Alpentagebuch, Nachklapp

Ich habe ja noch gar nicht von unserer Rückreise erzählt, also tue ich es jetzt…

Als Überraschung für die Kinder hatten wir geplant, auf der Rückfahrt das legendäre LEGOLAND in Günzburg zu besuchen. Legendär, weil unsere Kinder seit ewig davon träumen, wir die Idee aber mit Verweis auf die Entfernung stets abgewehrt hatten. Nun waren wir also in Österreich, da lag es quasi auf dem Heimweg.

Wir planten zwei Übernachtungen in einer Pension nahe Günzburg und erzählten unsrer Pänz, wir würden auf dem Heimweg München besichtigen. Als wir ihnen am Abend vor der Rückfahrt eröffneten, wir würden stattdessen nach LEGOLAND fahren, war die erste gemeinsame Reaktion: haha. Wir hatten tatsächlich einige Mühe, ihnen von der Ernsthaftigkeit unseres Plans zu überzeugen, so tief saß der Unglaube, der aber alsbald in ungläubiger Freude umschlug.

Da die Strecke nach Günzburg nicht so lang war, fuhren wir erst gegen 11 Uhr los und waren irgendwann gegen 14 Uhr schon fast durch München durch. Der Kleine wurde wach und wir hatten alle Hunger, und so gedachten wir, von der Aurobahn runter den nächsten Mäcces aufzusuchen. Da kamen die Eltern meiner Kinder auf die glorreiche Idee, wie schon auf der Hinfährt bei IKEA zu halten, wegen Kottbüllar und Wickel- und Spielmöglichkeit und Planung zukünftiger Anschaffungen. Das hätten wir nicht tun sollen.

Wir drehten also um Richtung München-Süd, aßen und spielten und ikeaten, und fuhren frohgemut… in den fettesten Stau der Welt. In München, um München, wolkengleich sich über München herum legend und jede Straße verstopfend, die unser Navi vorschlug: Stau.

Wir verbrachten die nächsten drei Stunden im frustrierenden Nirgendwo und legten in der Zeit keine drei Kilometer zurück. In einer Stadt, die wir vor fünf Stunden eigentlich schon hinter uns gelassen hatten. Beendet wurde unsere Tortur eher unfreiwillig, indem die Kupplung unseres Autos sich unter der hochsommerlichen und durch permanenter Anfahrschleifreibung verursachten Hitze irgendwie dahinschmolz. Unser Familienvan hüpfte wie ein nervöses Häschen bei jedem Anfahrversuch, bis wir endlich notgedrungen aus dem Stau und auf den Parkplatz eines inzwischen geschlossenen Autohauses abbogen.

Der ADAC versprach, innerhalb der nächsten Stunde vorbei zu schauen, teilte uns dann auf Nachfrage nach anderthalb Stunden mit, dass man beschlossenen hatte, dass unser Problem derart schwerwiegend sei, dass wir nur noch abgeschleppt werden könnten. Das würde drei bis vier Stunden dauern. Derweil spielten unsere Kinder fröhlich im Schotter und erforschten die Botanik eines durchschnittlichen deutschen Gewerbegebiets. Sie hatten eh nie wirklich daran geglaubt, dass sie LEGOLAND erreichen würden. Nach etwas Verhandlung mit dem ADAC wurde uns ein Hotel in der Umgebung genehmigt, wohin wir so um 21 Uhr zu Fuss hin aufbrachen.

Das Hotel war nicht nach dem Geschmack meiner Frau, die mit den dubiosen Gestalten, die im Foyer abhingen, etwas fremdelte. Der Rest war glücklich, überhaupt wieder ein Dach überm Kopf zu haben. Um 22 Uhr kam dann endlich der Abschleppdienst, der feststellte, dass unser Auto inzwischen abgekühlt sei und wir weiterfahren dürften.

Meine Frau setzte sich durch, und wir fuhren noch in der Nacht weiter zur Pension. Dabei war der Rest der Familie dafür gewesen, die Nacht im Hotel zu verbringen, aber gegen das miese Bauchgefühl meiner Frau war nichts auszurichten. Wir erreichten die Pension mit über acht Stunden Verspätung kurz nach Mitternacht und fielen erschöpft in unsere Betten. Der nächste – eigentlich schon begonnene Tag sollte besser werden.

Nachklapp zum Nachklapp: LEGOLAND war wunderbar. Wir verbrachten allen ernstes einen super schönen Tag. Ich habe noch nie ein Freizeitpark gesehen, dass derart konsequent auf die Bedürfnisse von Familien mit kleinen Kindern ausgerichtet ist. Natürlich sind unsere zwei Großen keine kleinen Kinder mehr und hätten auch mal eine Achterbahn mit Looping vertragen, aber dafür gibt es ja auch andere Parks. Trotzdem hatten sie ungeheuer viel Spaß, und unser Kleiner (anderthalb Jahre) auch: er hätte dem ganzen Tag in der Duplo-Eisenbahn und der Safari-Tour verbringen können und hat er -glaube ich – auch.

Nachklapp zum Nachklapp zum Nachklapp: Das Bauchgefühl meiner Frau hatte sich nicht getäuscht. Am Tag nach unserem Aufenthalt in München, also während wir uns in LEGOLAND vergnügten, fand sieben Kilometer von unserem Fast-Übernachtungs-Hotel der entsetzliche Amoklauf statt, bei dem neun Menschen starben. Nun sind sieben Kilometer ein mehr als ausreichender Abstand von der Gefahrenzone, außerdem wären wir selbst bei einer dortigen Übernachtung zu dem Zeitpunkt seit einem halben Tag wieder fort gewesen, aber das mulmige Gefühl bleibt… Wäre unser Wagen abgeschleppt worden, hätten wir den Tag im München verbracht, wären wir vielleicht in einer nahe gelegene. Einkaufshalle einkaufen gegangen…

Advertisements

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
Dieser Beitrag wurde unter Echte Geschichten abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s