Filmschlaf

Ein Posting von Feldlilie erinnerte mich daran, dass ich schon immer mal öffentlich über die Darstellung des Nachtschlafs im Medium Film mich aufregen wollte. Denn man tau:

Menschen im Film schlafen folgendermaßen: sie legen sich abends (natürlich geschminkt und coiffiert und im sehr vorzeigbarem Nachtgewand, selbst das ausgeliehene Knopfhemd vom Freund ist fleckenfrei und gebügelt, und Männer pennen nie in Unterhose, außer es sind schicke Boxershorts) hin, und wachen acht Stunden später, bei herrlichem Sonnenschein, der in voller Pracht das immer noch sehr aufgeräumte Bett beleuchtet, in genau derselben Position auf, wie sie acht Stunden zuvor die Augen schlossen. Und falls sie zu zweit sind und sich liebevoll aneinander gekuschelt haben, verharren sie ebenfalls acht verfluchte Stunden lang in jener Kuschelposition (ihr Kopf auf seiner Brust, zB).

Besonders negativ fiel mir diese leicht unrealistische Darstellung des Schlafens im Film Die Bestimmung mit Sandra Bullock auf. Dort schläft Sandra ziemlich viel, so sechs oder sieben Nächte. Das kriegt man als Zuschauer ziemlich genau mit, denn der nächste Morgen gehört dort just nicht zum nächsten Tag, will sagen… ähm… Zeitreiseschleife und so. Aber das tut hoffentlich nichts zur Sache, und wenn doch, dann sucht euch einfach einen anderen Hollywood-Schinken als Beispiel aus.

Also, Sandra Bullock wacht morgens auf, sieben Mal, und sieht dabei stets aus wie…. wie Sandra Bullock, eben. Dabei liegt sie immer genau so da, wie sie sich hingelegt hat, und zwar meist gerade auf dem Rücken ruhend wie bei einer Entspannungsübung. Also wie eine Mumie. Eine sehr hübsche Mumie, allerdings. Umwerfend hübsch, sogar, aber ich schweife ab… Jedenfalls: Augen zu, weg, Augen auf, Sonne scheint, Sandra ist ausgeruht und hübsch und kann direkt vor der Kamera posieren.

Sandra und Pfeffermatz schlummern einträchtig und sorgenfrei nebeneinander in freier Wildbahn

Ich wache nicht acht Stunden, sondern vielleicht zwei Stunden später zum ersten Mal auf. Ich wälze mich ein bisschen rum, kann nicht wieder einschlafen, und gehe dann aus Verzweiflung pinkeln. Falls ich mich dabei im Badezimmerspiegel erblicke, schaut ganz sicher keine verträumt guckende (und umwerfend süße) Sandra Bullock zurück, sondern ein Pfeffermatz, der seit dem Zu-Bett-Gehen scheinbar schwerste Schicksalsschläge hat hinnehmen müssen. Erschrocken lege ich mich zurück ins Bett und wälze weiter und schlafe mit etwas Glück in rückentötender Position ein.

Zwei weitere Stunden später wache ich erneut auf, mein Rücken schmerzt, ich muss die Position wechseln, mehrmals vielleicht, und wo ich schon dabei bin, schaue ich mal bei der Toilette vorbei.

Wiederum zwei Stunden später ist es der Bauch, der schmerzt. Vielleicht hilft neben einem Positionswechsel auch ein kurzes Blasenentleeren, das entspannt.

Ich suche eine entspannte Position, vielleicht auf dem Rücken? Schau die Decke an, meine Augenlider werden schwer. Nee, doch nicht. Brauche ich schon wieder eine andere Matratze? Nee, daran liegt’s nicht. Hat da ein Kind gehustet, hoffentlich wird es nicht krank, ich habe bei der Arbeit so viel zu ,tun, Kollege X braucht dringend eine Rückmeldung, habe ich schon …? Vielleicht liegt’s am Kopfkissen, da ist so eine Lücke, wenn ich auf der Seite liegen, wieso liege ich wieder auf der Seite? Muss schlafen.

Flashpop / Getty Images

Sandra Bullock würde einfach schlafen. Einfach so. Ob sie mich heiraten würde? Aber ich will nicht in die USA ziehen, dort gibt es kein richtiges Brot, und ich weiß nicht, welche Möbel ich mitnehmen soll. Sandra ist doch halbe Deutsche, vielleicht wäre sie damit einverstanden, dass ich in Deutschland bleibe…

Oh mein Gott, ein Lichtstrahl bahnt sich durch einen winzigen Spalt meines geschlossenen Rollos. Ist das die Sonne oder nur das Badezimmerlicht eines entfernten Nachbarn? Jetzt ist es mit dem Schlaf auf jeden Fall vorbei.

