Zeitreise mit Ischias

Ich hatte letztens eine etwas esoterische Physiotherapeutin, fand ich jedenfalls. Sie sagte Sachen wie: „Mit der Ferse Auftreten aktiviert die Knochenkette, mit dem Ballen auftreten aktiviert die Muskelkette“. Ich verstand, was sie meinte; aber die Darstellung klingt nach alternativem Hokuspokus. Warum nicht: „Mit der Ferse auftreten erzeugt einen Stoß, mit dem Ballen aufzutreten beansprucht die Muskeln, ist dadurch kontrollierter und schonender“. Oder so ähnlich, bin ja nicht vom Fach.

Irgendwann fragte sie mich, ob ich die Zahl 1,854 kennen würde. Eine schwierige Frage, finde ich…, ich konnte gar nicht so genau sagen, ob und wie gut mir diese Zahl bekannt war. Ich sage mal: über ihre Existenz wusste ich grundsätzlich bescheid, aber ich konnte mich nicht ganz explizit an eine Begegnung mit ihr erinnern.

Jedenfalls hatte meine Physiotherapeutin intensiv von jener Zahl geträumt und am Tag danach genau diese Zahl im Fernsehen wieder entdeckt, und zwar in der Anfangsszene von Zurück In Die Zukunft. Dann hatte sie gegoogelt und festgestellt, dass schon Albert Einstein die Zahl 1,854 kannte, außerdem hätte sie etwas mit Seemeilen zu tun (es ist der Umrechnungsfaktor Nautische Meile zu Kilometer). Was das wohl alles zu bedeuten hätte?

Vielleicht war Einstein im früheren Leben πrat gewesen.

Und überhaupt Zurück In Die Zukunft. Sie hatte die ganze Trilogie geschaut, da sie sich gerade sehr für die Zukunft der Menschheit und der Weltenseele interessiere. Das habe ich unwidersprochen hingenommen. Der erste Teil war der beste, sagte sie, der zweite etwas durcheinander, der dritte ganz okay. Dem stimmte ich voll zu. Ihr gefiele die Aussage des Films, dass wir unserem Schicksal nicht entkommen können. Ich widersprach.

Denn Zurück In Die Zukunft gehört gerade zu der Klasse Zeitreisefilm – so wie Butterfly Effekt oder Project Almanac, um zwei etwas aktuellere zu nennen -, in welcher der Protagonist ausdrücklich sein Schicksal in der Gegenwart durch seine Aktionen in der Vergangenheit bestimmt. Die andere, zur Aussage meiner Physiotherapeutin passende Klasse Zeitreisefilm ist dagegen die, in der der Protagonist quasi in einer Zeitschleife gefangen ist und vom Schicksal gezwungen wird, genau die Aktionen durchzuführen, welche seine Gegenwart bedingen, siehe zB die Terminator-Reihe oder 12 Monkeys oder Looper. Oder Interstellar. Oder zuletzt auf Netflix: Dirk Gently’s Holistic Detective Agency. Diese Filme zeichnen sich dadurch aus, das es zwischendurch rätselhafte Begebenheiten gibt, die gegen Ende aus der Perspektive des Akteurs erlebt und somit erklärt werden.

Das alles habe ich meiner Physiotherapeutin aber gar nicht erklärt, sondern nur, dass Marty McFly sein Schicksal selber bestimmt.

Ja, auch daran glaube ich, sagte sie.

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Es ist einfach, schlau zu sein. Man muss sich nur was dummes ausdenken und dann das Gegenteil sagen.

– Coluche

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Mitten in NRW. Tierqüaler.

Kaum zu fassen: die Bewegungsfreiheit dieser frei lebenden Giraffen wird durch ausgedehnte Brennesselfelder massivst eingeschränkt. Einst Herrscher der Steppe, riskieren diese mächtige Tiere hier bei einem Fehltritt schlimmes Jucken an den Paarhufen. Schnelle Linderung ist in einem solchen Notfall nicht in Sicht, schließlich besitzen Giraffen keine Hände zum kratzen.

DAS MUSS AUFHÖREN! Herr MP in spe Armin Laschet – tun Sie, sobald gewählt, das richtige für die afrikanischen Tiere NRWs!

Wir fordern ein flächendeckendes Brennesselverbot! (Das wäre mit den Grünen nie zu machen gewesen…)

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Panda in Sand

Auf diesem Bild sehen wir eine beliebte optische Täuschung: Der Betrachter glaubt, einen bis auf den Kopf eingebuddelten Pandabären zu sehen, in Wahrheit aber handelt es sich um ein missgestaltetes Pandabärjunges mit normalen Kopf aber super kurzem Torso, der sich einfach auf den Strand gestellt und ein wenig Sand über seine Füßchen und Ärmchen gekippt hat.

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Der Wahlzirkus war da!

Wir in NRW hatten die Wahl, und es war weiß Gott keine einfache.

