Kurze Gedanken zu Menschen, Teil 1: die Konstante Arschloch

Schlimm, schlimm, was für unmögliche und unverschämte und intolerante Menschen als Flüchtlinge hier in Deutschland ankommen… so liest man und hört man aus Erfahrungsberichten: Dabei wird gerne übersehen:

  1. Unter tausend Menschen werden immer um die fünfzig Arschlöcher sein; eine Handvoll davon sogar Kriminelle oder gar Psychopathen. Das gilt für deutsche Mathematiker genauso wie für syrische Kriegesflüchtlinge oder für norwegische Klempnergehilfen. Es sind Menschen! Es komm mit ungerecht vor, eine ganze Obstwiese anhand der verdorbenen Äpfel zu be- und verurteilen.
    Ok sign.jpg

    „Ok sign“ von Apnoist wolfram neugebauer. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

    [Fußnote: die Zahl Fünfzig ist zur Illustration genommen worden, entstammt meinem Bauchgefühl und ist in keinster Weise überprüft objektiv überprüft worden, erstens weil ich faul bin, und zweitens weil sich Arschlochigkeit einer objektiven Beurteilung entzieht. Vielleicht sind es auch Einundfünfzig. Und sicherlich gibt es Gruppierungen, bei denen sich die Arschlöcher überdurchschnittlich häufen, zum Beispiel Waffenexporteure, Warlords, Pegida-Mitmarschierer…]

  2. Wo Ressourcen knapp werden, gibt es Streit. Wenn es an den Tafeln oder auf dem Wohnungsmarkt nun zu Ärger kommt, dann liegt das nicht an der Unverschämtheit von Flüchtlingen, sondern in der Natur der Sache: es ist nicht genug für alle da. Oder wenigstens nicht soviel da, dass alle so viel wie früher kriegen.
    Früher schimpfte man in der öffentlichen Diskussion gerne über die deutschen Sozialschmarotzer, die es sich mit Hartz IV gut gehen lassen. Heutzutage sind diese Schmarotzer offenbar zu Opfern einer viel größeren Schnorrer-Herde geworden und verdienen somit unsere uneingeschränkte Solidarität. Ich stelle fest, die öffentliche Wahrnehmung ist ein wunderbar wandelbares Ding 😉
  3. Ein Häufiges Thema: Die Flüchtlinge sind nicht ausreichend dankbar. Heute hörte ich Christian Ehring in einem WDR5-Interview sagen, er würde manchmal über sich selbst erschrecken, wenn er im ersten Moment Aussagen wie „Die Flüchtlinge dürfen sich nicht über den Bedingungen in den Unterkünften beschweren“ innerlich zustimmt. Erst eine Sekunde später werde ihm klar: Flüchtlinge sind Menschen und dürfen sich auch wie solche benehmen. So viel Einsicht wünscht man sich auch manch anderem.
  4. Wenn Flüchtlinge (oder auch hier ansässige Menschen nichteuropäischer Herkunft) sich weigern, sich von einer Frau bedienen / befragen / behandeln zu lassen, dann könnte es sich dabei durchaus um einen der besagten Arschlöcher aus Punkt 1. handeln, aber häufig auch nicht. Ich glaube, dass Männer aus bestimmten Kulturen tatsächlich (und leider!) überhaupt nicht mit Frauen in solchen Rollen zurecht kommen, so unverständlich uns das auch erscheinen mag (wobei es hilft, sich klar zu machen, dass „Gleichberechtigung“ auch für Europa historisch gesehen eher Neuland ist. Gehe mal hundert Jahre zurück…).
    Was wir hier erleben, ist ein totaler gesellschaftlicher Clash of Cultures und stellt wahrscheinlich die größte Herausforderung für uns (Europäer) dar, mehr noch als das Organisatorische, das Finanzielle oder selbst das Politische. Und dabei geht es vor allem um eins: Werte, Werte, Werte.
    Und das Thema Werte ist so spannend und so wichtig, dass ich hier lieber abbreche und dazu einen neuen Artikel schreibe…
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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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Eine Antwort zu Kurze Gedanken zu Menschen, Teil 1: die Konstante Arschloch

  1. gnaddrig schreibt:

    1 bis 3 sehe ich im Prinzip genauso. Bei 4 hast Du auch recht. Allerdings müsste man jeweils noch prüfen, ob sich die betreffenden Begebenheiten überhaupt so (oder wenigstens so ähnlich) zugetragen haben. Ich bin sicher, dass da nämlich jede Menge fremdenfeindlicher Propaganda im Umlauf ist, genauso wie mit den vollgeschissenen Korridoren in Flüchtlingsunterkünften, den vielen geheimgehaltenen Vergewaltigungen, den sprunghaft angestiegenen Ladendiebstählen usw., von denen in entsprechend engagierten Publikationen so oft zu lesen ist (Kommt oft ungefähr so daher: „Mein Bekannter arbeitet in einer Erstaufnahmestelle/hatte Gelegenheit, sich so eine Unterkunft mal anzuschauen, und was der berichtet hat, furchtbare Zustände!“).

    Solange also kein konkreter Ort, kein Datum, keine konkreten Beteiligten bekannt sind, kann man das in mindestens neun von zehn Fällen als von rechtsaußen erstunken und erlogen abtun. Die übliche Hetzerei und Brandstifterei eben.

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