Gesegnete Adventsgrüße!

Ich hasse Weihnachten.

Nicht so sehr wegen dem ganzen Konsumscheiß. Der ist wenigstens ehrlich, solange keiner behauptet, Geschenke zu geben sei sehr viele schöner als welche zu kriegen. Wehe, da müht sich einer voll ab und kriegt selber nichts Gescheites, dann ist die zur Schau gestellte Enttäuschung aber groß. So ein Geben-Ist-Seliger-Als-Nehmen-Mist gibst du nur solange von dir, bis du mal echt nichts abkriegst.

Die ganze überkandidelte Besinnlichkeit törnt mich wohl auch ab, aber auch das ist noch lange kein Grund zum Hassen. Wenn die abgestumpfte Meute Tannenzweige und Dschingelbells braucht, um mal auf den Gedanken zu kommen, dass das Leben doch nicht so beschissen ist, dann meinetwegen gerne.

Was mir aber echt den Brechreiz tief in die Magengrube hämmertkotzxmas, das ist dieser ganze religiöse Mist. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Erstens habe ich nicht das geringste Verständnis für diese pseudochristlichen Heuchler, die sich wohl schämen würden, im Alltag auch nur einen Gedanken an Gott zu verschwenden, aber das christlich geprägte Weihnachts- und Osternfestgetue dann doch als unverzichtbaren Bestandteil der abendländischen Kultur ansehen. Das sind die gleichen rückgratslosen Arschlöcher, die Kirchen und Gottesdienste meiden wie der Teufel das Weihwasser, aber auf jeden Fall kirchlich heiraten und ihre Neugeborenen taufen lassen wollen, denn das gehört sich nun mal so… Sonntags in die Kirche gehen? Unvorstellbar! Aber nicht kirchlich heiraten? Noch unvorstellbarer! Alles Arschlöcher, und dass die Kirchen diese Leute trotzdem verheiratet, zeigt, wie verzweifelt diese Institutionen inzwischen sind. Ich hoffe, sie knöpfen den speichelleckerischen Brautpaaren dabei wenigstens ordentlich was ab.

Dabei braucht es diese halbhochzehnherzigen Pseudochristen gar nicht, um mich in Rage zu bringen, denn mich regen ja schon die „echten“ Christen auf. Natürlich gibt es ausreichend Belege für die Dummheit von Anhängern organisierter Religionen, aber das Weihnachtsfest ist nun mal ein besonders plastisches Beispiel ihrer Beschränktheit: sie feiern zu einem irgendwie ausgedachten Datum ein Fest voller „heidnischer“ Bräuche, ohne großen Bezug zur historischen Wahrheit noch zum urchristlichen Glauben; sie blicken ganz entrückt auf die in ihren offiziellen Glaubensstätten aufgebauten, geschmückten Tannenbäume (hat nichts mit Jesus zu tun), darüber ein Stern (hat nichts mit Jesus zu tun), darunter einer mitteleuropäischer Stall mit allerhand komischen Figuren (hat nichts mit Jesus zu tun), singen Lieder, die jeder Urchrist als Teufelszeug verdammt hätte – und glauben tatsächlich, all das hätte irgendwas mit ihrem Glauben zu tun! Wenn es einen Gott gibt, und wenn dieser gar vor 2000 Jahren einen „Sohn“ in menschlicher Form auf die Erde geschickt hat, und wenn dieser Gott einen Kopf hat, dann kann er diesen angesichts von Tannenbäumen und Adventssonntagen und Gesängen unter gothischen Bögen und vom feierlichen Ernst, mit dem all dies in seinem Namen betrieben wird, nur ganz gewaltig schütteln.