Die Wahlliste wurde von der jetzigen Regierungspartei SPD und dem klassischen Slogan Alles Toll – Weiter So angeführt. Schuld an einer eventuellen Misere im diesem schönen Land wären demnach diejenigen, die behaupten, es gäbe eine Misere, denn es gibt keine. Alles toll, eben, vor allem MPin Kraft. Die Bürger NRWs fanden Frau Kraft tatsächlich nicht so schlecht, konnten aber ihre Sicht auf die Wirklichkeit scheinbar nur bedingt teilen, so dass Frau Kraft nun außerhalb der Politik toll sein darf.

Die größte Oppositionspartei CDU stellte sich dagegen mit dem interessanten Wahlspruch Alles Schlecht – Weiter So, Aber Mit Uns auf, d.h. sie wollten gerne den neuen MP in Form eines knuffigen Teddybärs stellen, ohne dass dieser irgendwas groß anders machen würde als die bisherige MPin. Das hat für einen knappen Wahlsieg gereicht, wohl wegen neue Besen und so.

Der mitregierende Juniorpartner B90 / Die Grünen traten mit ihrem bundeseinheitlichen Slogan Der Bürger Ist Schuld Weil Doof auf. Dementsprechend und nicht überraschend hat der doofe Bürger ihnen die Hälfte ihrer Sitze im Landtag entzogen.

Aah, die FPD. Nach jahrelanger selbstverschuldeter Bedeutungslosigkeit wollen sie mit aller Macht zurück in die Bundespolitik, und hierfür sollte die NRW-Wahl der Ausgangspunkt sein. Dafür orientierten sie sich an den trumpschen Erfolgsslogan Lock Her Up und stellten die bisherige Landesregierung als verantwortungslose Verbrecher da. Offenbar funktioniert dies auch in Deutschland. Willkommen zurück.

Die Arschloch Protestbewegung AfD blieb auch hier ihrem Wahlspruch Schuld Sind Die Anderen treu und fuhren damit ein erwartungsgemäß hohes Ergebnis ein.

Die Linken versprachen Mehr Alles Für Alle, verdoppelte ihre Stimmzahl – und trotzdem reichte es nicht für den Einzug.

Zum Schluss verabschiedeten sich noch die Piraten mit ihrem Slogan Wir Interessieren Uns Schon Lange Nicht Mehr Für Politik aus dem Landtag. Wir hatten ganz vergessen, dass sie überhaupt da waren.

Nun muss eine regierungsfähige Mehrheit her (rechnerisch gemeint, nicht qualitativ), doch leider haben sowohl SPD wie FPD aus bundespolitischen Erwägungen keine rechte Lust auf eine Koalition mit der CDU: bald ist Bundestagswahl, und in der Opposition lässt es sich besser profilieren.

Wir in NRW bleiben gespannt… schade, dass nur alle fünf Jahre so’n Zirkus vorbeikommt.

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Ein kleines Geschichte fürs Herz

Ich denke gerne an unsere Urlaube an diesem bemerkenswerten See inmitten der schweizer Alpen zurück. Der See war vielleicht zwanzig Kilometer lang, aber nur einen knappen Kilometer breit. Wie quartierten uns stets in der gleichen Pension am östlichen Ufer ein, und abends auf der Terrasse sah man die Lichter des gegenüberliegenden Dorfes am Westufer. Eines abends während unseres dritten Aufenthalts setzte sich der Gastwirt zu uns und erzählte uns die Geschichte der zwei Dörfer und wie der See zu seinem Namen kam.

Schon seit langer Zeit gab es diese Dörfer, und wie so häufig unter Nachbarn, waren diese zwei durch den See getrennte Ansiedlungen stets arg verfeindet gewesen. Trotz dieser Feindschaft geschah es eines Sommers vor vielen Jahrhunderten, dass sich ein junger Mann aus dem östlichen Dorf in eine hübsche Maid aus dem westlichen verliebte. Und obwohl die Stammesältesten dringend von dieser Beziehung abrieten, ging der junge Mann jeden Abend bei Anbruch der Dunkelheit zum Ufer des Sees, holte sein kleines Kanu aus dem Gebüsch, und paddelte über den See zu seiner Angebeteten, die ihn sehnsüchtig erwarte. Vor dem Sonnenaufgang war der junge Mann wieder zuhause.

Der Sommer verging und die Tage wurden kälter, doch das Feuer brannte weiter in den Herzen der zwei Verliebten . Eines Herbstabends jedoch ging der junge Mann zum Ufer des Sees und musste feststellen, dass sein Boot geklaut worden war. Schnell fasste er einen kühnen Entschluss: obwohl der Weg weit und das Wasser kalt war, würde er herüber schwimmen.

Er sprang in den See und schwamm los. Die Kälte traf ihn bis in die Knochen. Schon auf den ersten hundert Metern wurde im klar, dass die vielen Nächte ohne Schlaf nun ihren Tribut forderten, und er es kaum schaffen würde. Doch anstatt umzudrehen, kraulte er weiter seiner Angebeteten entgegen. Auf halber Strecke konnte er sie schon erahnen, dann tatsächlich sehen, wie sie ihm, ihren Liebsten, die Arme entgegen streckte. Mit letzter, kaum vorstellbarer Kraft schaffte er es bis an hundert Meter vor dem Ufer ran, streckte auch ihr seine Arme entgegen und versicherte ihr ein letztes Mal seine Liebe, bevor er vor ihren Augen ertrank.

