Mein Song für Lissabong

Schon morgen, mitten im Olympia-Trubel, findet der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon statt. Dabei haben ich den Kandidaten meines Herzens längst gekürt.

Wir wissen doch inzwischen aus langjähriger Erfahrung, wie das läuft: von vielen schlechten bis mittelmäßigen Beiträgen wird der kleinste gemeinsame Nenner ausgewählt. Nimmt der Interpret sich dabei ernst, landen wir beim eigentlichen Wettbewerb auf den hinteren Rängen; ist es ein spaßiger Auftritt, so können wir auf Platz Dreizehn oder so hoffen: Weil keiner uns Deutschen mag, wenn wir ernst sind, und keiner uns versteht, wenn wir lustig sind. Ich glaube, beides liegt an einer gewissen deutschen Verkrampftheit.

Ist aber in irgendeiner Form Stefan Raab beteiligt, so wird’s garantiert einstellig, weil Raab eben locker und trotzdem professionell ist.

Nun ist dieses Mal wieder kein Raab in Sicht, also müssen wir uns auf eine weitere, schmerzhafte, langgezogene Punkteauszählung gefasst machen, nicht unähnlich einer Wurzelbehandlung. Hier nun mein alternativer, pfeffermatz-typischer Ansatz: Ironie.

Ich würde unsere dauerhaftes, schon fast lachhaftes Schlusslicht-Dasein der letzten Jahre thematisieren und in meinem Lied inständig darum betteln, nicht wieder Letzter sein zu müssen. Es muss ja nicht gleich der erste Platz sein, auch der zweite, ach, einfach nur irgendwo im Mittelfeld wäre schon ganz gut!

Dieser Ansatz, in Noten und Gesang gegossen, sieht dann folgendermaßen aus:

Ja, um das ganze ESC-kompatibel zu machen, müsste eine mächtige Sängerin das ganze eine Oktave höher schmettern. Und um auf die benötigte Länge zu kommen, muss entweder eine bedeutungslose Strophe vorweg gepflanscht oder der ganze Song einfach im Anschluss wiederholt werden, von mir aus einen Ganzton höher und auf Portugiesisch. Das möge sich der geneigte Hörer dazu denken 😀

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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12 Antworten zu Mein Song für Lissabong

  1. franhunne4u schreibt:

    Na, wir haben doch schon, um ein paar Sympathiepunkte zu bekommen, unseren Medaillen-Spiegel-Platz an die Norweger abgetreten. Natürlich hätte es noch geholfen, heute gegen die Schweden zu verlieren – so werden DIE uns wohl kaum 12 Punkte geben.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Vielleicht geben uns die Jamaikaner und die Nordsüdkoreaner ein paar Punkte… ach mist, die nehmen nicht am ESC teil 😫

      • franhunne4u schreibt:

        Wo wir doch den Jamaika-Bob nicht haben gewinnen lassen … Wir Deutschen wieder haben alle Cool-Runnings-Träume zerstört. Aber lustig find ich schon, dass die Jamaikaner wieder mit einem Bob dabei waren.

  2. ESCaper schreibt:

    Habe gerade die Voraus-scheidung (!) angeschaut. Ich glaube, der letzte Platz ist „uns“ schon fast sicher 😁

    • Pfeffermatz schreibt:

      Ich habe selber nur die Siegerehrung und den finalen Vortrag des Siegerlieds gesehen. Eijeijei.
      Vom Stil her eher eine Ed Sheeren Kopie, die allerdings nicht wirklich singen kann, sorry. Und das Lied hat wenig Wiedererkennungswert und nichts besonderes zu bieten. Allerdings wirkt es nicht allzu lächerlich. Ich tippe auf Platz 17 😒

  3. gnaddrig schreibt:

    Sehr schön 🙂
    Das mit der Länge ist kein Problem, einfach ein paar Takte Intro davor, ein Solo und eine Wiederholung gegen Ende, dann passt das. Ich weiß nur nicht, ob man „uns“ die Selbstironie abnimmt. Hängt vielleicht auch davon ab, wer das Stück wie abliefert.

    • Pfeffermatz schreibt:

      Hängt auch von der Bühnendeko bzw dem künstlerischen Begleitprogramm (oder wie immer das heißt) ab. Will sagen: weinende Background-Sängerinnen, oder ein überdimensionales enttäuscht dreinblickendes Gesicht, aus dessen Augen sich ein Springbrunnen ergießt. Vielleicht noch eine Bettlerfigur, die ins Publikum spaziert und um Stimmen bettelt…

  4. mikesch1234 schreibt:

    … wunderbarer Song 😉 danke!!
    LG, Hiltrud

  5. Lakritze schreibt:

    Chapeau, ein konstruktiver Vorschlag! Douze points! und vielleicht noch zweidrei Mal wiederholen, dann reicht das auch von der Länge her …
    (Nicht daß ich mitreden könnte. Das letzte, was ich mir vom ESC gemerkt habe, sind die Hintergrundtänzer bei „Fairy Tale“ anno dunnemals, die waren abgefahren.)

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