wir ihn Bernfried) von Angesicht zu Angesicht sagen kann, dass ich seine Nichtexistenz für wahrscheinlicher als das Gegenteil halte – doch heute hatte ich Schleif- und Streicharbeiten zu erledigen.

Also setzte ich mich – kaum dass der Rest der Familie aus der Tür war – erst mal mit einer Tasse Kaffee ans Klavier. Das ging knappe fünf Minuten gut, schon kam die Mischpoke vom Bernfried-Besuch wieder. Offenbar fand die Sonntagsmesse diese Woche im Nachbardorf statt, entgegen dem Plan. Das stand so wohl auch im Pfarrbrief, doch leider kriegen wir den nicht mehr, seitdem ich einmal meine Reden in Versform an die Pfarrheimwand angebracht habe. Mit Acryllack. Tut mir jetzt auch irgendwie leid.

Jedenfalls konnte ich mich jetzt nicht länger vor der Arbeit drücken und machte mich auf den Weg ins zu renovierende Bad. Da meine Frau so nett war, die Fenster- und Türrahmen abzukleben (die neuen Fliesen und Bad- und Duschwanne hatten wir schon am Vortag geschützt) versprach ich ihr, dass das Schleifen der Wände mit einem Handschleifer nicht besonders viel Staub machen würde. Ich irrte mich. Alles nicht so schlimm, denn ich habe gelernt: Fenster weit auf, dann zieht der Staub raus in die weite Welt. Außer natürlich, die Ehefrau hat beim Abkleben der Fenster diese regelrecht zugeklebt. Es gab… Staub. Viel.

Spreizer schlossoeffnung.jpg

Der ADAC kümmert sich ganz rührend um die Batterie unseres frisch gewaschenen Autos.

Nachdem das Schleifen beendet und der Staubsauger das halbe Badezimmer inhalieren durfte, war es an der Zeit, meine Tochter zu einer Geburtsfeier zu fahren. Meine Frau und ich stritten uns, wer das neu gewaschene Auto fahren durfte. Wie durch Zauberhand war dieses am Vortag von einem dreckigen Wrack in einen glänzenden Neuwagen verwandelt worden. Die Zauberhand gehörte übrigens meiner Frau, die damit den halben Nachmittag zugebracht hatte. Als sich nun aber herausstellte, dass sich im Laufe (oder im Nachgang) der Wascharbeiten die Autobatterie entleert hatte, war auch dieser Streit beigelegt: ich machte mich wieder ans Bad, meine Frau erneuerte ihre Freundschaft mit dem ADAC, und meine Tochter blieb vorerst zuhause (bis sie eine Stunde später dankenswerterweise von einer anderen Mutter abgeholt wurde).

Der nächste Arbeitsschritt lautete: Tiefengrund auf Wände und Decke auftragen. Mir war eingeschärft worden, das Zeugs nirgendswo draufpläddern zu lassen, wo es nicht hingehört, da es nicht mehr abzukriegen sei. Ich also folgerichtig das halbe Bad in Tiefengrund getaucht, mich eingeschlossen. Bernfried, ist das Zeugs flüssig.

Gulpecentrum.JPG

„Gulpecentrum“. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Dafür war aber der ADAC da und hat unsere Karre wieder flott gekriegt. Nun sollte die Kiste zwecks Batterieaufladung vierzig Minuten bzw. vierzig Kilometer fahren, also packte ich meinen Sohn ins Auto und fuhr (von Aachen aus) nach Belgien. Auf dem halben Weg nach Düsseldorf kam ich zum Schluss, dass meinem Navi offenbar nicht zu trauen war, also drehte ich um und landete irgendwie in Holland – bin ich froh, wenn die Großbaustelle Kreuz Aachen fertig ist. Aber Gulpen und die Gegend drumherum sind wirklich schön, und ein Eis gab’s auch, also war alles gut. Und auf dem Rückweg haben wir zwei uns dann noch belgische Pommes in der Lichtenbuscher Kaschemme Frite D’Or gegönnt. Und meiner Frau, der wir den schönen Ausflug schließlich zu verdanken hatten, eine Portion mitgebracht.

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„Panorama heuvelland Maurice van Bruggen“ von Maurice van Bruggen – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Und nun möchte ich….. mich waschen, denn’s juckt immer noch!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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Eine Antwort zu Ein Sonntag, wie er vermutlich nicht im Buch der Bücher steht.

  1. franhunne4u schreibt:

    Ich hab das große Jucken beim Heimwerken immer dann bekommen, wenn ich mit Tapeten (abzulösenden oder anzubringenden) beschäftigt war … und tippe daher auf eine Leim-Allergie …

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