Das Große Unverständnis

Also, wenn sich Leute nicht mehr trauen, ihre Kochrezepte oder Landschaftsfotos oder persönliche Gedanken öffentlich zu posten, dann trifft die plattwalzende Gründlichkeit des deutschen Gesetzgebers auf eine über Generationen hinweg vererbte Ängstlichkeit des deutschen Bürgers vor eben diesem Gesetzgeber.

Oder ist es einfach ein Zeichen unsere Zeit? Ich denke an die seitenlangen AGBs und AVBs und nun Datenschutzerklärungen, die wohl ein jeder abhakt, ohne sie gründlich oder in vielen Fällen überhaupt durchzulesen. Da läuft doch was grundsätzlich verkehrt in unserem Rechtssystem, wenn der Verbraucher gezwungen wird zu bestätigen, dass er einen Text gelesen und verstanden hat, den er in dem Umfang und in der Menge gar nicht durchzulesen und zu verstehen in der Lage ist (Überlegung: was würde es bedeuten, wenn Otto Normalverbraucher wirklich jeden solchen Text wie von ihm erwartet und bestätigt durcharbeiten würde? Er käme zu nichts mehr).

Der Verbraucher wird gezwungen zu lügen und diese Lüge und somit seine Unzulänglichkeit bezüglich der gesellschaftlichen Anforderungen schriftlich zu bestätigen. Und wieder wird ein Stressmoment aufgebaut, den der moderne Mensch nun mal auszuhalten halt.

Wer profitiert von diesem System? Eigentlich nur solche Leute, die in den Lücken des Systems ihren (finanziellen) Vorteil suchen, und natürlich diejenigen, die in dem vom Rechtssystem aufgespannten Wirtschaftszweig ihren Unterhalt verdienen.

So sieht es also aus, wenn sich ein Rechtssystem von den Bedürfnissen der Menschen abkoppelt – ein Vorgang, wie wir ihn aus der Bürokratie zu genüge kennen. Der Diener wird zum Herr, expandiert unkontrolliert und verbraucht einen Großteil seiner Energie auf Maßnahmen zum Ausbau der eigenen Existenzberechtigung. Der Vergleich mit einem Tumor ist nicht unpassend.

Nicht, dass die DSGVO an sich unsinnig wäre. In ihrem Kern schützt sie den Verbraucher vor Missbrauch, da bin ich voll für. Schade nur, wenn sie ganz neuen Missbrauch – nämlich die sinnlose Abmahnungen von privaten Bloggern – ermöglichen würde.

Ich habe jetzt jedenfalls eine Datenschutzerklärung in meinen Blog rein kopiert, was auch eine gute Gelegenheit war, die veraltete About-Seite mal anzupassen. Jetzt liest mal schön!

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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11 Antworten zu Das Große Unverständnis

  1. Anhora schreibt:

    Ok, durchgelesen. Die erste Datenschutzerklärung, und es sind noch viele, die zu lesen sind. 😉
    Was mir in deinem Fall auffällt: Ich würde noch einen Absatz zum Haftungsausschluss einfügen, also dass du für verlinkte Inhalte nicht verantwortlich bist.
    Nur so als Idee. 🙂

  2. Zoé schreibt:

    Demnächst heißt es dann wohl nicht mehr: „Sie haben geerbt…“ sondern „Sie haben Daten veruntreut…“ – Versuchen kann man es ja mal.

  3. franhunne4u schreibt:

    Das wird gehen wie immer, die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen!

    Warum kann ich bei deinem Smart-Phone-Artikel nicht kommentieren? Nicht gewollt? Oder Versehen?

  4. Call Me Appetite schreibt:

    nicer Blog, den du da hast. ich hab wohl am weekend nun was vor….. weiter so 🙂

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