Alle Gute Kinder sind drei.

Die Geburt unseres ersten Kindes – unserer Tochter Prinzessin NoNo – begann sehr ruhig. Meine Frau weckte mich, weil sie (zurecht) glaubte, Wehen zu haben; wir duschten, frühstückten, diskutierten dabei die letzte Folge von Sex & The City und fuhren dann gemächlich ins Krankenhaus. Nachdem meine Frau es sich im Kreißsaal gemütlich gemacht und über längere Zeit interessiert ihre eigenen Wehen verfolgt hatte, begann es, unangenehm zu werden, und sie verlangte nach einer Periduralanästhesie. In Frankreich ist das sofortige Ausschalten sämtlichen Schmerzempfindens heute noch Gang und Gäbe – und gilt sogar als ausgesprochen naturnahe Geburtserfahrung, im Vergleich zur früheren Angewohnheit, die werdende Mutter beim ersten Anzeichen einer Wehe in einer Vollnarkose zu versetzen, aus der sie frühestens zur Einschulung des Kindes wieder erwachte (das ist jetzt nicht so unglaublich, wie es zuerst klingt, schließlich werden in Frankreich die Kinder schon mit sechs Monaten eingeschult).

Jedoch fand die Geburt nicht in Frankreich, sondern hier in Deutschland statt, wo die Anwendung einer PDA etwas restriktiver gehandhabt wird: Erst nach zehnmaligem Nachfragen und rund zweihundert weiteren, weniger interessanten Wehen, willigte die Hebamme endlich ein. Sie rief einen Anästhesisten, der sich für seinen Besuch im Kreißsaal eine weitere Stunde Zeit ließ. Statt der ersehnten Spritze händigte dieser erst mal zwanzig Seiten Formulare aus, die auszufüllen eine weitere Stunde beanspruchte. Danach folgte ein dreißig seitiges Handbuch zum korrekten Umgang mit drogenbetankten Rückenmarks-Spritzen, dessen gewissenhaften Erlernung abermals eine Stunde beanspruchte und in einer darauffolgenden schriftlichen Prüfung nachgewiesen werden mussten.

Dann, und erst dann, wurde die PDA gelegt und aktiviert. Meine Frau stellte sofort die Höchstdosis Betäubung ein, unter der sie eine Bowling-Mannschaft samt Kugeln zur Welt hätte bringen können. Anstelle einer Gruppe fetter Männer kündigte sich aber unsere Tochter Prinzessin NoNo an, worauf meiner Frau der PDA-Regler wieder abgenommen wurde, da sie nun naturnah zu pressen hatte. Sie schwor sich, bei der nächsten Geburt die PDA schon bei der Anmeldung schriftlich zu beantragen.

Die nächste anstehende Geburt fand erst mal nicht statt. Als der errechnet Geburtstermin um zehn Tage überschritten war, wurde meine Frau ins Krankenhaus eingewiesen, wo sie unverzüglich mit einem Massageöl behandelt wurde. Als auch eine wiederholte Anwendung kein Kind zeitigte, griffen die Ärzte zu drastischen Maßnahmen und verordneten meiner Frau diverse homöopathische Medikamente.

Da diese vorerst keine Wirkung zeigten, wurde die Dosis halbiert, womit sich nach homöopathischer Logik die Wirkung verdoppeln sollte. Da aber zwei mal nichts immer noch überhaupt nichts ist, fuhr die Ärzteschaft mit Bachblüten, Reiki und Nägelkauen fort, um schließlich sowohl Mutter wie ungeborenem Kinde eine ausgewachsene Auratherapy zugute kommen zu lassen. Auch die eine oder andere Psychoanalyse musste meine inzwischen leidgeprüfte Frau über sich ergehen lassen, doch glücklicherweise verzichtete man angesichts der Umstände auf ein Rebirthing.

Als sich vier Wochen nach dem errechneten Geburtstermin wurde meine Frau als austherapiert und unheilbar schwanger aus dem Krankenhaus entlassen, worauf ihr noch im Aufzug die Fruchtblase platzte. Wenige Minuten später hatte unser Sohn Maximus Haselnuss Omnibus sein eigenes Firstbirthing-Seminar absolviert; seine Aura wie auch seine Käseschmiere besagten, dass er noch die eine oder andere Woche hätte warten können. Offenbar war der errechnete Geburtstermin genau so Kokolores wie die geburtseinleitende Maßnahmen gewesen.

Bei unserem dritten Kind sollte uns das nicht noch mal passieren. Diesmal ließen wir völlig unbesorgt den Geburtstermin verstreichen, während der Bauch meiner Frau wuchs und wuchs. Als der kleine Kevin-Conan Monate später endlich so weit war, biss er (mit seinem ersten Schneidezahn) die Fruchtblase auf, die sich mit einem leisen pffff verabschiedete, und krabbelte heraus. Das klingt jetzt zwar lustig, es tat aber wohl trotzdem weh.

Draußen setzte er sich zwischen den gespreizten Beinen seiner Mutter hin und überlegte, wo wohl seine erste echte Mahlzeit herkommen sollte, als sich plötzlich die inzwischen vollkommen vertrocknete Plazenta ablöste und wie eine Kanonendattel herausgeschossen kam und den kleinen Kevin-Conan genau am Kopf traf, worauf dieser erstmal auf die Seite kippte. Diesmal war es an meiner Frau, herzhaft zu lachen, auch wenn sich das eigentlich nicht gehörte.

Heute kann ich sagen: alle Kinder und die Mutter sind wohlauf, und Papa auch.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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6 Antworten zu Alle Gute Kinder sind drei.

  1. cloudette schreibt:

    na dann: Herzlichen Glückwunsch!!

  2. franhunne4u schreibt:

    Jetzt wird es an der Zeit, dass Papa mal die Verantwortung übernimmt, meinst du nicht, so – Schnittchen mit Ei mäßig?

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