My.ModernesGeschäftsmodell.de

Ich bin unter die Unternehmer gegangen und habe im lokalen innerstädtischen Einkaufszentrum einen Laden eröffnet. Er heißt lustigevideos.de und besteht aus einem größtenteils leeren Verkaufsraum mit einem kleinen Tresen und einer noch kleineren Verkäuferin namens Jenny-Schakira. Dschakki, wie ich sie nenne, ist siebzehn Jahre alt und angehendes Model und hat mir versprochen, wenigstens die nächsten paar Jahre modelvertragslos und siebzehn zu bleiben.

An der linken Wand hängen scheckkartengroße Registrierungs- und Guthabenkarten in unterschiedlichsten Design – es sollte für jeden etwas dabei sein. Die Registrierungskarte kostet 9,99€, und der Käufer muss zur vorläufigen Registrierungserfassung bei Jenny-Schakira am Tresen ein dreiseitiges Formular ausfüllen, deren anhängenden, in kaum lesbarer Schriftgröße gedruckten AVBen meiner Firma TechCatSynopol den Zugriff auf des Kunden Mobildaten, Schufa-Auskunft, WLAN, Krankenakten, PayPal-Konto, Ehegatten und Kühlschrank erlauben. Jenny-Schakira hilft gerne beim Ausfüllen des Formulars.

Auf der Rückseite der Registrierungskarte befindet sich ein Rubbelfeld, darunter eine zweiunddreißig-stellige Buchstaben-Zahlen-Sonderzeichen-Kombination, als Zeichen meines Engagements für den Weltfrieden mit einträchtig nebeneinander stehenden lateinischen, kyrillischen, arabischen und hebräischen Schriftzeichen durchsetzt.
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Mit diesem Registrierungscode kann der Käufer über mein neu eingerichtetes Portal http://www.myblobkong.com ein Konto bei meinem Content-Dienstleister mykroFLÜXZ eröffnen, und somit für weitere 12€ eine sogenannte SmileySmile-SIM-Karte bestellen. Mit dieser SIM-Karte kann man nun mit jeden handelsüblichen Smartphone kostenpflichtige Inhalte von lustigevideos.de herunterladen.

Aber damit nicht genug! Wieso soll sich der Kunde mit seinem handelsüblichen Smartphone begnügen und seinen vielleicht einzigen SIM-slot mit der SmileySmile-Karte blockieren, wenn es doch – an der rechten Wand meines Ladens – eine breite Auswahl an LustigeVideo-Players gibt? Diese sehen ungefähr so aus wie ein Smartphone, bzw. genau so aus wie ein mp4-Spieler mit SIM-Karte, bzw. ganz genau so aus wie ein Smartphone der vorvorletzten Generation mit weggelöteter WLAN-Funktionalität, denn um nichts anderes handelt es sich hierbei. Diese wurden vorher von meiner Firma PepperTEK aufgekauft und als aWatch neu gebrandet.

Der Vorteil gegenüber einem aktuellen Smartphone ist die deutlich schlechtere Auflösung, denn hiermit fällt die miserable Qualität der meisten Videos weniger stark auf, was wiederum das Guck-Erlebnis qualitativ steigert. Jenny-Schakira berät dich gerne.

Natürlich sprechen wir bei PepperTEK nicht von “schlechter Auflösung“, sondern vom “innovativen bilinearen Interpolationsverfahren“, kurz ibI. Klingt besser und kann man sich deswegen auch patentierten lassen. Das habe ich auch gemacht, und nun erhoffe ich mir gewaltige Zusatzeinnahmen, indem ich jeden Hersteller eines Geräts mit schlechter Auflösung wegen Patentverletzung verklage.

Sobald Jenny-Schakira ihr Jura-Fernstudium abgeschlossen hat. Schöne neue Welt!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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19 Antworten zu My.ModernesGeschäftsmodell.de

  1. Mein Name sei MAMA schreibt:

    Also falls noch crowdfunding für die Umsetzung benötigt wird, ich würde mich sofort beteiligen. Die Idee ist großartig, die Umsetzung insbesondere durch das Engagement von Dschakki sicherlich einzigartig und ibI hätte schon viel früher auf den Markt kommen sollen.
    Die Prognosen für das Modell können wohl nur steil nach oben zeigen – genau dorthin wo die Luft so dünn ist, dass der Sauerstoffgehalt das klare Denken fast schon unmöglich macht. Aber die Aussicht ist dafür herrlich – nur das Bild von aWatch halt nicht.
    Der Werbespruch wäre dann wohl „Also wenn meine beste Freundin/mein bester Freund aWatch haben, dann will ich lustigevideos aWatchen“?

