Halloween, 4 Tage danach

Hier folgt ein leicht verspäteter Beitrag zu Halloween, inspiriert von hier. Und hier übrigens unser Kürbis:

Man weiß es ja nicht, was man von Halloween diesseits des Atlantiks halten soll.

Es ist natürlich ein importiertes Fest, dazu ein amerikanisches (ursprünglich nicht, aber in der jetzigen Form schon), und schlimmer noch: es steht in Konkurrenz zu hiesigen Feiertagen. Und zwar sowohl zu Sankt Martin (von der Jahreszeit und teilweise vom Ablauf her) wie auch zu Karneval bzw. Fasching (das hiesige Verkleidungsfest, welches meines Wissens im Süden Deutschlands und in der Schweiz auch einen schaurigen Charakter hat). Und da geht es Halloween nicht anders als anderen Einwanderern: es wird als Bedrohung wahr genommen.

Außerdem ist Halloween inzwischen eine weitere Gelegenheit für allerhand Schabernack, auch der gewalttätigen Art. Das trägt auch nicht gerade zur Akzeptanz des Festes bei.

Diese „Erwachsenen“-Gedanken mal beiseite gelegt, stellt man fest, dass Kinder schlicht und ergreifend Spaß am Verkleiden und Gruseln haben. Und der Bedarf an Gruselei ist hierzulande eben nicht kanonisch gedeckt. Den als Zombies gekleideten Kindern ist der Migrationshintergrund von Halloween doch genauso egal wie bei Rock– und Pop-Musik, McDonald’s oder Döner. Und Gewaltexzesse finden wir auch bei G20-Gipfel und inzwischen bei fast jedem Fußballspiel. Wollen wir deswegen die Bundesliga oder gar die reichsten Industrieländer abschaffen?

Es ist lange her, dass wir uns über Negermusik echauffierten, heute ist alles jazzige, bluesige, soulige und hiphopige einfach cool; und ist nicht auch unser hiesiges Weihnachtsfest ein elendes Mischlingskind mit germanischen, römischen, amerikanischen und sicherlich auch armenischen und hebräischen Vorfahren? Würde mich nicht wundern, wenn auch die Mayas und die Marsianer ihre Finger mit drin hätten…

Ich denke: lass Mal gut sein. Wenn die Kiddies Spaß haben, dann iss‘ gut. Und ich finde es sogar schön, dass Halloween hierzulande sogar noch etwas Gruseliges und somit Ursprüngliches an sich hat. In USA ist Halloween weniger ein Gruselfest als mehr ein Verkleidungsfest, weil es dort eben keinen Karneval gibt. Und überhaupt verhält sich das hiesige Halloween zum „echten Halloween made in USA“ wie ein kleiner Karnevalszug am Karnevalssonntag in Niedersachsen zur Fünften Jahreszeit im Rheinland. Was nicht schlecht sein muss, wenn das Fremde, Eingebürgerte sich verändert und anpasst.

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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2 Antworten zu Halloween, 4 Tage danach

  1. Anhora schreibt:

    Ich glaube auch, dass Halloween wie auch Fasnet/Karneval/Fasching viel mit der Lust am Verkleiden hat. Dass das nicht nur für Kinder gilt, zeigen die immer größer werdenden Gothic, Punk, Medieval und sonstigen Szenen (durch Verenglischungen wirds gleich noch ein bisschen cooler). Der Mensch ist eben nicht nur einer, sondern viele, und so lassen sich manche Seiten vielleicht ausleben. Der Kostümindustrie hilfts natürlich auch, aber Hand aufs Herz: Was sind die Hiking / Mountaineering / Flyfishing und sonstigen Hightech-Bedarf brauchenden Szenen anderes (und da sind wir wieder bei Halloween)? Geldmacherei. Aber auch Spaß, wenn man sichs leisten kann. Egal ob importiert oder selbstgemacht. 😉

  2. gnaddrig schreibt:

    Mit Halloween kann man einigen Spaß haben, sogar wenn es teils etwas penetrant gepuscht wird. Das (vermutlich nur eingebildete) kulturimperialistische Element wird die einheimische Alltagskultur sicher genauso gut wegstecken und assimilieren wie die ganzen pösen Amerikanismen in Wortschatz, Essen und Musik. Kann gut sein, dass es in 15 oder 20 Jahren eine deutsche Version von Halloween gibt, die sich von der amerikanischen deutlich unterscheidet. Wäre doch nett, solange möglichst viele Leute Spaß dran haben (und sei’s nur, weil sie was zu meckern haben).

    Schönen Kürbiskopf habt Ihr gehabt, beide Bildversionen haben was 🙂

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