Über die Regenbogenbrücke

Fast zehn Jahre lang hatten wir Kaninchen, nun ist diese Ära plötzlich und leider nicht ganz gewaltfrei, dafür aber im Einklang mit den darwinschen Gesetzen zu Ende gegangen.

Wir besaßen stets zwei Kaninchen, insgesamt fünf im Laufe der Jahre. Sie wohnten alle im hier abgebildeten Gehege und hatten viel Freilauf. Der Garten ist zu allem Seiten hin kaninchendicht abgesichert, abends und bei Regen mussten sie trotzdem im Gehege bleiben.

Von ihrem Gehege aus durften sie nach Herzenslust buddeln; nur wenn sie tatsächlich mal entkamen, oder wenn der Rasen einsackte, oder wenn der Gehege-Untergrund mehr Loch als Nichtloch war und das Häuschen einbrach, schritten wir mit Spaten und Eimer und ggf. etwas Splitt ein.

Und wenn sie mal entkamen (alle zwei Jahre mal), haben wir sie immer irgendwie zurück gekriegt. Sie hoppelten selten weiter als bis zum Nachbar links oder rechts, und mit mehreren Personen, einem Handtuch, diversen Zaunteilen und Brettern, viel Geduld, etwas Gewalt und die Bereitschaft, sich von tiefliegenden Ästen, Dornenhecken und Karnickelklauen zerkratzen zu lassen, kriegt man so ein streunendes Kaninchen doch ohne weiteres eingefangen.

Unsere ersten mummeligen Mitbewohner kamen von Bauernhof. Angeblich waren sie Zwergkaninchen, aber Hasi war nach einem Jahr schon größer als irgendein Zwerg-egal-was werden sollte. Seine erste Kumpanin Klee überlebte nur einen Tag bei uns, warum, wissen wir nicht. Zu jung, sicherlich, vielleicht war sie krank. Meine Tochter, die sie morgens tot vorfand, brauchte eine Weile, um die Tiere wieder angstfrei füttern zu können.

Klees Nachfolgerin hieß Flöckchen und kam aus dem Tier- und Tierbedarfshandel. Sowohl Hasi wie Flöckchen waren nicht für ein ewiges Leben bestimmt. Hasi hatte dauerhaft Nebenhöhlenentzündung, was bei Kaninchen keine erfreuliche Sache ist und nie wirklich weggeht. Was haben wir ihn über die drei Jahre an Behandlung zukommen lassen und teils täglich selber durchgeführt, was haben wir alles über Kaninchenpflege und -anatomie gelernt – bis er eines Tages entkräftet beim Tierarzt für immer einschlief.

Flöckchen war ein echtes Zwergkaninchen und zu pummelig, um sich selber sauber halten zu können. Obwohl sie total psychotisch war und sich nicht anfassen ließ, schafften wir es trotzdem, sie ein bis zweimal im Jahr hintenrum gründlich zu reinigen, so dass sie doch erstaunliche acht Jahre durchhielt – bis der zweite Madenbefall, für den sie aufgrund ihrer physiognomisch bedingte Unreinlichkeit leider sehr anfällig war, sie dahin raffte. Auch keine erfreuliche Sache (außer man steht auf Glibberwesen, die sich vom Anus aus in den Bauchraum vorfressen). Deswegen sollen Kaninchen zur Fliegenzeit nicht auf dem nassen Rasen rumsitzen und sich einen wunden Popo holen. Kann man nicht oft genug betonen.

Hasis Nachfolger hieß Checker, kam vom Tierschutzverein, und war (bis vorgestern) unser aller Liebling. Er war schön, sauber, neugierig, zutraulich.., das ideale Kaninchen, eben. Ach, schnief… Ich glaube, er war in den ganzen Jahren nicht einmal krank und kannte den Tierarzt nur im Rahmen von Impfterminen.

Nachdem nun vor zwei Jahren seine psychotische Freundin Flöckchen gestorben war, suchten wir dringend nach einem neuen Kaninchen-Weibchen – aber kein junges, sondern eine im gleichen Alter, um nicht in den ewigen Kaninchen-Kreislauf zu geraten. Das erwies sich als schwieriger als gedacht, doch letztendlich fanden wir über eine Anzeige eine wundervolle Kaninchendame namens Lilly, die unserem Checker nicht nur vom Alter, sondern auch vom Aussehen und Temperament her glich. Was für ein Glücksfall!

Naja, und so hätte es von uns aus auch ein paar Jährchen weiter gehen können… Aber Sonntag morgen rief uns eine Nachbarin an, sie hätte in den frühen Morgenstunden ein Geräusch gehört, wie…

Kein schönes Geräusch, jedenfalls. Wohl wie ein Kaninchen, das unfreiwillig in ein Ex-Kaninchen verwandelt wird.

Unsere Karnickel waren ja hinter Schloß und Riegel, dachten wir, es konnte keiner von unseren sein. Als Sonntag Abend immer noch nichts von unseren Mümmelmännern zu sehen war, waren wir beunruhigt. Auch am Montag blieb das Essen unangetastet, und wir fanden das Fluchtloch hinter dem Gehege.

Die Hoffnung, dass wenigstens einer von beiden – vielleicht verletzt – zurückkehrt, ist inzwischen erloschen.

Montag Nacht hat, zum ersten Mal seitdem wir hier wohnen, ein Marder seinen Kothaufen direkt vor unserer Terrassentur gelassen. Häh? Wollte jemand Nachschlag? Kann ein Marder gleich zwei erwachsene Kaninchen reißen? Ist er in ihr Gehege eingedrungen?

Wir werden es nicht erfahren. Für uns ist das jedenfalls das

Kaninchende.

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
Dieser Beitrag wurde unter Echte Geschichten abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Über die Regenbogenbrücke

  1. franhunne4u schreibt:

    Nun ist es Zeit für Euer eigenes kleines Raubtier …

Schreibe eine Antwort zu franhunne4u Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s