    • Pfeffermatz schreibt:

      Kein schlechter Werbespruch… Ich war noch bei “aWatch, aWatch, JETZT SOFORT, aWatch, aWatch, KAUFEN KAUFEN KAUFEN!!!“

      • Mein Name sei MAMA schreibt:

        Ah! Mantra-artige Imperative, die subtil versteckte Kaufempfehlungen enthalten, sickern unbemerkt vom potentiellen Kunden ins Unterbewußtsein und lösen dort das „MUST BUY aWatch! MUST BUY aWatch!“-schlechte-Gewissen aus, das ihn/sie ferngesteuert in den lustigevideos-Shop treibt.
        Eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht! 🙂

      • Pfeffermatz schreibt:

        Wer hätte gedacht, dass ich zu derartigen psychologischen Feinheiten in der Lage wäre… Mein Alternativvorschlag wäre, Dschakkis großen Bruder in einem Hühnerkostüm die Straße hoch und runter laufen zu lassen, dabei Werbezettel zu verteilen und nötigenfalls die Passanten mit Gewalt in den Laden zu jagen. Ist auch irgendwie subtil und psycho und so, oder?

      • Mein Name sei MAMA schreibt:

        Ja, psycho auf jeden Fall! 🙂

      • gnaddrig schreibt:

        Da könnte man auch sehr schön ein bisschen Zeitdruck einbauen mit befristeten Eröffnungs-, Einsteiger- oder Sonderangeboten. Greifen Sie jetzt zu,! Nur noch für kurze Zeit!! Nur noch 5 Stück auf Lager!!! KAUFEN!! SCHNELL!einselfzig!

      • Pfeffermatz schreibt:

        Gerne, mir fehlt da nur noch die zusätzliche gewalttätige Drohung

      • Pfeffermatz schreibt:

        “… SONST!!!“

  2. gnaddrig schreibt:

    Oh Mann, da liegt dieses viele, viele Geld förmlich auf der Straße und keiner sieht’s. Dann kommt einer, sammelt es ein und alle so #facepalm, das hätte ich auch gekonnt. Das Ei des Columbus 2.0…

    • Pfeffermatz schreibt:

      Du darfst auch gerne deine diversen selbst erfundenen Küchengeräte über mein Portal verkaufen, ich kann dir nur leider keine Produktion anbieten, da ich selber nur mit undefinierten Altgeräten arbeite. Bei meinem Konzern wird eben nicht nur der Weltfrieden, sondern auch der Recyclinggedanke groß geschrieben. Auch die Registrierungskarten, die Ladenfläche und die Website sind recyclet. Nur Dschakki ist mehr oder weniger neu.

  3. Charis schreibt:

    Jaa – das erinnert mich an 3dinge, die ich noch nicht {gekauft} habe:
    – smartphone
    – Zugriffskarte auf Ehemann {vorzugsweise für 9,95 €}
    – innovatives bilineares Interpolationsverfahren für unsere Tochter, damit sie im showbizz bleibt …
    :mrgreen: 🙂 😀

    • Pfeffermatz schreibt:

      Ein Smartphone ist natürlich eine wichtige Voraussetzung für den Ehemannzugriff. Wie willst du sonst mit ihm Kontakt aufnehmen, so ohne WhatsApp?
      Und was macht deine Tochter im Showbizz? Das klingt spannend 🙂

      • Charis schreibt:

        Nun ja, unsere hat nicht so einen aufregenden Namen wie Jenny-Shakira, aber auch keinen so altertümlichen wie Anna etc.
        Somit singt sie quasi im Chor der schönen Stimmen mit und erlaubt sich einen Solo-Flöten-Einsatz, wenn Freude schöner Götterfunken mal wieder angesagt ist … 😉

      • Pfeffermatz schreibt:

        Super! „… wir betreten vollbetrunken Himmlisches dein Heiligtum…“ habe ich dabei immer im Ohr 😉 Schön, dass sich deine Tochter für Europa einsetzt!

      • Charis schreibt:

        Ich bin betreten – ‚vollbetrunken‘ ist nicht korrekt … Und ja, sie arbeitet in einer Firma mit hohem Anspruch … 🙂

  4. teekay1st schreibt:

    Und da sag noch einer, Deutschland fehle es an innovativen und schlauen Geschäftsideen.
    Ich bin beeindruckt!
    LG Thomas

  5. Pingback: Mietmörder | know your gods

  6. ullli23 schreibt:

    Klingt durchdacht. Gibt es eine Möglichkeit an Deinem baldigem Reichtum teilzuhaben?

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