Da ist es schön: Andlau im Elsass

Und potzblitz hatte ich eine Idee: Warum nicht über Orte schreiben, an denen ich mal war – und das sogar gerne? Und da beginne ich doch gleich aus aktuellem Anlass mit… naja, mal alles der Reihe nach:

Um welchen Ort handelt es sich? Um das Dörfchen Andlau im Elsass, so ungefähr eine halbe Stunde südlich von Straßbourg.

Wann und warum war ich das erste Mal da? Vor vielleicht sieben Jahren. Ein ehemaliger, inzwischen pensionierter Chef meiner Frau wohnte dort (und tut es immer noch) mit Frau und (inzwischen ausgezogenen) Kindern. Da meine Frau zu diesem gutherzigen Menschen – nennen wir ihn R. – über die Jahre Kontakt gehalten hatte, beschlossen wir damals, auf dem Heimweg von einem Sommer-Urlaub dort einen Übernachtungs-Besuch einzulegen.

Was gefiel mir? Neben R. und seiner Familie waren es die bunten, in allen möglichen grellen Farben angemalten Häusen in den engen gewundenen Straßen, die kleine, zwischen Weinbergen liegenden Dörfern bilden. R. selbst wohnt in einem wunderschön renovierten, knallgelben Haus aus Großmutters Zeit. Dahinter fließt ein Bach, darin befindet sich die Gesamtausgabe sämtlicher Marsupilami-Hefte seit den 50ern, und daneben wächst der Wein in langen Reihen die Berge hinauf. Und die Konditorei im nächsten Städtchen Barr ist auch ein Traum…

Eine Geschichte! Na gut, also: diese Geschichte beginnt vor über zehn Jahren, als R. der Chef meiner jetzigen Frau (nennen wie sie doch V.) war. Nun war V. einer Beziehung wegen in die Stadt gekommen, in der sie wohnte, und als diese Beziehung zu Bruch ging, bedeutete sie ihrem Chef R., sie würde nun kündigen und heimkehren wollen. R. war davon gar nicht angetan – vielleicht weil viel Arbeit anstand und er sie nicht als Angestellte verlieren wollte, oder vielleicht weil er V. mochte und es einfach für eine schlechte Idee hielt, eines Mannes wegen alles hinzuschmeißen.

So jedenfalls erklärte er es ihr und stellte sie vor die Wahl, entweder am gleichen Tag noch ihre Sachen im Büro zu packen oder aber erst in 6 Monaten, wenn die Stressphase sowohl an ihrer Arbeitsstelle wie auch in ihrem Innenleben vorbei sein. V. war schlau (oder gewissenhaft oder eingeschüchtert) und wählte die zweite Tür. Und bevor die 6 Monaten um waren, hatte sie mich getroffen und …

So verdanken wir es R., dass wir die Chance hatten, uns kennen zu lernen.

Vor sechs Jahren nun rief uns R. (inzwischen in Andlau wohnend, auch wir waren seitdem umgezogen) an, in Sorge um seine jüngste Tochter P., die sich seit Kindheitstagen nicht sehnlicher wünschte, als den Beruf des Physiotherapeuten zu erlernen, nun aber schon zweimal durch die Medizinerprüfung gefallen war (die in Frankreich hierfür nötig ist: die besten dürfen Medizin studieren, die zweitbesten Physio erlernen, und die drittbesten dürfen Hebammen werden. Folglich müssen dort einige Physiotherapeuten und Hebammen eingentlich gescheiterte Medizin-Anwärter sein…). P. sei totunglücklich und wisse nicht, wie es ihrem noch jungen Leben weitergehe.

Da aber nun der Elsass nah an Deutschland ist, gab es eine naheliegende Lösung: den Beruf in Allemagne erlernen. Und wo es Bedarf gibt, gibt es häufig auch ein Angebot 🙂 Tatsächlich gibt es nahe der Grenze eine Physiotherapieschule, deren Schüler zu einem großen Teil Franzosen sind. Und die Unterrichtssprache, die ist natürlich deutsch… – und somit ein Problem.

Und so fragte R. meine Frau, ob sie wüsste, wo man in Deutschland einen guten Deutschkurs und so weiter… Naja, eine Woche später hatte V. in unserer Stadt einen VHS-Kurs plus Privatstunden gebucht, und Unterkunft für die Dauer von sechs Wochen wäre dann bei uns (ja, so ist sie, meine V.).

Machen wir’s nun kurz: es waren schöne 6 Wochen, und P. lernte: erst ausreichend deutsch, um die Aufnahmeprüfung zu bestehen, dann jahrelang Physiotherapie… und schließlich einen ihrer Mitschüler näher kennen.

Von deren Hochzeit sind wir gerade zurückgekehrt. Und R. wird nicht müde, sich bei uns zu bedanken und zu betonen, dass ohne unsere damalige Hilfe diese Hochzeit und auch sonst und was wäre aus P. geworden usw…

Diesen Dank können wir nur zurückgeben. Naja, es scheint, es hätten wir das schon getan.

Werde ich da wieder hingehen? Sicher! Es ist einer der vielen Orte, über die im Laufe seines Lebens sagt: „Wenn ich mal in Rente bin, könnte ich mir vorstellen…“

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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Eine Antwort zu Da ist es schön: Andlau im Elsass

  1. sweetkoffie schreibt:

    Die Idee gefällt mir, die behalte ich mal im Hinterkopf. Es gibt so wunderschöne Orte, die man gar nicht kennt, auf die man durch solche Beiträge aufmerksam wird. Mir fallen auch gleich ein paar ein, über die ich schreiben könnte.
    Wie bereits erwähnt: ich halte das mal fest.

    Danke für den Ideeninput und liebe Grüße
    SK

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