Seelenruh. Nicht.

Mein Nervenarzt riet mir, mich mehr auf die positiven Aspekte meines jämmerlichen Daseins zu konzentrieren. Dieser therapeutische Ansatz soll der nun folgenden Zusammenfassung meines gestrigen Tags zugrunde liegen:

Trotz meiner derzeitigen Bandscheiben-Ischias-Beschwerden wachte ich in aller Frühe schmerzfrei auf, als mein kleiner Sohn (im folgenden KC genannt, steht für Kevin-Conan) wie üblich zeterte, meckerte und schrie. Nach dem ebenfalls üblichen halbstündigen Hickhack mit dem wie und wo und ob überhaupt der Milchzufuhr (will Maff, will nis Maff, unten Küche, oben Bettmamapapa) gab KC sogar zehn Minuten Ruhe. Schön!

Ich durfte den Vormittag zuhause verbringen! Und zwar, weil KC Durchfall hatte. Hochmotiviert begann ich gleich als erstes, noch während der Kaffee durchlief, das Nano-Aquarium zu säubern. KC, inzwischen wieder aufgetankt, war wie stets sehr hilfsbereit, so sehr, dass wir zusammen mit dem Aquariumswasser (und danach mit Leitungswasser) Teile der Küche reinigten. Wie die Fliesen glänzten! Und fünfzehn Blasenschnecken durften vor ihrer Entsorgung sogar einen Ausflug über den Küchenboden machen! So kamen schon früh am Morgen mein Kreislauf und meine Stimmbänder in Schwung.

Die großen Kinder hatten auch Bauchschmerzen, gingen aber freiwillig in die Schule, entweder aus Ehrgeiz oder um meinem Geschrei zu entkommen. So konnte ich ungestört die Mineralwasserflasche entsorgen, die KC im vollen Zustand auf die Fliesen fallen lies. Als kleiner Bonbon wurde der Küchenboden zum dritten Mal innerhalb einer halben Stunde gereinigt, diesmal mit Mineralwasser. Ich liebe saubere Küchen!

Danach wuschen wir zwei uns und zogen uns an. Ich räumte ein bisschen, und KC wusch sich ein zweites Mal. So ein reinliches Kind! Im bekleideten Zustand, allerdings, also zog ich ihn ein zweites Mal an.

Wir spielten. Zwischendurch versuchte ich, ein bisschen was am PC zu erledigen, aber das Internet wollte nicht. Als ich feststellte, dass auch Telefonieren nicht mehr möglich war, strahlte ich vor Glück: endlich hatte uns NetAachen auf Glasfaser umgestellt!

Ich hatte vorsorglich eine neue bessere dickere Fritz Box gekauft, und schloss diese nun an und richtete sie ein – ein Kinderspiel! Nur leider immer noch weder Internet noch Telefon.

Zweites Frühstück: ein Kaffee für mich, ein Glas Saft für KC, jeder einen Keks, das Glas in Scherben auf dem Küchenboden. Elterlches Geschrei, flüchtendes Kleinkind, aber: eine frisch gekehrte, gestaubsaugte, abermals gewischte Küche. Herrlich!

Der Rest des Vormittags verlief weitestgehend unspektakulär. Ich erwischte KC dabei, wie er wieder mit einer Flasche Sprudelwasser umher lief, und obwohl ich mich (vor Rage) nur undeutlich zu artikulieren wusste, verstand dieser schlaue Kerl auf Anhieb, was er zu tun hatte und versteckte sich in seinem Zimmer unter der Bettdecke.

Als wir uns wieder vertragen hatten, half er mir aktiv bei meinem Fritz-Box-Problem mittels Schere und Filzstifte, leider ohne den erwünschten Erfolg. Und als ich eine Viertelstunde in der Hotline-Warteschleife hing, peppte er den eintönig schwarzen Teppich im Zimmer seiner Schwester mit roten Tupfern aus Nagellack auf. So jung und schon so künstlerisch!

Mittags kam meine Frau von der Arbeit nach Hause, und ich Glückspilz durfte zur Arbeit! Schon im Bus machte sich mein Ischias bemerkbar, aber ich musste an diesem Nachmittag auch gar nicht vorm Rechner sitzen, was meinem Zustand nur verschlimmert hätte.

Stattdessen durfte ich über viele Stunden stehend diverse Kurzvorträge lauschen! Wurden die Schmerzen im Rücken schwer erträglich, gab es stets einen freien Stuhl zum Hinsetzen, und tat mir vom Sitzen der Ischias weh, gab es stets einen freien Stehplatz.

Abends schaute ich auf dem Heimweg auf einen Plausch beim NetAachen-Laden vorbei. Zwar gab es keinen Kaffee (war auch nicht nötig, da ich schon bei Tasse Numero Fünf angekommen war), stattdessen den wohlgemeinten Rat, mich an die Hotline zu wenden. Der Mitarbeiter war überaus freundlich und empathisch, und er zeigte auch Verständnis für Betreiber und Mitarbeiter eines für den Kunden scheinbar unerreichbaren Call Centers. Am Ende erhielt ich einen Priority Pass, der es mir gestatten sollte, beim Call Center tatsächlich jemanden zu erreichen.

Eine tolle Erfindung, die sogar funktionierte! Wieder traf ich – telefonisch diesmal – auf einen freundlichen, mitfühlenden und kompetenten Mitarbeiter, der schnell und zielsicher feststellte, dass der Techniker Mist gebaut hatte. Schon übermorgen gäbe es einen zweiten Versuch!

Und bis dahin keine störenden Telefonate, Emails, Netflix-Serien…

Juhu!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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8 Antworten zu Seelenruh. Nicht.

  1. franhunne4u schreibt:

    Selber schuld. Sowohl an dem kleinen Pfeffermatz (der war wirklich eigenes Werken) und auch am gefliesten Küchenboden. Ich bin von Fliesen in der Küche kuriert – nur noch PVC für mich. Seit ich in einer gemieteten Küche eine Flasche Hohes C, die auf dem Boden stand, und damals noch in Glas daher kam, mit dem Fuß umstieß. Praktisch keine Fallhöhe, Fliesenboden wurde trotzdem mit einem leichten Säurebad aufgefrischt … NIE WIEDER FLIESEN – außer im Bad. Meine jetzige (ebenfalls gemietete) Küche hat PVC. Ich habe nur wischbare Böden in der Wohnung (mit einer Katze notwendig). Aber nur im Bad gibt es Fliesen.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Unsere Fliesen sehen auch noch #&%! aus. Türkis, abgenutzt, beschädigt.

      • franhunne4u schreibt:

        Daher geht mein Ratschlag an alle Hausbauer -„Überlegt Euch das mit Fliesen“. Und alle Leute sagen mir: „Ich hab jetzt so lange in Wohnungen mit PVC-Boden in der Küche gelebt, ich WILL Fliesen“. „OK,“ sage ich -“ ich sag ja nur …“

  2. Anhora schreibt:

    Mein Küchenboden sollte auch mal wieder gründlich geputzt werden. Ich hab nämlich keine KCs mehr in meinem Haushalt, da sammelt sich über die Jahre halt einiges an Staub an. 😉

  3. Lakritze schreibt:

    Haha, äh … nee, ne?
    Ochnö!

  4. TBW-PUR schreibt:

    an Tagen wie diesen … 😉

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