Ein Licht geht auf.

Und zwar ein braunes; das ist aber jetzt nicht im geringsten politisch gemeint.

Loyo Jokolade.

stellte mein Sohn „Loyo“, bald zwei Jahre, heute aus dem Autorücksitz heraus fest. Er hatte geraden einen Schokoladenkeks verdrückt und wollte gerne einen zweiten, den ich ihm mit dem Hinweis verwehrte, es gäbe bald richtiges Essen, aber dass ich durchaus wisse, dass er Schokolade mag. Nun wurde er nachdenklich, und darauf seine Feststellung: Ich mag Schokolade, sollte dass wohl heißen, und zwar weniger als Mitteilung an mich, sondern als überaus wichtige und folgenschwere Selbsterkenntnis.

Dann weiteres stilles Nachdenken, und schließlich:

Jokolade is‘ Jokolade.

Solche Aussagen kommen bei ihm, und bei anderen jungen Spracherwerbern wohl auch, recht häufig vor. Sie signalisieren den Moment, in dem ein kürzlich neu entdecktes und unbewusst verarbeitetes Konzept plötzlich den Weg ins Bewusstsein findet. Letztens zum Beispiel, nachdem er schon mehrere Tage hintereinander die Farbe Blau erkannt hatte: Das iss Uau. Uau iss… uau. Uau iss uau!

So wurde ich heute Zeuge, wie mein jüngster Sohn des Vorhandenenseins von Schokolade in seinem Universum wie auch seiner diesbezüglich positiven Gefühle gewahr wurde. Welch elementar wichtiger Meilenstein seiner Menschenwerdung, den ich, durch Eis und Schnee fahrend, heute beiwohnen durfte!

Manchmal ist Vatersein doch sehr schön.

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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5 Antworten zu Ein Licht geht auf.

  1. franhunne4u schreibt:

    Schokolade ist auch eine eminent wichtige Lebenserfahrung!

  2. aurorula a. schreibt:

    Hmmmmmmm….. 😀

    Schoko ist einfach gut. Sobald der Backbub sowas zaubert wie diese Torte, gehts wohl allen so wie Loyo 🙂

    (Bild von Pinterest)

  3. Aristobulus schreibt:

    Mit der Aussage „Jokolade is‘ Jokolade“ hat er aber was Anderes gemeint als Jokolade.
    Was hat er gemeint: Kategorien! Und zwar als Antwort auf die Ermahnung, es gebe ja bald richtiges Essen, weswegen vor einem richtigen Essen keine Jokolade zu essen sei.
    Da ist es ihm klargeworden, dass es einerseits die Kategoeie richtiges Essen und andererseits die Kategorie Jokolade, Gummibärchen, Süßfress‘ und Fresssüß‘ gibt, ja dass es überhaupt in der Welt und im Geiste und selbst jenseits davon Kategorien gibt!

    Er gelangte zur Folgerung, dass Jokolade eben Jokolade sei und kein richtiges Essen, weil andere-Kategorie-obwohl-ja-auch-zu-essen, dass also Jokolade auf jeden Fall vor, während und nach einem richtigen Essen richtig zu essen sei, und warum: Wegen der Logik der Kategorien.
    Damit hat er die Welt begriffen.

    Kein Mensch wird ihm diesen Einfall je wieder austreiben können.

  4. Muriel schreibt:

    Ich sollte jetzt nachsehen, wann das bei Kindern mit solchen expliziten Metagedanken los geht. Bin zu faul.
    Zwei kommt mir aber nicht abwegig vor.

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