Italienische Einsichten: Blinken ist relativ.

Die Italiener fahren etwas anders Auto als unsereins. Schon deshalb, weil sie meistens Vespa fahren, und das gerne ab Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden die bergigen Straßen der Stadt (in diesem Fall Cernobbio am Comer See) rauf und runter, und so manch einem durchreisenden Touristen, der aufgrund der Hitze und fehlender Klima-Anlage die Fenster zwecks Atmung notgedrungen offen lassen muss, den Schlaf rauben.

Ich habe mal gelesen, dass sich die Deutschen von den ehemals korrektesten Autofahren wo gibt hin zu blinkfaule Straßenpenner entwicklen. Da sind uns die Italiener ein ganzes Stück voraus – die haben wohl noch nie geblinkt. Rechts überholen tun sie allerdings nicht, das tun nur die Schweizer, meiner Erfahrung nach. Und belgische Maserati-Fahrer.

Ich habe es mal ausprobiert, auf einer italienischen Autobahn ohne zu blinken wahllos die Spuren zu wechseln. Tatsächlich erntete ich keinen Widerspruch (außer von meiner Frau), nur ein gerütteltes Maß anerkennendes Gehupe seitens der italienischen Rennkollegen. Und als ich meinen sechsmonatigen Ragazzi-Bimbo bei 130 km/h auf den Schoß nahm, damit er währenddessen selber ein wenig das Hupen üben konnte, überließen mir die Italiener gar ehrfurchtsvoll alle vorhandenen Spuren zu meiner freien Verfügung. ein großartiges Land!

Ich erinnere mich auch, vor einigen Jahren einen Radiobeitrag gehört zu haben, in dem es um die Anschnallpflicht in Italien ging. Diese gelte dort genauso wie in anderen europäischen Ländern, hieß es dort, allerdings mache sich ein italienischer Polizist, der tatsächlich versuche diese durchzusetzen, lächerlich. Die Lehre war: Gemeinsame europäische Gesetze schaffen noch lange keine gemeinsame Kultur.

Was nicht heißt, dass das Autofahren in Italien ohne Regeln auskäme. So gilt zum Beispiel beim Kreisverkehr strenge Vorfahrt für alle Autos im Kreisel. Eigentlich wie hier auch, nur dass ich in Deutschland noch immer in jeden Kreisverkehr hinein gekommen bin. Das ist bei den völlig überlasteten italienischen Kreiseln schon mal anders: ich habe auf der Rückfahrt gleich drei Kreisverkehre erlebt, die kilometerlange Staus verursachten. Was wäre hier eine Ampel hilfreich gewesen! Stattdessen musste sich Auto für Auto ohne Rücksicht für Leib und Karosserie in den Kreisel hineinkämpfen.

Glücklicherweise hatte ich ja meinen Sohn dabei, der mich fleißig an der Hupe unterstützte 🙂

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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