Meine persönlichen 9 1/2 Wochen (÷1.6)

Nun ist die haselnuss’sche Erstkommunion geschafft, es muss nur noch etwas Möbel wieder zurückumgestellt werden. Und Dankeschön-Karten geschrieben werden, aber das hat noch ein paar Wochen.

Somit beginnt meine persönliche Fastenzeit, denn der junge Arzt hat beim jährlichen Check-Up (die Untersuchung heißt nur „jährlich“, die reelle Frequenz mag um Größenordnungen abweichen) mein Blutbild ein wenig angeprangert. Innere Organe und Schlagadern und Herz und Lungen und was-weiß-ich-noch waren super, und Hautkrebs habe ich wohl auch nicht (nur beim linken Knie bestehen noch ein paar Quadratzentimeter ununtersuchtes Restrisiko, da war nämlich noch der Pflaster von der Meniskus-OP drauf ;)). Ich werde der Blogosphäre also aller Wahrscheinlichkeit nach noch eine Weile erhalten bleiben. Aber die Leberwerte und das Cholesterin, da könnte ich etwas mehr darauf achten. Also habe ich beschlossen, mal sechs Wochen kein Alkohol zu trinken und ein wenig mehr auf die Ernährung achten.

Das mein derzeitiger Ernährungsplan nicht ganz 1a ist, war mir schon klar, und ich bin froh darüber, eine externe Motivation für ein Verringerung meines Schoko-, Fleisch– und Rotweinkonsums zu haben, mit dem ich mich derzeit über Wasser halte. Ausgleich durch Sport ist derzeit leider auch kaum drin: an den wenigen Tagen, an denn ich zwischen 21 Uhr 30 und 23 Uhr mal was Zeit habe, zieht es mich doch eher Richtung Fernseher oder Rechner – und denn gibt es entweder einen halben Film oder einen Blogartikel 😉 Glücklicherweise bin ich eher der schmächtige Typ und habe in den letzten Jahren auch keine störende Muskelmasse aufgebaut, so dass ich mich trotz meiner typischen Familienvater-im-Midlife-Lebens- und -Ernährungsweise voll im Normalgewichtsbereich befinde!

Während den Kommunionsfeierlichkeiten besprach ich meine beabsichtigte Alkoholfreiheit mit einem guten Freund von mir, der zeitgleich als Taufpate meines Sohnes hergehalten hat. Ich erzählte, dass ich in der Regel ein Glas Rotwein zum Abendessen trinke (das eine Glas ist protektiv!), und im Laufe des Abends durchaus auch mal mehr. Als mein Kumpel – der im übrigen Franzose ist, das ist vielleicht nicht unwichtig – erwiderte, er würde Alkohol „nur in Gesellschaft“ trinken, machte ich mir schon Gedanken über meinen Alk-Intake. Andererseits wusste ich, dass er schon mal – in Gesellschaft – deutlich größere Mengen an Alkohol trinken kann als ich: mir reichen schon drei Pils, um mich in einen Zombie zu verwandeln. In einen glücklichen, vielleicht sogar witzigen, aber trotz aller guter Laune annähernd klinisch toten Zombie. Folglich ist meine persönliche Promille-Maximal-Grenze ähnlich beschränkt wie Homer Simpson.

Keine halbe Stunde nach dieser Unterhaltung fragte mein Freund, ob ich ein Bier mit ihm nehmen würde. Auf die Anmerkung meinerseits, dass ich ja gerade wegen dem Alkohol und so, antworte er ernsthaft erstaunt: „Aber Bier zählt doch nicht als Alkohol!“ So so.

