Essen auf Rädern

Den Samstag-Nachmittag hatten wir mit der erweiterten Familie in Köln verbracht, und um ca. 18 Uhr verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Heimweg. Wir hatten den Vorschlag abgelehnt, gemeinsam Abend zu essen, da wir nicht erst um neun Uhr abends zuhause in Aachen ankommen wollten. Wegen Essen und Fussball-EM und Bettzeit und so.

Für einen “kurzen“ (!) Besuch bei IKEA in Köln-Godorf sollte aber noch Zeit sein, damit würden wir nämlich gleich mehrere Punkte unserer To-do-Liste abhaken können, und außerdem könnten wir da doch gleich was essen. “Juhu, Köttbullar!“ hallte es durch den Minivan; nur das fünfte Familienmitglied, unser anderthalbjähriger Kevin-Conan, verstand die Aufregung noch nicht.

Als wir auf unserem “kurzen“ (haha!) Rundgang durch IKEA beim Restaurant ankam, hatte dieser natürlich schon zu. Macht nichts, hinter der Kasse gibt es ja lecker Hotdogs und neuerdings sogar Kottbüllar-to-go. “Juhu, Hotdogs!“ Also schnell durch den Markt-Bereich und das Lager zur Kasse, wo wir uns kaum eine halbe Stunde später anstellen durften.

Die Express-Selber-Einscan-Kassen waren zur Hälfte defekt und außerdem besonders langsam. Eine halbunfreundliche Angestellte half, die Unzulänglichkeiten der Maschinen zu überbrücken. Danach zur Fresstheke, an der sich inzwischen eine Schlange hungriger Kunden bis nach Köln-Porz gebildet hatte.

Naja, irgendwo wird es ein McDonald’s geben. “Juhu, Happy Meal!“ Meine Frau machte darauf aufmerksam, dass Kevin-Conan jederzeit einpennen könnte, was den Besuch im schottischen Gourmet-Tempel erschweren würde. Wir also: such, such, fahr, fahr – nix McDoof. Selbst unser Navi wollte uns Richtung Osten locken. Nee, wir fahren nach Aachen, verdammt noch eins.

Ich erinnerte mich: in Frechen gibt es ein McDingens, und das liegt auf dem Weg! Navi eingestellt, Sonnenbrille auf, und die Autobahn gehörte uns. Leider war die Abfahrt Frechen baugestellt, so dass wir sie naviverblödet verpassten. Immerhin schaute Kevin-Conan noch vergnügt aus den Fenster.

An der Abfahrt Düren war ein Mäkkes ausgeschildert. “Wollen wir dahin?“ “Nee, in Düren wohnen mir zu viele Rechten.“ “Die sind doch alle bei der EM und hooliganieren.“ “Nicht alle, und die Zurückgebliebenen sind noch frustrierter als sonst.“ Kevin-Conan gluckste und lachte und warf sein Spielzeug-Handy von sich.

So. In Eschweiler gibt es ein McDolly. An der Autobahn-Auffahrt. Sauber, vermutlich auch gesinnungspolitisch gesehen. Unbedingt in Eschweiler runter, kann nichts schiefgehen. Außer man stellt nach fünfzehn Jahren in Aachen zum ersten Mal fest, dass es zwei Abfahrten für Eschweiler gibt, Ost und West. Wir nehmen die erste, also Ost. Mmmeepp! Falsch.

Wir würden gerne wieder auf die Autobahn rauf, sind aber in eine Richtung ohne Umkehr abgebogen, müssen kilometerweit ins Nichts fahren. Kevin-Conan amüsiert sich, immerhin. Nun sind Aachen und – wir können unser Glück kaum fassen – McDäckel ausgeschildert. Wir werden euphorisch, die zwei größeren Kinder fantasieren von BigHappyFischMacs und Pommes mit Fritten. Wir kurven beschwingt durch siebzehn Stadtteile Eschweilers.

Eine halbe Stunde später ist die Euphorie verflogen. “Haben wir uns verfahren?“ fragt die Tochter. “Wir können zuhause eine Pizza bestellen“ schlägt die Frau vor. “NEIN!“ Die Stimmung im Minivan sinkt, außer bei Kevin-Conan. Und dann, plötzlich: “Ich habe ein M gesehen!“ Alles jubelt, nur Kevin-Conan schläft.

Was nun? Na, wozu hat der alle Clown Ronald-das-Donald den McDrive erfunden? Meine großen Kinder können ihre Glück kaum fassen: im Auto essen? Fettig, salzig, aus einer Papiertüte? Ich gebe zu, auch ich stelle mir den Himmel so ähnlich vor…

Ende gut, alles gut. Wir waren deutlich nach neun Uhr zuhause, aber satt und bettbereit. Auf das EM-Spiel Liechtenstein – Fidschi habe ich dann gerne verzichtet und stattdessen wie ein McBaby gepennt, das von Billy-Regalen träumt.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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3 Antworten zu Essen auf Rädern

  1. dasmanuel schreibt:

    Glorios! Ich lachte laut.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Freut mich! Ich habe mich nachher auch darüber amüsiert, insbesondere beim schreiben. Bloggen scheint einen therapeutischen Nachbearbeitungswert zu haben.

      • dasmanuel schreibt:

        Meistens. 😉

        Mir hat die Realitätsnähe so gefallen:

        ‚Wir müssen tanken‘

        ‚Kein Problem auf dem Rückweg, wir sind an mindestens 5 Tankstellen vorbeigefahren‘

        3 Stunden später sind dann gefühlt alle Tanken im Umkreis von 1.000 Kilometern spurlos verschwunden …

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