Conan der Autor

Sowas liebe ich: ein endlos dickes Buch voller toll geschriebener, kurzweiliger Kurzgeschichten. Trotz des Alters nicht angestaubt, sondern eher patiniert.

Es handelt sich um eine Sammlung von 76 Kurzgeschichten – auf Englisch – von Arthur Conan Doyle, nicht zuletzt als Schöpfer des legendären Sherlock Holmes berühmt geworden. Die in diesem Band versammelten Storys kommen allerdings ohne den ollen Besserwisser aus und untergliedern sich in thematisch gruppierten Kapiteln: The ring and the camp — Pirates and blue water — Terror and mystery — Twilight and the unseen — Adventure and medical life — Tales of long ago.

Beim Lesen wurde mir wieder klar, was für ein hervorragender Geschichtenerzähler Doyle ist. Es kann ernst, spannend, geheimnisvoll oder lustig zuzugehen, aber nur selten wird es langweilig. Ein paar Ausnahmen bestätigen die Regel, und gerade das letzte Kapitel (Doyle zufolge sein liebstes) fand ich uninteressant.

Bei einer hundert Jahre alten Sammlung muss man sich darauf einstellen, dass manche Wendung nicht so überraschend ist, wie es damals war, oder dass manche Charaktere stereotyper ausfallen, als man es heute von einem guten Autor erwarten würde – aber das alles hat mein Lesevergnügen nicht beeinträchtigt.

Über einige Monate habe ich abends im Bett vor den Einschlafen darin gelesen, und durfte mal auf hoher See Schlachten führen, im französischen Hinterland Pferde aus Militärcamps entführen oder mich in geheimnisvollen châteaus vom Schlossherrn gefangen nehmen lassen, in der Abgeschiedenheit Schottlands eine flüchtende Braut vor ihrem ehemaligen Liebhaber beschützen, in der Wüste Nordafrikas Räuber abwehren. Ich habe seltsame Experimente durchgeführt, bin lebenden Mumien begegnet, habe Schätze gehoben, Frauenherzen und Boxkämpfe gewonnen. Führte das Leben eines ehemaligen Soldaten, eines überarbeiteten Buchhalters, eines verzweifelten Abenteurers…

Heutzutage werden Geschichten häufig in der Form von Buch- oder Filmreihen oder (ganz wundervollen) TV-Serien erzählt und benötigen dafür minimum zehn Stunden (manchmal auch dreissig). Wie schön, auch mal die entgegengesetzte Kunstform zu erleben: eine ganze Welt auf dreissig Seiten, jeden Abend neu!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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2 Antworten zu Conan der Autor

  1. franhunne4u schreibt:

    NEIN _ NEIN _ NEIN _ ich werde dieses Buch nicht irgendwo im Internet bestellen – NEIN – NEIN – Finger festklemmen, nicht bestellen … NEIN … Denk an deine Buch-Challenge, Denk an dein Regal voller ungelesener Bücher, Fran … NEIN, NEIN … Uff … Anfall vorüber. Fürs Erste.

  2. Pfeffermatz schreibt:

    Man kann das Buch ja bestellen und dann einfach nicht lesen. So ein großes Werk hat auch andere Verwendungsmöglichkeiten, so als Totgewicht oder Volumenfüller oder Sandwichpresse 🙂

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