Inkognito im Internet

In Zeiten von Vorratsdatenspeicherungsleitliniendiskussionen ist auch das Thema Anonymität im Netz nicht weit. Jedenfalls ist das bei mir so, und das soll Anlass für den heutigen Post sein (ich finde, am heutigen Tag der Arbeit sollte ich wenigstens was posten, wenn ich schon nicht arbeite oder streike).

Genauer genommen geht es mir um die Frage Anonymität bei WordPress.

Wie unschwer zu erraten, verwende ich bei WordPress ein Pseudonym. Tatsächlich haben meine Eltern mich nicht Pfeffermatz taufen lassen, schließlich ist auch Pfefferminze als Vorname tabu. Warum tue ich das?

Als ich vor drei Jahren diesen Blog startete, suchte ich tagelang nach einem gelungenen Namen. Eines morgens fiel mir während des Auf-Den-Bus-Wartens der Pfeffermatz ein, und ich wusste sofort, dass diese Suche beendet war. Der Name gefiel mir gar so gut, dass ich ihn gleich als Pseudonym übernahm.

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„Original Guy Fawks mask from V for Vendetta“ von Enrique Dans from Madrid, Spain. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.

Damals ging ich selbstverständlich davon aus, dass ich unter einem Pseudonym bloggen würde – schließlich wusste ich zu Beginn nicht, worüber genau ich bloggen und wie es mir dabei ergehen würde. Wie bei so vielen „allgemeiner“ gehaltenen Blogs kristallisierte sich in den folgenden Monaten ein Schreibstil und ein Themenkreis heraus, und somit entstand auch meine eigentliche „Schreiberpersönlichkeit“.

Diese Persönlichkeit war – so  stellte ich fest – nicht weit von meiner eigenen entfernt. Wichtiger noch war die Feststellung, dass ich zu dieser Persönlichkeit auch in der Öffentlichkeit gut stehen konnte, so dass ich auch keine Scheu hatte, meinen Blog im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis publik zu machen. Pfeffermatz ist kein dezidiert meinungsmitteilender Blog, und darüber hinaus sind meine Ansichten zu Politik und Religion – wenn ich sie denn mitteile – alle derart, dass ich gut und gerne zu ihnen stehen kann.

Natürlich hat dieses halb-öffentliche Vorgehen einige Nachteile: Gewisse Themen, wie meine Objektophilie zu geraden Primzahlen oder meine therapiebedürftigen calvinistischen Marien-Erscheinungen… quatsch, aber ihr versteht, was ich meine: gewisse Themen müssen draußen bleiben. Diese Einschränkung ist allerdings kaum eine; wenn ich das Bedürfnis hätte, radikale oder tabuisierte Inhalte zu posten, dann könnte ich das schließlich unter einem weiteren Pseudonym tun (habe ich nicht, tue ich auch nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden das muss ich hier nicht beweisen).

Ich glaube, es kommt meinen Beiträgen sogar zugute, dass ich weiß, dass sie von einem Teil meiner Bekannten gelesen und mit mir in Verbindung gebracht werden. Das zwingt mir eine gewisse Wohlüberlegtheit auf, was sich hoffentlich als Qualitätsteigerung bemerkbar macht. Nicht von ungefähr ist dies ein häufiges (und gutes) Argument für eine Klarnamen-Pflicht im manchen sozialen Netzwerken. In der Anonymität lässt sich nun mal einfacher gedankenlos herumpöbeln (und wenigstens im Übermaß polarisieren), was einer Diskussion in der Regel abträglich ist. Selbstverständlich gibt es ähnlich gute Argumente gegen Klarnamen, z.B. dass sich viele überhaupt erst in der Anonymität trauen, ihre durchaus berechtigte Meinung darzustellen.

Schwerer wiegt für mich dagegen der Nachteil, dass ich auftretende Personen verfälschen muss, denn schließlich soll keiner meiner Bekannten wen anders oder gar sich selber wiedererkennen! Das ist natürlich ein Drahtseilakt, und so werden aus Männern Frauen, aus Kollegen Freunde, aus Freunden Nachbarn, usw. Manchmal muss dafür die „Handlung“ angepasst werden, und dies nutze ich immer gerne als Anlass, eine Erzählung literarisch zu optimieren; schließlich möchte ich bei Pfeffermatz Geschichten erzählen und keinen Journalismus betreiben!

Nach außen hin bleibe ich aber weiterhin anonym. Denn erstens: Warum nicht? Und zweitens: Man weiß ja nie, was für Bekloppte da rumlaufen, oder?

Wie haltet ihr das mit der Anonymität? Ich würde mich über Kommentar sehr freuen!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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5 Antworten zu Inkognito im Internet

  1. gnaddrig schreibt:

    Mir geht es im Prinzip ähnlich – ich bin ähnlich anonym unterwegs, und einer meiner Hauptgründe war, dass ich meine Familie nicht in die Öffentlichkeit stellen will. Das können die beizeiten selbst, wenn sie wollen. Ein anderer Grund sind die Bekloppten, die ich nicht irgendwann mal vor der Haustür haben will, weil ihnen was nicht pass, was ich geschrieben habe. Und ähnlich wie Du passe ich die Begebenheiten, über die ich schreibe, gelegentlich etwas an oder lasse sie ein Weilchen liegen, um die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, dass jemand sich wiedererkennt. Oder mich – ich bin in Sachen Anonymität etwas zurückhaltender als Du; trotzdem glaube ich, dass es mir weitgehend gelingt, nicht zu pöbeln oder allzusehr zu polarisieren 😉

  2. vanessabo93 schreibt:

    Auch ich habe mich schon mit der Anonymität im Internet beschäftigt. Abgesehen von WordPress halte ich es in anbetracht der ganzen Onlinedienst, die man heutzutage verwendet, für sehr schwierig, anonym zu bleiben. Ich habe ein Add-On gefunden, mit dem man während seiner Internetnutzung sehen kann, von welchen Diensten man gerade getrackt wird. Dabei habe ich mich ganzschon erschreckt. Genaueres dazu könnt ihr gerne auf meiner Seite nachlesen: https://vanessabo93.wordpress.com/2015/01/07/anonym-im-netz-unterwegs/
    Ich freue mich über jeden Besuch 😉

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