Postnatale Planlosigkeit, Teil 1

Die einer Geburt nachfolgenden Behördengänge werden in aller Regel dem Vater aufgebürdet und sind vermutlich als (kleiner) Ausgleich für die von der Mutter geleistete Geburtsarbeit gedacht.

Mein Besuch beim Standesamt verlief (wie auch die früheren) eher unglücklich. Als ich kam, war der ungemütlich bestuhlte Warteflur voll, und natürlich kam (wie immer) kein Schwein mehr nach mir; ich hätte also ruhig eine halbe Stunde später kommen können. Der Kunde (oder Bürger?), der vor vor mir dran war, kam dann ganz schnell wieder aus dem Zimmer heraus, weil er kein Bargeld dabei hatte. Das hatte ich natürlich auch nicht, also ging ich mit ihm die Etage zum Geldautomaten herunter. Und siehe da: noch auf der Treppe kamen mir zwei weitere Bürger mit standesamtlichen Anliegen entgegen – und schon hatte ich zwei weitere Positionen in der Warteschlange eingebüßt, die ich mir nachher mit unfairen Mitteln zurück erkämpfen musste.

Als ich endlich dran war und mir die diversen Urkunden von den gestrengen Standesbeamten ausgehändigt wurden, fiel mir auf, dass ich vergessen hatte, den Doppelnamen meiner Frau anzugeben; dabei hatte ich sogar die entsprechenden Namensänderungen Papiere von anno dazumal dabei. Ich erklärte mein Mitteilungsversagen und entschuldigte mich wortreich, als mich die bösen Beamtenblicke in den Boden zu stampfen versuchten.

„Jetzt müssen wir alle Dokumente vernichten und neu ausstellen!“

Glücklicherweise besitze ich beim dritten Kind (vielleicht auch nur aufgrund meines fortgeschritteneren Alters) etwas mehr Souveränität als vor zehn Jahren, als ich ähnlich planlos wie heute war. Als die Sachbearbeiter mit dem Vernichten der „Dokumente“ anfingen und mir die dabei kalte Schulter zeigten, fragte ich, ob es helfen würde, wenn ich „wieder draußen auf der Strafbank Platz nehmen“ würde. Und siehe dann: sie lachten! Eine der Beamten reichte mir gar ein Post-It mit den Worten „Wir belassen es diesmal bei einer gelben Karte. Nächstes Mal gibt es Rot“. Schon deswegen sollte jetzt bei drei Kindern Schluss sein 😉

Auf von den Besuchen der drei anderen Ämter brachte ich jeweils eine kurze Anekdote mit (mit denen ich euch nicht belästigen will). Auf jeden Fall gilt: wer aufs Amt geht, kann nachher was erzählen. Ob die Beamten selber jeden Abend einhundert verschiedene Storys nachhause bringen, wage ich aber zu bezweifeln. Ich glaube eher, die kommen nach Hause und sagen: „Heute wieder hundert Idioten gehabt“.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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9 Antworten zu Postnatale Planlosigkeit, Teil 1

  1. franhunne4u schreibt:

    Naa – so reden wir nicht von unseren Kunden – eher von „Heute wieder die 100 voll gemacht!“
    NEEEEEIIIIIIN – niemals würde ich als Dienstleister so denken – auch wenn es manchmal schwer fällt. Manche Kunden geben sich ja wirklich Mühe, die I-Kategorie zu erreichen.

  2. gnaddrig schreibt:

    Na, Glückwunsch! Und: schöne Geschichte 🙂

  3. tinyentropy schreibt:

    Geniale Geschichte 🙂 Ich mache auch immer gute Erfahrungen mit ein bisschen Humor.

  4. petrus2105 schreibt:

    Hat dies auf Petrus2105's Blog rebloggt und kommentierte:
    Teil 1 darf natürlich nicht fehlen.

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