Brief unseres Außenministers an eine interessierte Schülerin

Liebe Annabelle,

vielen Dank für deinen schönen Brief, wo da du ganz viele tolle Fragen stellst. Insbesondere scheint dich sehr zu interessieren, was da draußen in der Welt so los ist. Finde ich toll! Auch wenn ich mich persönlich eher für Modelleisenbahnen interessiere, werde ich versuchen, deine Frage zu beantworten.

Als erstes fragst du, wie die derzeitige Situation in der Ukeleine ist, denn man erfährt kaum noch was darüber in den Nachrichten. Liebe Annabelle, in deiner Frage hast du die Antwort schon vorweggenommen, nämlich: keine Ahnung. Jetzt denk doch mal nach – woher soll ich denn irgendwelche Insider-Information über Asien herhaben, wenn die schon im Fernsehen nichts darüber wissen! Gerade dieser ältere Herr von den Tages-themen mit dem Schnurrbart scheint ja sonst recht viel Ahnung zu haben, aber zum Thema „Ukeleine“ scheinen ihm die Teleprompterzettel ausgegangen zu sein. Und übri-gens sind Insider-Information in Deutschland strengstens verboten! Als hochrangiger Politiker muss ich da höllisch aufpassen, sonst hetzen mir die Linken einen Unterhosen-ausschuss auf den Hals und – schwupps – sitze ich wieder in der Kommunalpolitik.

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Frag mal bei den Brüdern nach, die kennen sich mit Gewalt aus.

Aber zwei Anmerkungen habe ich noch zum Thema „Ukeleine“. Erstens: es gibt es eine legale Geheimquelle, nämlich RTL. Schau mal einfach nach, wann der Klitschkopp wieder boxt. Das ist zwar spät abends, aber da kann man wenigstens den Bürgermeister von Kiwi (das ist die Hauptstadt der Ukeleine) sehen, das ist nämlich der andere, also der, der nicht boxt, aber auseinander halten kann ich die auch nicht, und die Nationalhymne singt irgendwer meistens auch. Mein Tipp: wenn es die Hymne und die Flagge noch gibt, dann gibt es auch noch das Land.

Zweitens geht es da um Krieg, und das ist ja schon gar nicht das Gebiet meines Ministeriums oder gar meiner Partei, sondern das der Grünen und der CDU. Glücklicherweise haben wir eine Kriegsministerin, und zwar diese überkompetente Frau Uschi van der Leiden, und die ist – tada! – eben von der CDU. Also doppelt nicht mein Problem.

Und falls du wissen möchtest, warum ich nicht einfach den rassischen Tzar Pupin frage, dafür gibt es pulitinische Gründe: er besteht immer darauf, mir seinen nackten Ober-körper zu zeigen, und das ist mir ehrlich gesagt etwas unangenehm. Ich bin ja verheiratet.

Nun zu deiner zweiten Frage, in da wo du mich zu Griechenheim ausfragst. Auch hier, liebe Annabelle, scheinst du dir aufgrund deiner kindlich naiven Sicht den falschen An-sprechpartner ausgesucht zu haben. Bei der Griechenheim-Krise geht es um Geld – und davon habe weder ich noch sonst wer in meiner Partei Ahnung. Es gab mal einen richtigen Finanzfuchs names Peter Steinebruck, der sich immerhin lose mit der SPD assoziierte, aber der spielt jetzt lieber mit alten Leuten Drehschach, weil Geld scheint er inzwischen ja genug zu haben, da muss man sich auch nicht mehr so mit beschäftigen.

Wer sich in unserer Regierung allerdings damit beschäftigen muss, das ist der Schulden-minister Wolfmann Schäufle. Und der ist – tada, tada! – auch von der CDU! Da bin ich also fein raus. Außerdem scheint unsere Bundesadlerin Amelie Schreinemörkel eine Närrin an dem Thema „Griechenheim“ gefressen zu haben, was ich gut finde, denn somit ist sie kaum noch in Bonn Berlin anzutreffen, sondern meistens in Brassel unterwegs, so dass ich während der Parlaminzsitzungen in Ruhe auf der Märklin-Seite surfen kann. Außerdem ist die Schreinemörkel über die durchzechten Nächte in Brassel zu einer wächsernen Karkassatur ihrer selbst geworden, so dass ich sie eh nicht mehr mit meiner Modelleisenbahn spielen lassen würde.