„Glasses of Red Wine“ by Ian Britton

Um mein Fasten zu optimieren, habe ich – Analytiker der ich bin – mein Trink-Verhalten ein wenig analysiert und dabei festgestellt, dass es viele Gelegenheiten gibt, bei denen ich gerne trinke. Diese wären:

  1. Zum Abendessen trinke ich sehr gerne Rotwein. Damit schmecken gerade die herzhaften Sachen – auf die ich als Cholesterinsünder ja stehe – gleich doppelt so gut, weswegen ich auch doppelt so viel davon esse. Weißwein trinke ich eigentlich gar nicht.
  2. Nach „getaner körperlicher Arbeit“ trinke ich gerne ein Pils. Also, wenn ich irgendwie geschwitzt habe.
  3. Und an Sommerabenden ist ein Pils auch das Beste wo gibt. Das hat vielleicht was mit 2. zu tun: das Überstehen eines heißen Tages triggert vielleicht die gleichen Möchtegernewastrinksensoren wie schweißtreibende Arbeit.
  4. Abends alleine vor dem Fernseher, wenn der Rest schläft und die Welt in Dunkelheit versinkt und vor mir irgendwelche Zombies eine Kleinstadt dezimieren.., da fühle ich mich nicht nur als Herr des Hauses sondern zugleich des eigenen Lebens, so wie ich es mir als Kind immer vorgestellt habe, und trinke dazu gerne einen Whiskey. Ich weiß: der nächste Morgen kommt bestimmt.
  5. Und in Gesellschaft, logo. Ich habe Bier- und Rotwein-Freundschaften, und beide müssen gepflegt werden. Schnapsfreundschaften habe ich übrigens eher weniger.

Für einen durchschnittlichen Tag komme ich dabei auf das Äquivalent von 1 bis 2 Glas Rotwein. Mehr micht macht ja eher weniger glücklich, was ja nicht Sinn der Sache ist. Bei Feiern und in Gesellschaft ist es natürlich etwas mehr, dafür lege ich aber am „Tag danach“ in der Regel einen alkoholfreien Tag ein.

Nummer 1. zu vermieden wird mir am meisten weh tun. Vielleicht esse ich dadurch gleich weniger. Für 2. und 3. hat der liebe Herrgott das alkoholfreie Bier erfunden, das kriege ich also hin. Bei 4. habe ich vor, mir abends vorzustellen, ich sei Engländer oder Buddhist oder kleinwüchsig oder Reiseschriftsteller und hätte total Lust auf Tee, ungefähr so: „Lecker, jetzt ein Kamillentee, um meine Zufriedenheit zu vertiefen! Go, Zombie, go!“ Und was 5. angeht – wer braucht schon eine Leber Freunde?

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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16 Antworten zu Meine persönlichen 9 1/2 Wochen (÷1.6)

  1. franhunne4u schreibt:

    Also, weniger oft aus Gewohnheit zu trinken wird dir gut tun! Das ist nämlich auch eine Form des Alkoholismus, wenn man gewisse Gefühlshaltungen (wie Entspannung) immer nur mit Alkohol so richtig erreichen kann. Für die Re-Mineralisierung empfehle ich übrigens eine hübsche Apfelschorle.
    Ob jemand einen hohen Cholesterinspiegel bekommt oder nicht, ist in den meisten Fällen erblich bedingt. Jedoch: Nicht die hohen Werte werden vererbt, sondern die Veranlagung, hohe Werte zu bekommen. Das heißt, wer gesund lebt, kann trotz dieser Erbanlage normale Cholesterinwerte haben.

    Ich bin ziemlich fett und vermeide Bewegung – aber meine Cholesterinwerte sind im Normbereich. Ich habe in der Beziehung einfach Glück gehabt mit meinen Genen.
    Du bist nach eigener Aussage nicht dick – und hast halt Pech gehabt mit deinen Genen und musst stärker aufpassen wegen Cholesterin.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Es geht mir nicht um Entspannung (denn das kann ich auch sehr gut ohne Alkohol), sondern um Genuss: ich bin in den letzten Jahren etwas sehr zum Genussmensch geworden und versüße mir gerne die spätabendliche Auszeit mit Merlot, Chips, und einer Folge von „Elementary“. Glücklicherweise bin ich auch ein großer Fan von Rohkost, so dass es mir dabei nicht an Vitaminen fehlt! Und geraucht habe ich auch noch nie…

    • gnaddrig schreibt:

