Anmerkung zum Film “Interstellar“

Nachdem im Film mehrfach betont wurde, dass die Schwerkraft das einzige sei, was die Zeit überwinden kann (warum auch immer; bzw. offenbar, damit die Hauptfigur zum Schluss aus einem sechsdimensionalen Raum innerhalb eines Schwarzen Lochs von hinter dem Bücherregal seiner Tochter einzelne Bücher als Morsezeichen vom Regal fallen lassen kann – aaargh!?!), fällt irgendwann das Zitat:

Liebe ist das einzige, was für uns spürbar ist und die Dimensionen von Zeit und Raum überwindet.

Mal von dem Widerspruch zur obigen Aussage über die Schwerkraft aus dem gleichen Streifen abgesehen, wird dieser von einer Wissenschaftlern vorgetragenen Behauptung damit begründet, dass sie seit Jahren einen Astronauten liebe, der auf der anderen Seite eines Schwarzen Lochs und womöglich schon tot sei.

Interessante Begründung.

Was wäre, wenn sie den Kerl gehasst hatte und es immer noch tut? Oder Angst oder Ekel verspürte? Alles möglich, und somit sind das offenbar auch alles Gefühle, die Zeit und Raum überwinden können.

Und Hunger? Wenn ich also so richtig Heißhunger auf Currywurst Pommes habe, mich aber auf der falschen Seite des Wurmlochs um Castrop-Rauxel befinde? Mir scheint, auch Hunger transzendiert Raum und Zeit.

Und wenn ich als Astronaut durch ein Schwarzes Loch geschleudert würde und dringend mal müsste aber im bis dato unbewohnten Gamma-Quadrant weit und breit kein Klo zu finden wäre? Verhält sich das Mal-Müssen nicht mindestens genauso wie die Liebe?

Fragen über Fragen, und leider nicht die einzigen, die der schwarzgelöcherte Plot nach Absaugen aller Umgebungslogik zurück lässt.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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8 Antworten zu Anmerkung zum Film “Interstellar“

  1. Marille Gruenblatt schreibt:

    Der Film war leider sehr schlecht… 😦

    • Pfeffermatz schreibt:

      Auf den Punkt gebracht 😉 Wobei ich den Film insgesamt gar nicht so schlecht fand. Visuell fand ich ihn sogar beeindruckend, und die Zukunftsvision gefiel mir sehr gut. Leider hat mir die letzte halbe Stunde des Films die zwei Stunden davor derart verdorben, dass ich insgesamt deine Wertung
      unterstützen kann.

  2. Muriel schreibt:

    Ich kenne aus Schule und Studium diese Leute, die genauso uncool und unbeliebt sind wie die mit den tollen Zensuren, und auch großen Wert auf intellektuelles Auftreten legen und ganz verzweifelt immer kluge Sachen sagen müssen, aber … leider keine haben.
    An die habe ich ganz viel gedacht, während ich Interstellar gesehen habe.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Ja, auch einer von diesen Filmen, die schlauer daherkommen als sie sind. Von der ersten Hälfte war ich noch sehr angetan, die Erzählweise und die Optik fand ich sehr gelungen. Da dachte ich noch, dies würde sich als Film herausstellen, der noch lange gedanklich bei mir nachwirken würde, so Richtung direkte und fernere Zukunft der Menschheit. Als sich aber als Utopie ergab, dass multi dimensionale Zukunftsmenschen heutige Menschen zum Vermitteln von Binärdaten von hinter Bücherregalen anstiften, war es mit der Utopie und mit der gedanklichen Beschäftigung mit diesem Film vorbei.

      • Muriel schreibt:

        Ich wollte in meinem ursprünglichen Kommentar eigentlich noch erwähnen, dass diese Leute mir nicht mal besonders unsympathisch waren, eher im Gegenteil.
        Ich fand sie aber immer zu schmerzhaft, um sie lange zu ertragen.
        Am Anfang von Interstellar dachte ich auch noch, dass der ganz nett sein könnte, und ein paar Elemente haben mir sogar bis zum Schluss gefallen.
        Die haben aber eben nicht gereicht, um den Schmerz vergessen zu machen.

  3. gnaddrig schreibt:

    Mir scheint, auch Hunger transzendiert Raum und Zeit.

    Ich glaube, auch Raum und Zeit transzendieren Raum und Zeit – egal wo man wann hinkommt, Zeit und Raum sind schon da. Das erinnert mich an das Märchen vom Wettlauf zwischen Hase und Igel. Offensichtlich transzendieren auch Igel Raum und Zeit (oder zumindest hat genau einer das mal getan).

    • Pfeffermatz schreibt:

      Außer eben in Schwarzen Löchern, da gibt es entweder weder Raum noch Zeit oder unfassbar viel davon gleichzeitig, wie man es betrachtet. Aber Igel auf keinen Fall, die würden mit ihren Stacheln ja das Loch kaputt machen.

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