nationalgefühlig

Ich kann und will es nicht leugnen: als unsere deutsche Fussballnationalmannschaft der Männer (im Ausland: Die Mannschaft), die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gewann, war ich echt glücklich. Aber warum?

War es etwa ein Gefühl des Stolzes? Der Gedanke, dass ich stolz auf eine Leistung sein könnte, zu der ich absolut gar nichts beigetragen hatte, beunruhigte mich. Ich kam zum Schluss, dass ich nicht stolz auf den Pokalgewinn war.

Aber gefreut habe ich mich doch. Aber warum freue ich mich über und oder für die Nationalelf, wenn kein Stolz dabei ist? Darf ich das? Und warum?

Die naheliegende Antwort ist: die deutsche Mannschaft repräsentiert mein Land. Offiziell tut sie das tatsächlich, aber inwiefern tut sie das tatsächlich – also so, dass ich mich als denkender und selbstbestimmter Bürger von ihr repräsentiert fühlen kann? Ich wüsste nicht wie.

Ich glaube nicht, dass heute noch viele Leute ernsthaft behaupten, Jogis Jungs würden irgendwelche deutsche Tugenden auf den Rasen bringen. Und wenn sie es täten, wären das vermutlich nicht meine Tugenden 😉 Genauso wenig wie (frühere) Spielweisen wie Kick-and-Rush oder Tika-Taka oder Catenaccio typische englische / spanische / italienische Landeseigenschaften widerspiegelten. Oder dass der Übergang von einem Spielsystem zu einem anderen aus einer Veränderung der Gesellschaft resultierte. Und insbesondere dass sich der einzelne Bürger des jeweiligen Landes überhaupt darin wiederfindet.

Außerdem kenne ich keinen einzigen der Spieler persönlich, und folglich beginnt für mich das Dilemma: warum identifiziere ich mich mit der DFB-Auswahl (gerade zu WM-Zeiten)? Einerseits vermutlich, weil ich mich mit ihr beschäftige. Weil ich die Spiele und das Drumherum im TV und in der sonstigen medialen Berichterstattung folge. Das reicht schon, um sich vorübergehend mit einer Sache zu identifizieren.

Man kann ja mal den Versuch machen: man nehme eine Sportmannschaft aus einer Stadt, in der man noch nie gewesen ist, zum Beispiel den Handbollsklubb Malmö, und beschäftige sich ein paar Wochen mit ihr: Ergebnisse lesen, Spielausschnitte schauen, Spielerbiografien lesen. Ich vermute, dass man nach einigen Wochen wenigsten ein bisschen zum HK Malmö-Fan wird.

Aber das reicht nicht, oder? Allerdings weiß ich auch nicht weiter. Ich weiß nicht mal, ob es gut finden soll, dass ich mich für die deutsche A-Nationalmannschaft der Herren im Fussball freue (während mir übrigens andere Sportarten und andere Geschlechter und Nachwuchsmannschaft in der Regel kalt lassen). Mache ich mir zu viele Gedanken?

Ich komme also nicht weiter, und möchte an dieser Stelle auf gar keinen Fall eine weitere unsinnige Umfrage wie die folgende platzieren:

Folglich freue ich mich weiter, am besten ohne mich zu hinterfragen, jedenfalls, wenn sie gewinnen. Glücklicherweise bin ich in der Lage, meine Identifikation mit der Nationalelf abzustellen, wenn sie verlieren 😉

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Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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Eine Antwort zu nationalgefühlig

  1. leinwandfuchs schreibt:

    Sehr schöner Beitrag.
    Ich denke, man muss nicht immer Alles hinterfragen. Das liesse zu wenig Raum für das eigentliche Leben. Und ich glaube, dass kaum ein zweistelliger Fananteil der Bayern aus München oder Umgebung kommt.
    In etwa einer Stunde werde ich mein „viergesterntes“ Trikot überziehen und den Fernseher einschalten. Mal sehen, ob es heute abend wieder Grund dafür gibt, „stolz“ auf irgendjemanden zu sein 🙂

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