Die Mystiker

Wann gilt ein Sachverhalt als mystisch?

  1. Wenn ich es nicht verstehe → das ist der Ansatz aller Esoteriker und Homöopathen und sonstiger Schwachmaten. Wenn ich die Augen verschließe, dann kann die ganze Welt mystisch sein. Die Wahrheit halte ich für todlangweilig. Oder unromantisch.Ich finde es herzlos, alles erklären zu wollen. Aber das ist natürlich Schwachsinn, denn ich biete gerade alternative Erklärungen. Sogar ganz viele, widersprüchliche, parallel existierende. Und sie beinhalten halt alle ein bisschen Magie statt Wissenschaft. Denn eigentlich bin ich zu dumm zum Nachdenken.
  2. Wenn die Menschheit es nicht versteht → das ist die Domäne der Gottesgläubigen nach alter Schule. Gott finde ich überall dort, wo wir noch keine wissenschaftliche Erklärung für haben. Der Blitz, die Sonne, die Entstehung des Lebens, das Bewusstsein. Und immer, wenn die Wissenschaft ein weiteres mögliches Versteck Gottes mit dem Licht der Erkenntnis ausleuchtet, bin ich enttäuscht, vielleicht auch zunehmend frustriert, und vielleicht nähere ich mich aus lauter Frust schrittweise dem Esoteriker, in dem ich lieber die Augen verschließe, als eine weitere Enttäuschung zu erleben.
  3. Wenn die Menschheit es niemals verstehen kann. Aus physikalischen und / oder biologischen Gründen, die auch jegliche Weiterentwicklung der Menschheit einschließt → hier finden sich manche Philosophen und die Gläubigen nach moderner (oder asiatisch beinflusster) Schule. Es gibt etwas dem Wesen Unerklärliches, zumindest für uns dreidimensionale und zeitgebundenen Wesen. Vielleicht gilt diese Aussage schon für das Leben oder das Bewusstsein?
  4. Wenn es keine Erklärung geben kann (mystisch als Eigenschaft unabhängig vom „Beobachter“) → Ist dies hier schon ein semantischer Widerspruch? Kann es etwas geben, was von keinem (theoretisch exisitierbarem) Wesen verstanden werden kann? Erst dieses würde wirklich die Bezeichnung „mystisch“ verdienen. Aber kann es ein Dasein ohne Ursache geben? Und wäre ein eventuell existierender Gott in der Menge der nicht verstehenden Wesen eingeschlossen? Hier kommen wir entweder bei einer sehr allgemeinen Theologie an, in dem Gott als Grenzwert oder als nicht erklärbare Auflösung eines Paradoxons zu sehen ist, oder eben beim einem durch eine zwingende Logik erreichten Atheismus. Und weit weit weg vom augenverschließenden Mystiker nach 1.
Advertisements

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
Dieser Beitrag wurde unter Auf dem Weg zum Glück, Mathematik & Logik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Die Mystiker

  1. Tanja im Norden schreibt:

    Aber wie können wir als dreidimensionale und zeitgebundene Wesen den Unterscheid zwischen 3. und 4. erkennen? Wir können ja nicht wissen, ob etwas für ein fünfdimensionales Wesen ganz einleuchtend wäre? Könnten wir das, dann wäre es ja auch für uns einleuchtend.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Erkennen können wir den Unterschied tatsächlich nicht. Nur vermuten, und anhand der Vermutung bewerten. Will sagen: Ich, als 4er, sage: ich kann mir vorstellen, dass wir niemals in der Lage sein werden, bewusstes Leben zu erschaffen; und ich glaube nicht, dass zeitgebundene Wesen jemals den Ursprung des Kosmos endgültig ergründen können – und trotzdem halte ich diese Sachverhalte nicht für mystisch (oder göttlich oder dergleichen), weil ich glaube, dass sie umfassend verstehbar sind, nur eben nicht von Unsergleichen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s