Wie bitte sehr kann Sandra Bullock unbeeinträchtigt weiter pennen, wenn die Sonne schon seit Stunden in ihr rollofreies Zimmer scheint? Warum gibt es in den USA keine Rollos? Und wäre sie damit einverstanden, wenn ich welche für unser Schlafzimmer in LA importieren lasse?

Was mich nun interessieren würde: Falls ihr eure Bettstatt mit einem anderen menschenähnlichen Wesen teilt, könnt ihr Arm in Arm einpennen und findet euch gar morgens in gleicher Position wieder, oder könnt ihr nur berührungsfrei einschlafen?

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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14 Antworten zu Filmschlaf

  1. gnaddrig schreibt:

    Immerhin wissen wir jetzt, warum Du in Hollywood keine Chance hättest – wer so klischeefremd schläft (bzw. nichtschläft) ist ja nicht filmtauglich. Aber vielleicht lernt man in der Schauspielschule richtig (telegen) schlafen? Solltest Du Sandra dann mal fragen.

  2. Tanja im Norden schreibt:

    Nicht zu vergessen, dass die Schlafszene im Film perfekt beleuchtet ist, obwohl das Licht ausgeknipst wird.

  3. Nachti-Schlampe schreibt:

    Da hast du aber ein interessantes Thema angefasst. Bin ganz deiner Meinung. Realistischer wären Filme allemal, wenn die Protagonisten
    1. allein schlafen, da oft die Partnerin das Schnarchen des anderen nicht erträgt,
    2. im Stockdunkeln liegen, denn wenn Licht das Schlafzimmer erhellt, ist der Schlaf echt vorbei,
    3. im flauschigen Pyjama schlafen, nachdem sie sich die Zähne geputzt haben, statt cool in Boxershorts, ohne sich vorher zu waschen (bäh). Ach nee, die in Hollywood hüpfen ja abends immer gleich in die Dusche (allein) oder eben direkt mit dem Haserl ins Bett.
    P.S.: Ist dir schon mal aufgefallen, dass in den Filmen NIE Deckenlampen an sind, sondern immer verschiedene im Raum verteilte Stehlampen, die schon an sind, wenn man das Zimmer betritt?

  4. Anhora schreibt:

    Ich hab auch mal versucht, wie Sandra Bullock perfekt frisiert und geschminkt ins Bett zu gehen, das war am Anfang meiner Liebesaffäre mit dem geliebten Briten. Am nächsten Morgen befanden sich auf meinem Kopfkissen schwarze Flecken und ich sah aus wie ein Uhu. Seither geh ich wieder ungeschminkt ins Bett, sehr gerne mit dem Briten an meinen Rücken gekuschelt (Gesicht zu Gesicht geht gar nicht), und so wachen wir tatsächlich häufig wieder auf. Ob wir nächtens zwischendurch etwas treiben und morgens nur aus Gewohnheit wieder zueinander finden, weiß ich nicht, weil ich ja schlafe. 😉
    Auf jeden Fall empfehle ich dir Melissentee und eine blickdichte Augenmaske. Es ist ja zum Erbarmen, was du nachts durchmachst!

    • Pfeffermatz schreibt:

      Wow – Glückwunsch zum ruhigen und durchgängigen Schlaf! Eine Augenmaske brauche ich in Wirklichkeit nicht, aber Ohrenstöpsel ab 4 Uhr schon, falls ich da aufwache, das ist rein psychologisch. Und immerhin schlafe ich (derzeit) meist ganz gut wieder ein.

  5. Lo schreibt:

    Stimmt.
    Mir fällt das auch immer wieder auf, dass dieses filmischen Bettschönheiten stets gut frisiert und absolut knitterfrei (Textil und Gesicht) wach werden. Und die müssen nach einer Nacht auch nicht zum Pieseln aufs Klo…

  6. franhunne4u schreibt:

    Ich kenne das mit der Blasenentleerung. Entweder hast du eine Entzündung – oder du hast ein Granufink-Problem …

    • Pfeffermatz schreibt:

      Oder ich habe nachts gerne eine Ausrede, um mal aufzustehen und ein bisschen durch die Gänge zu laufen 🙂

      • franhunne4u schreibt:

        Übrig geblieben aus Kinderzeiten? Als man ständig nach neuen Ausreden suchte, um nicht schlafen zu „müssen“? „Mama, ich hab Durst“, „Mama, ich hab Hunger“, „Mama, eine Geschichte“, „Mama, ich muss mal“, …

  7. Lakritze schreibt:

    Ich kann das, schlafen wie eine Mumie. Auch acht Stunden am Stück. Geschminkt und frisiert aufstehen ist mir noch nicht geglückt, aber ich weiß, daß ich nachts meist mindestens einen Arm über den Kopf strecke, wie Superman.
    Noch schlimmer als die Hollywood-Schlafangelegenheit finde ich allerdings, daß sie in Filmen immer irgendwo reingehen und dann die Tür nicht zumachen. Nie. Krichich Krise.

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