Ein kleines Geschichte fürs Herz

Ich denke gerne an unsere Urlaube an diesem bemerkenswerten See inmitten der schweizer Alpen zurück. Der See war vielleicht zwanzig Kilometer lang, aber nur einen knappen Kilometer breit. Wie quartierten uns stets in der gleichen Pension am östlichen Ufer ein, und abends auf der Terrasse sah man die Lichter des gegenüberliegenden Dorfes am Westufer. Eines abends während unseres dritten Aufenthalts setzte sich der Gastwirt zu uns und erzählte uns die Geschichte der zwei Dörfer und wie der See zu seinem Namen kam.

Schon seit langer Zeit gab es diese Dörfer, und wie so häufig unter Nachbarn, waren diese zwei durch den See getrennte Ansiedlungen stets arg verfeindet gewesen. Trotz dieser Feindschaft geschah es eines Sommers vor vielen Jahrhunderten, dass sich ein junger Mann aus dem östlichen Dorf in eine hübsche Maid aus dem westlichen verliebte. Und obwohl die Stammesältesten dringend von dieser Beziehung abrieten, ging der junge Mann jeden Abend bei Anbruch der Dunkelheit zum Ufer des Sees, holte sein kleines Kanu aus dem Gebüsch, und paddelte über den See zu seiner Angebeteten, die ihn sehnsüchtig erwarte. Vor dem Sonnenaufgang war der junge Mann wieder zuhause.

Der Sommer verging und die Tage wurden kälter, doch das Feuer brannte weiter in den Herzen der zwei Verliebten . Eines Herbstabends jedoch ging der junge Mann zum Ufer des Sees und musste feststellen, dass sein Boot geklaut worden war. Schnell fasste er einen kühnen Entschluss: obwohl der Weg weit und das Wasser kalt war, würde er herüber schwimmen.

Er sprang in den See und schwamm los. Die Kälte traf ihn bis in die Knochen. Schon auf den ersten hundert Metern wurde im klar, dass die vielen Nächte ohne Schlaf nun ihren Tribut forderten, und er es kaum schaffen würde. Doch anstatt umzudrehen, kraulte er weiter seiner Angebeteten entgegen. Auf halber Strecke konnte er sie schon erahnen, dann tatsächlich sehen, wie sie ihm, ihren Liebsten, die Arme entgegen streckte. Mit letzter, kaum vorstellbarer Kraft schaffte er es bis an hundert Meter vor dem Ufer ran, streckte auch ihr seine Arme entgegen und versicherte ihr ein letztes Mal seine Liebe, bevor er vor ihren Augen ertrank.

Am nächsten Morgen wusste jeder im Dorf, was geschehen war. Die Bewohner zeigten sich derart tief von den Ereignissen beeindruckt, dass sie sogar den See nach diesem jungen Mann benannten, der an jenem Herbstabend in das kalte Wasser und den sicheren Tod sprang, damit seine Liebste nicht umsonst auf ihn warten müsste.

Ich denke gerne an unsere Urlaube zurück, damals, am Idiotensee.

 


Okay, fürs böse Herz war diese Geschichte. Als Kind hatte ich ein Witzebuch, da war diese Story drin (oder so ähnlich, ist ja schon ein paar Jahrzehnte her), allerdings mit Indianern (war in den USA, und „Lake Stupid“ hieß da der See). Zu meiner Studentenzeit habe ich mal an einem entsprechend romantisch gestimmten Abend unter Freunden diese „Story“ präsentiert, und meinen besten Freund hatte ich damals derart eingelullt, dass er bei der Pointe erschrocken hochzuckte. Tat mir ein bisschen leid…

Ansonsten war das Witzebuch voller Flachwitze, an die ich mich immer noch erinnere, z.B.: „R2-D2 kommt zur Erde, sieht eine Parkuhr, sagt: Hör auf zu betteln; sieht eine Zapfsäule, sagt: Nimm den Finger aus dem Ohr; sieht ein Müllauto, dem eine Mülltonne herunterfällt, und sagt: Frau, Sie haben ihr Baby verloren!“ Warum weiß ich so was noch? Offenbar ist in den letzen 35 Jahren nicht ausreichend Interessantes in meinem Leben passiert, um R2-D2 und die Müllabfuhr zu verdrängen…

 

Advertisements

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
Dieser Beitrag wurde unter Eingefallen, Unechte Geschichten abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Ein kleines Geschichte fürs Herz

  1. Tanja im Norden schreibt:

    Ich wünschte, unser Hirn würde anders funktionieren, und sich solche flachen Witze einfach nicht merken können. Das Niveau der Werbung wäre dann vermutlich höher.

  2. Anhora schreibt:

    *schallendlach* Ich hoffe ich sinke nicht im Ansehen wenn ich zugebe, dass mich sowohl der Idiotensee als auch R2-D2 herzlich amüsieren! Ich konnte mir Witze noch nie merken, und die von vor 35 Jahren schon gar nicht. Heutzutage ist es eh aus der Mode gekommen, heut gibt’s YouTube-Clips, die man meint, an 1000 Leute verschicken zu müssen …
    Dabei ist gutes Witzeerzählen eine Kunst! Ein Witz kann noch so flach sein – wenn er gut erzählt ist, macht das nichts. 🙂
    (Nur schlüpfrige Witze mag ich nicht.)

  3. Pingback: Meine Listen: ALLTAG II. – Es wird Zeit, dass es Zeit wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s