      Also, weniger oft aus Gewohnheit zu trinken wird dir gut tun!
      Das sehe ich genauso. Wenn man abends nur noch überlegt, was man denn Alkoholisches trinkt und gar nicht mehr, ob man überhaupt was trinken will, ist das sicher nicht so gut. Selbst wenn man nicht zum Alkoholiker wird, tut das der Leber sicher nicht gut…

      Wenn’s um die Erfrischung geht, ist man mit alkoholfreiem Bier tatsächlich gut bedient. Da gibt es ja mittlerweile recht trinkbares Zeug. Jever Fun finde ich ziemlich gut, und Flens ist auf dem Gebiet unschlagbar, gibt es aber nicht überall, habe ich bisher nur in Norddeutschland gesehen.

      • franhunne4u schreibt:

        Mit Bier kenne ich mich nicht so gut aus, ich find das Zeug zu better. Ich trinke allenfalls ein früher mal als Malzbier bezeichnetes Malzgetränk – und das auch nicht jeden Monat (Kalorien).

      • Pfeffermatz schreibt:

        Ja, ja, immer auf die Kleinen mit den guten Vorsätzen 😦

      • gnaddrig schreibt:

        Ach was, Pfeffermatz, hier hackt niemand auf Dir herum. Das war als Ermutigung und Bestätigung gemeint – guter Ansatz, offenbar machbar, und es gibt mildernde Umstände in Form von alkoholfreiem Bier 🙂

  2. ...der Berliner schreibt:

    Also ich mag eigentlich kaum Alkohol. Ab und an ein Glas Rotwein zu Fleischgerichten und Weißwein überhaupt nicht. Bei Bier tendiere ich eher zu Alster und andere Alkoholika mag ich nicht. Habe kein Normalgewicht (etwas mehr als ich gebrauchen kann, weshalb ab und zu eine fdh-Kur angesagt ist), aber meine Wetre sind alle in Ordnung. Kein zu hohes Cholesterin, kein Alterszucker und überhaupt ist alles im Lot.
    Bei der oben gezeigten Menge würde ich bestimmt mit einer Alkoholvergiftung durch ein mit blaulichtbestücktem Taxi in eine Klinik eingeliefert werden.

    G. l. G. Jochen

    • Pfeffermatz schreibt:

      Naja, bei den Mengen auf dem Foto würde wohl jeder ins Koma fallen!
      Bei Bier tendiere ich auch zu Alster, wenn es richtig erfrischend sein soll. Und die heutzutage geläufige alkoholfreie Fassbrause empfinde ich häufig sogar als noch erfrischender.

  3. Charisma schreibt:

    Eine Zeitlang ohne Alkohol ist sicher gut für die (auch meine) Gesundheit. 😉
    Ich bin hier wohl der einzige Weißweinfan – Bier trinke ich nur als Radler bei Temperaturen über 30° C und Rotwein seehr selten, Schnaps geht überhaupt nicht. Meine Hausärztin meinte, 1-2 Gläschen (0,2l) pro Tag seien nicht schädlich, könnten Verdauung und Blutkreislauf anregen und zum Wohlbefinden beitragen. 🙂 Bei Rotwein weiß ich nur, daß Diabetikern erlaubt ist, trockenen Rotwein zu trinken, mein Vater (90 Jahre!) darf täglich ein Glas Roten am Abend geniessen!
    Insofern habe auch ich mir angewöhnt, 2 Gläschen Riesling am Abend zu trinken, es schmeckt mir sehr und ich kann gut durchschlafen … 😉
    Mittlerweile sind ja die 9 1/2 Wochen um – gibt es einen Fortsetzungsbericht?

    • Pfeffermatz schreibt:

      Das mit dem Rotwein sehe ich auch so! Und Riesling ist sicherlich auch gut 🙂
      Jo, die 6 Wochen (es waren ja 9,5 durch 1,6) sind lange rum, es es klappte erstaunlich gut. Und nun trinke ich tatsächlich weniger als vorher, aber ein Glas Rotwein am Abend macht mich weiterhin glücklich.
      Natürlich wollte ich damals einen Abschlussbericht posten, aber wie so viele gute Vorsätze ging auch das irgendwie unter.

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