Die Kosten der Sicherheit

Dieser Beitrag von Tanja im Norden hat mich doch nachdenklich gestimmt….

Da ist wohl ein Paradigmenwechsel nötig, wenn z.B. die Antibiotika-verseuchte Wurst vom in seinen Fäkalien liegenden Tumorschwein inklusive gemahlenem Knorpel, Nitrite, Phosphate, Natriumglutamat, Fett, Zucker, Salz etc…. (finde ich übrigens super lecker, auch wenn das hier nicht so klingt)…. für den Verzehr als geeignet gilt, das Anfassen dieser Wurst durch einen Menschen aber als schädlich eingestuft wird. So schädlich, dass da lieber eine Unmenge an Müll produziert wird.

Im ernst: Klimaschutz und überhaupt ein vernünftiges Miteinander werden wir nur erreichen, wenn wir manche Auswüchse unserer sicherheitsorientierten Gesellschaft wieder hinter uns lassen.

Dabei denke ich auch daran, dass selbst die sichersten Kinderspielplätze immer wieder kurzfristig umgebaut werden müssen, weil irgendwo in NRW mal wieder was passiert ist. So wurde beim Spielplatz vor unserer Haustür irgendwann die Rutsche abgebaut und erst ein halbes Jahr später durch eine neue (irgendwie sicherererere, weil irgendwo in NRW ein Kind mit dem Kopf stecken geblieben war) ersetzt, die Schaukeln wurden entfernt und umgebaut (weil irgendwo in NRW ein Überschlag geschafft wurde), und danach nochmal (weil irgendwo in NRW ein Finger ganz oben in der Aufhängung eingequetscht wurde). Ein hübscher Kopfsteinpflasterweg zu den Sitzbänken hin wurde entfernt und durch Holzschnitzel ersetzt. Schwangere Lehrerinnen dürfen keine Kinder unter 12 betreuen, wenn sie nicht einen gewissen Antikörper vorweisen können (weil es irgendwo in NRW durch eine Ansteckung zu einer Fehlgeburt kam, glaube ich)… Die Bänke in den Umkleiden der Turnhallen wurde abgebaut und durch neue ersetzt (weil irgendwo in NRW ein Kind am Kleidungshaken hing, schätze ich…), die aufgrund anderer Hakenkonfigurierung weniger gefährlich sein sollten, dafür hatten sie aber supergefährliche abgesägte Metallkanten (die nach Beschwerde eines Sportwarts gottseidank schnell überklebt wurden)!

Und so weiter. Alles tragische Fälle, natürlich, Ja, man kann sich die Finger einquetschen, wenn mal an der Schaukelaufhängung hochklettert. Ja, wenn große Kinder den Kopf in ein zu enges Loch oder hinter einen Kleidungshaken stecken, dann können schlimme Sachen passieren. Und ja, Ansteckungen passieren.

Aber immer die Frage: wieviel Risiko wollen wir uns leisten? Die derzeitige Antwort ist häufig: So Null wie es geht. Egal, was diese Minderung kostet. Dann müsste konsequenterweise jeder Spielplatz aus einer großen Gummifläche bestehen, und kein Mensch jemals aus beruflichen Gründen einen Gegenstand berühren müssen, den schon mal ein anderer Mensch berührt hat. Koste es, was es wolle. Aber Autos lassen wir weiterhin durch die Städte sausen, denn das ist wohl alternativlos.

Um zum Anfang zurückzukommen: Ich glaube, es wird ein paar Paradigmenwechsel geben müssen.

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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14 Antworten zu Die Kosten der Sicherheit

  1. Lo schreibt:

    Das Haftungsrisiko ist vermutlich der stärkere Auslöser für diese Vollkasko-Aktionen.

  2. franhunne4u schreibt:

    Amen, „Bruder“

  3. Anhora schreibt:

    Mancher Mensch tendiert dazu zu denken, dass der Staat auf ihn aufpassen muss, weil er selbst offenbar zu blöd dazu ist. 😉

    • Pfeffermatz schreibt:

      Ich fürchte, mache sind tatsächlich auch so blöd. Aber dann ist es halt so, der Staat ist keine Vollkaskoversicherung.

      • Anhora schreibt:

        Wir sind vielleicht zu verwöhnt durch all die Versicherungen. Die gaukeln einem vor, dass es Sicherheit gibt, und mehr noch: dass man sie kaufen kann. Für den Rest ist dann der Staat zuständig.
        Was für ein Schmarres.
        Es gibt keine Sicherheit.

      • Achim schreibt:

        @ Anhora: Nein, nicht Versicherungen. Wir haben eigentlich denn Anspruch, dass „jemand“ schon dafür sorgt, dass es keine Versicherung braucht. Die Wahnvorstellung, dass 100% Sicherheit möglich sind. Naja, außer im Straßenverkehr. Wo gehobelt wird, fallen halt Späne.

  4. Jules van der Ley schreibt:

    Kürzlich habe ich gelesen, dass man die Apfelkitsche nicht in die Botanik werfen darf, weil sie mit Pestiziden belastet ist. Diese Sorte Umweltverschmutzung wird mit einem Ordnungsgeld bestraft. Die Äpfel darf man wohl so belastet produzieren und selbstverständlich essen.

  5. Pingback: Wegen der Sicherheit | gnaddrig ad libitum

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