Ein Schild, das zum Gegenstand für einen Beitrag, das für euch zum Lesen hier steht, dient, ist hier zu sehen.

Dieses Schild aus der Reihe klingtwiedeutsch hing in achtfacher Ausführung an den Geländern einer kurzen (aber breiten) Treppe im Eingangsbereich des aachener Uniklinikums:

Der Satz ist ja grammatikalisch (fast) korrekt. Es ist natürlich der eingeschobene Relativsatz, der erstens den Lesefluss unnötig unterbricht und somit die eigentliche Aussage („wird nicht gestattet“) abschwächt, und zweitens die unglückliche Konstruktion zur Hilfe für jmd dienen enthält, die mit ziemlicher Sicherheit (ich gucke das jetzt mal nicht nach) grammatikalisch inkorrekt ist.

Besser wäre wohl gewesen:

Das Treppengeländer dient der Sicherheit unserer Patienten und Besuchern. Das Anbringen von Fahrrädern ist daher nicht gestattet.

Grundsätzlich empfiehlt Dr Pfeffermatz die Verwendung von kurzen, eindeutigen Sätzen. Das gilt auch in der deutschen Sprache 😉 Und inhaltliche Aussagen sollten besser klar von einander getrennt stehen: auf dem obigen Schild zB sind die Inhalte Verbotsaussage und Zweck des Geländers in einander verschachtelt. Gerade für dauergestresste Student*nnIn#nen dürfte diese Inhaltsvermischung für zusätzliche Verwirrung, fehlerhafte Antworten im Biochemie -Test und im schlimmsten Fall Verschnibbelungen am Probepatienten führen.

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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12 Antworten zu Ein Schild, das zum Gegenstand für einen Beitrag, das für euch zum Lesen hier steht, dient, ist hier zu sehen.

  1. franhunne4u schreibt:

    Die Benutzung zahlreicher Nebensatzkonstrukte, unter ihnen Relativsätze, die sicher am häufigsten vorkommen, wird nur noch dadurch übertroffen, dass diesen Relativsätzen reichlich zu Nomen mutierte Verben beigefügt werden, die die Betrachtung des Satzinhalts noch erschweren, wie hier zum Beweis angeführt.
    Merke also:
    Nicht nur kurze Sätze. Auch nur notwendige Erläuterungen bitte und Tuwörter wie betrachten, beweisen anstatt den Hauptwörtern Betrachtung/ Beweis. Sonst sind wir in dem, was mein täglich Brot ausmacht: Beamtendeutsch.
    Wo es ein bekanntes deutsches Wort gibt, da bitte nicht das Fremdwort wählen. Relativsatz ist in Ordnung, die deutsche Alternative wäre Erläuterungssatz oder Beziehungssatz – und ist weder gebräuchlich, noch klingt es gut. Nomen dagegen ist ein Fremdwort, das ich zwar in der Grundschule lernte (gute Grundschule, schlechter Relativsatz, denn die Erläuterung spielt hier keine Rolle), aber das sich leicht durch das deutsche Hauptwort austauschen lässt.

    Und schon gar nicht sollte man mehrere Nebensätze verschachteln:

    Ein Satz, in dem ich mehrere Informationen, die ich schon immer mal unters Volk bringen wollte, damit die Welt meine allzu große Weisheit endlich klar erkennen kann, in immer tieferen Nebensatzebenen verschachtele, wird zu lang, was an und für sich schon ein Verbrechen am Leser ist, vor allem jedoch dann, wenn dieser [Leser] Twitter und Smilies gewohnt ist und ihm daher längere Texte nicht mehr vertraut sind, was natürlich ein Problem heutiger Zeit ist, das jedoch nicht unterschätzt werden darf.

  2. Jules van der Ley schreibt:

    Über die Idee, dass sprachliche verhunzte Aushänge zu „Verschnibbelungen am Probepatienten führen“ könnten, musste ich schmunzeln.

  3. FUFFY schreibt:

    Mir scheint, der Text auf dem Schild ist vor der Veröffentlichung nicht geFUFt worden. (=überarbeitet hinsichtlich _F_reundlichkeit _u_nd _V_erständlichkeit; = Jargon aus der Versicherungswirtschaft, z. B. bei der Erstellung von Verbraucherinformationen). Das sollten sich auch Schilderschreiber mal angewöhnen 🙂

  4. gnaddrig schreibt:

    Sehr schön 🙂

    Verwaltungsdeutsch ist eine Krankheit, die den öffentlichen Raum wie Moder durchzieht. Auch technische Dokumentation leidet großflächig Verquastheit. Was ich schon alles an fast ciceronischen Perioden zu übersetzen hatte, Verschachtelungsmonstrositäten allerübelster Sorte…

    Deine Version von dem Schilddes Schüldös ist erheblich lesbarer. (Kleiner Klugschiss: unserer Patienten und Besucher, ohne n. Noch ein Klugschiss: Mit „anbringen“ habe ich Probleme. Man bringt Schilder an, oder Lampen oder Regalbretter. Die Fahrräder werden dort aber nicht installiert, sondern nur geparkt. Also ist das ursprüngliche Abstellen besser, oder Anschließen.)

    • Pfeffermatz schreibt:

      Deine „Klugschisse“ sind natürlich wahrhaftige Richtigkeiten. Mit den n’s tue ich mich immer etwas schwer, und über das Anbringen an sich habe ich bisher nie so vertieft nachgedacht. Beim Begriff „Abstellen“ fehlt mir aber die feste Verbindung zum Geländer.

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