[Oder kotzen, wie ich. Das wäre doch mal eine Idee für eine Weihnachtsgeschichte: die sympathische, mit einem funktionierenden Großhirn gesegnete Hauptfigur – nennen wir sie Christian -, geht an einem besinnlichen Adventssonntag auf die Herrentoilette, um sich mal ordentlich zu übergeben, und trifft dort auf Gott, der gerade das gleiche tut, so wie jedes Jahr. Christian sagt: „Wenn du schon weißt, dass du kotzen musst, dann kannst du ja vorher ordentlich was bechern, das ist dann irgendwie effizienter.“ Aber Gott will kein Alkohol trinken, weil er Wein mit christlichen Priestern und Bier mit katholischen Mönchen in Verbindung bringt und somit dem irrigen Glauben unterliegt, Alkohol sei irgendso ein religiöses Zeug. Aber Christian kann Gott überzeugen, dass Alkohol trotz seiner sakralen Verwendung irgendwie koscher ist, und sie gehen einen heben, worauf Gott zum ersten Mal die wahren Zusammenhänge erkennt und plötzlich George Clooney für den neuen Messias hält. Weiter weiß ich noch nicht.]

Aber was mühe ich mich hier ab… Kein atheistischer Blog dieser Welt kann das von der heutigen Kirche propagierte Bild des Christentums noch mehr ins Lächerliche ziehen, als es die aktuelle Krippendarstellung – mit Ochs und Esel und ausgeruht herumstehenden Eltern und zahlreichen Gästen frisch vom Kostümball, alle selig den ernsthaftesten zehnjährigen Neugeborenen seit Athene im saubersten Stall seit denen des Augias anbetend – eh schon tut.

Oh, der Satz gefiel mir. Hier also noch mal:

Kein atheistischer Blog dieser Welt kann das heutige Christentum noch mehr ins Lächerliche ziehen, als es die Krippendarstellung schon tut.

Friß‘ das, Kirche.

Aber was ich richtig scheiße finde… also richtig richtig richtig scheiße, ist wenn ich an einem Adventssamstag in der Innenstadt von Aachen an der Haltestelle stehe, auf den einzigen Bus wartend, der mich innerhalb der nächsten Stunde in mein Dorf bringt, dieser Bus aber wegen dem beschissenen Weihnachtsmarkt und einer Demo (immerhin kein Pegida-Kack (Abendlandsgläubige gegen Islamgläubige, da könnte ich schon wieder kotzen)) viel zu spät kommt, und wenn er kommt, dann derart vollgestopft mit konsumgeilen Weihnachtsfetischisten ist, dass ich nicht mal mehr einsteigen kann! Und eine Station später steigen die alle aus, da ist nämlich der Hauptbahnhof, aber ich stehe noch an der Haltestelle und kann verdammt noch mal zusehen, wie ich heimkomme!

Ich hasse Weihnachten!

P.S. Dies war ein Gastbeitrag von… äh… von Mfefferpatz. Der eigentliche Blogbetreiber, der liebe Pfeffermatz, ist natürlich ein großer Weihnachts- und Menschen- und Kirchenfreund und mag Wörter wie Arschlöcher oder Teufelszeug oder George Clooney in seinen Beiträgen überhaupt nicht verwenden.

P.P.S. Wer das glaubt, glaubt auch an… einen abendländischen Gott den Weihnachtsmann.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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14 Antworten zu Gesegnete Adventsgrüße!

  1. franhunne4u schreibt:

    Ich mag Weihnachten. Nicht das religiöse Zeug, aber es ist die einzige genehmigte Lichterorgie in einer sehr dunklen Jahreszeit. Eine Freundin von mir war ein Jahr in Australien – da haben sie in der dunklen Jahreszeit KEIN Lichterfest – sie sagt, das sei nicht zum Aushalten. Daher PROST Weihnachten. Und schweige mir von Clooney, dem alten Verräter. Jahrzehnte hat er behauptet: HEIRATEN? ER? NIE WIEDER! … Alle Männer sind Lügner! *schluchz*

    • franhunne4u schreibt:

      Und ja, Geben macht mir sehr viel mehr Spaß als Geschenke zu empfangen. Weil meine Empfänger ganz ausgezeichnet Freude heucheln können – das ist ein artistisches Vergnügen! Klar will ich auch was, aber mehr Freude habe ich am Geben.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Ich lüge ja auch. Eigentlich mag ich Weihnachtstimmung und Feel-Good-Movies und Lichter in der Dunkelheit. Nur das alberne religiöse Getue macht mich fertig. So fertig wie sonst nur Homöopathie und Nationalismus und sonstige Verdummungen.