Ach ja, das wichtigste habe ich dabei noch vergessen. Welcher Partei, glaubst du, gehört die Schreinemörkel an? Richtig, der CDU natürlich! Auch in der Regierungsverantwortung kann das Leben also entspannt sein.

Jetzt kommen wir schlussendlich zu deiner dritten Frage, wie du wo da was wissen willst über die vielen Flüchtlinge, die täglich zu uns kommen. Liebe Annabelle, weißt du, was ein „Innenminister“ ist? Das ist ein Mensch von der CDU, der hier da heißt Timo de la Misere. Dieser Mann beschäftigt sich mit allem, was hier so bei uns los geht, außer Schule und Geld und Kultur und Wirtschaft und Kranksein und Arbeitslose und Kinder, aber dafür Sport und Polizei, und eben auch mit den vielen Menschen, die zu uns nach Deutschland kommen.

Und wie sieht es mit den Herkunftsländern aus? Naja liebe Annabelle, jetzt musst du wieder nachdenken, statt dauernd nur zu fragen: entweder kommen die Flüchtlinge zu uns, weil es in ihrem Land Krieg gibt, oder weil es in ihrem Land bitterarm ist. Und für das erstere ist die Frau van der Leiden zuständig, für das zweitere der Herr Schäufle. Und dass beide nicht zur SPD gehören, habe ich, so glaube ich, schon erwähnt.

Liebe Annabelle, ich hoffe, ich konnte deine altklugen Frage zu deiner allervollsten Zufriedenheit beantworten. Ich würde mich freuen, wenn du unter

www.doitschland.regierung.wiefindestdumich.html

den Fragebogen zur Bürgerzufriedenheit ausfüllen würdest und mir dabei die allervoll-ste Punktzahlen gibst. Ein Tipp: Im Textfeld zur Frage „Womit könnte dem bewertete Parlamentarier / Regierungsmitglied geholfen werden, seine Aufgaben zukünftig noch besser gerecht zu werden?“ gehört als korrekte Antwort „Diätenerhöhung“.

Ich hoffe, du schreibst mir wieder wenn du volljährig und, besser noch, ernsthaft Geld zum Spenden hast.

Dein

Franz-Werner Steinemüller

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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11 Antworten zu Brief unseres Außenministers an eine interessierte Schülerin

  1. franhunne4u schreibt:

    Jetzt wissen wir also zweierlei:
    Pfeffermatz wäre gern Außenminister, weil er denkt, dass der nicht arbeitet (Pro-Tipp: Schau doch mal das Wort Diplomatie nach, das steht im Wörterbuch nicht umsonst ganz in der Nähe von Diskretion) und von Politik hält er auch nix. Weil die ganze Infrastruktur des Staates ja ohne Politik eingerichtet worden ist …

    • Pfeffermatz schreibt:

      Alles quatsch. Ich wäre gerne Außenminister, weil ich die im Flugzeug erhältliche, in Klarsichtfolie eingeschweißten Brötchen so gerne mag, am liebsten mit preiswerten Rotwein aus dem Plastikbecher. Zuhause vor dem Fernseher ist diese Esskultur weniger angesehen als in drei Kilometer Höhe.

  2. buchstaeblich schreibt:

    @gnaddrig: Vielleicht versucht man so, unterm Radar zu bleiben, damit keiner merkt, dass man nix tut?

  3. Anna-Lena schreibt:

    Absolut bürgernah und mit so viel Erklärungen, das nenen ich vorbildlich 😆 !

    • gnaddrig schreibt:

      Erfreulich ist dabei auch, dass der Herr Minister sich sichtlich Mühe gibt, die Schülerin nicht zu überfordern. Man liest ja so viel von den Abgehängten diese Tage, da will man ja nicht noch mehr so welche produzieren. Ganz hervorragend!

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