Am nächsten Morgen wusste jeder im Dorf, was geschehen war. Die Bewohner zeigten sich derart tief von den Ereignissen beeindruckt, dass sie sogar den See nach diesem jungen Mann benannten, der an jenem Herbstabend in das kalte Wasser und den sicheren Tod sprang, damit seine Liebste nicht umsonst auf ihn warten müsste.

Ich denke gerne an unsere Urlaube zurück, damals, am Idiotensee.

 


Okay, fürs böse Herz war diese Geschichte. Als Kind hatte ich ein Witzebuch, da war diese Story drin (oder so ähnlich, ist ja schon ein paar Jahrzehnte her), allerdings mit Indianern (war in den USA, und „Lake Stupid“ hieß da der See). Zu meiner Studentenzeit habe ich mal an einem entsprechend romantisch gestimmten Abend unter Freunden diese „Story“ präsentiert, und meinen besten Freund hatte ich damals derart eingelullt, dass er bei der Pointe erschrocken hochzuckte. Tat mir ein bisschen leid…

Ansonsten war das Witzebuch voller Flachwitze, an die ich mich immer noch erinnere, z.B.: „R2-D2 kommt zur Erde, sieht eine Parkuhr, sagt: Hör auf zu betteln; sieht eine Zapfsäule, sagt: Nimm den Finger aus dem Ohr; sieht ein Müllauto, dem eine Mülltonne herunterfällt, und sagt: Frau, Sie haben ihr Baby verloren!“ Warum weiß ich so was noch? Offenbar ist in den letzen 35 Jahren nicht ausreichend Interessantes in meinem Leben passiert, um R2-D2 und die Müllabfuhr zu verdrängen…

 

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Höhenunterschiede

Gestern ging ich in Begleitung eines Freundes zu einer Veranstaltung – eine Podiumsdiskussion. Die Räumlichkeiten waren nicht als Zuschauerraum konzipiert, es gab keine aufsteigende Ränge oder dergleichen – will sagen, die Sicht auf die Redner hing sehr stark von der Größe des vor einem Sitzenden ab.

Wir setzten uns hin; der Platz vor mir war besetzt, der vor meinem Begleiter noch frei. Nun ist dieser Freund sowohl überdurchschnittlich groß, so ca. 1,95, wie auch sehr rücksichtsvoll, so dass er mich fragte, ob wir Plätze tauschen mögen. Ich lehnte ab, da ich mit meiner 1,75er-Durchschnittsgröße ausreichend gute Sicht hatte.

Der Saal füllte sich. Alsbald bewegte sich ein neuer Zuschauer durch die Reihe vor uns und steuerte auf den leeren Platz vor meinem Begleiter zu. Er schien groß zu sein. Sehr groß. Erst als er sich hinsetzte, wurde mir klar, wie groß er war. Es gibt Menschen, die sind im Sitzen größer als im Stehen, und hier war so einer. Mein Freund blickte nicht länger auf ein Podium, sondern auf die massive Rückseite eines unbezwingbaren Bergs.

Er harrte völlig verdattert im tiefen Schatten seines Vordermanns. Für meinen knapp zwei Meter großen Begleiter war diese Situation sicherlich absolut ungewohnt, für mich immerhin bizarr und auch ein bisschen lustig, doch ich verkniff mir das Lachen. Glücklicherweise war der Platz rechts von mir noch frei, und nach einer kurzen Weile setzte sich mein Freund um, immer noch sichtbar um Fassung ringend.

Was dann geschah, habe ich mir wirklich nicht ausgedacht, das Leben ist halt manchmal abstrus. Denn: kurze Zeit später bahnte sich der nächste Zuschauer durch die Reihen, und zwar durch unsere. Sein Ziel konnte nur der Sitzplatz neben mir sein, im Windschatten des Kleiderschranks, ein anderer war nicht frei.

Der Mann schien klein zu sein. Erst als er meinen Platz passierte, wurde mir klar, wie klein: kleinwüchsig nämlich, im Stehen ungefähr so groß wie ich im Sitzen. Und dieser kleine, kleine Mann setzte sich neben mir, die Füße ein Stück über den Boden baumelnd, direkt hinter dem ungeheuren Riesen, der ob seiner kolossalen Dimension meinen großen Freund verschreckt hatte.

Diesmal konnte ich mir das Lachen nicht ganz verkneifen, doch wenigstens drehte ich mich dabei dezent Richtung meines Begleiters. Es war nicht meine Absicht, den Herrn neben mir zu beleidigen; es war der absurde Zufall, der mich zum lachen brachte.

Besagter Freund von mir ist übrigens nicht nur groß und rücksichtsvoll, sondern auch schlau: Dem kleinwüchsigen Herrn war es doch egal, dass er hinter einem Riesen sitzt, sagte er, er hätte so oder so nichts gesehen. Stimmt, der Mann hatte die Absurdität der Situation wahrscheinlich nicht mal bemerkt.

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