      • franhunne4u schreibt:

        Daher dudeln bei mir auch allenfalls amerikanische Weihnachtslieder, die mit Religiosität wenig am Hut haben. Santa Baby ist wirklich nicht sehr christlich, auch nicht Up on the rooftop oder White Christmas oder die vielgeplagten Jingle Bells.

  2. Nesselsetzer schreibt:

    Das musste wohl mal raus, was? 😉 Aber im Prinzip hast Du recht, deshalb habe ich Weihnachten schon längst bei mir abgeschafft. Das einzige, worauf ich an solchen Tagen nicht verzichte, ist ein fulminantes Essen, aber auch nur, weil ich Zeit habe, mir eines zuzubereiten…

  3. gnaddrig schreibt:

    Was hast Du gegen Weihnachten? Dass das nur eine symbolische Veranstaltung ist und keine auch nur im Entferntesten authentische Wiederinszenierung der Geburt Jesu, weiß wohl jeder. Dafür ist das ganze eine hübsche Illustration der abendländischen Kultur: Christliches (einschließlich der aus der griechischen Kultur der ersten vier, fünf Jahrhunderte unserer Zeitrechnung in das von der katholischen Kirche vorgeschriebene offizielle christliche Weltbild importierten Elemente) auf Reste verschiedener heidnischer Kulte aufgesetzt und teils an sie angepasst (Daten, Symbolik wie Weihnachtsbaum, Ostereier usw.). Das ist – wie die Bevölkerung beliebiger Teile des Abendlandes übrigens auch – ein buntes Kuddelmuddel aus den verschiedensten Regalen. Deshalb muss man z.B. die Pegiden inhaltlich gar nicht so ernst nehmen (und sie dafür umso ernster in die Schranken verweisen, bevor sie allzuviel Schaden anrichten können).

    • Pfeffermatz schreibt:

      Und du glaubst, die „Christen“ sind damit einverstanden, ihr Weihnachtsfest als kuddelgemuddelte Symbolik verstanden zu wissen? Nee, sie feiern allen ernstes, dass der Heiland im Stall geboren wurde und dass von Engeln informierte Hirten und von einem Stern geleitete Weisen aus dem Morgenland das Jesuskind besucht haben.

      Ich habe nichts gegen Symbolik, dann soll es aber auch als solches verstanden werden. Der dümmliche religiöse Ernst des Ganzen ist nur… nicht so mein Ding 😉

  4. Anonymous schreibt:

    Deine Ehrlichkeit mag ich. In mancher Hinsicht hast Du völlig recht. Dennoch finde ich Weihnachten schön. Ich freue mich, dass mein Sohn jedes Jahr sich freut, mit seinen strahlenden Augen alle alten Weihnachtsdekos auszupacken, die Wohnung gemeinsam mit mir zu schmücken, dann den Tannenbaum auszusuchen. Allein deswegen macht mir Weihnachten eine große Freude. (übrigens bei ihm an der Tür hängt ein Schild „Weihnachtsmann freie Zone“) Und gestern zum Beispiel wollten wir etwas Blumen auf dem Wochenmarkt für den 3. Advent kaufen. Er (ich auch) war total begeistert, besonders als der Blumenhändler uns für 10 € fast den halben Blumenladen geschenkt hat. Wie wir die ganze Zeit bis nach Hause vor Freude gegrinst haben, war richtig toll. Alles wegen Weihnachten! Und jetzt ebenso wegen Weihnachten, freue ich mich über Deines Schreibens. Hey… wir haben uns lange nicht gesehen. Die Kinder sind bestimmt schon so groß. Ich denke auch an Deine hübsche Frau. Ganz liebe Grüße aus der alten Heimat.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Lieber Anonym,
      all die schönen religionsfreien Weihnachtserinnerungen klingen tatsächlich ganz wundervoll! Schön, dass Menschen Ende Dezember tatsächlich mal einen guten Grund haben, nett zueinander zu sein 🙂 Imagine… sie wären auch sonst so… Aber wahrscheinlich geht das eben nicht ohne Xmas.
      Danke für die lieben Grüße; meine Kinder und meine Frau werden in der Tat immer hübscher und größer. Schon unheimlich, das ganze.
      Selamat Hari Natal, Mfefferpatz.

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