Verluste

Ich hatte von einem Kollegen zwei DVDs (Spiderman und Spiderman) ausgeliehen und diese, als sie allzu sichtbar ungeguckt herumvegetierten, vorsorglich in den Schrank zu meinen anderen DVDs gelegt. Als ich zwei Wochen später eine davon schauen wollte, waren sie weg. Ich habe den DVD-Schrank aus- und wieder eingeräumt, ich habe meine Bücherregale aus- und wieder eingeräumt, ich habe das Haus auf dem Kopf gestellt – ich habe sie nicht finden können. Sie waren weg. Dann habe ich sie aufgegeben, das ist vielleicht drei Wochen her.

Vor zwei Tagen habe ich meine Brille verlegt. Ich bin kurzsichtig, allerdings auch schon in einem Alter, in dem ich zum Lesen eine andere Stärke brauche. Das bedeutet, dass ich (da ich noch keine Gleitsichtbrille besitze) ab und zu meine Brille wechsle. Im Büro komme ich mit der Fernbrille noch durchgehend gut zurecht, aber zu Hause, wo ich schon mal Kleingedrucktes lese oder mehr auf das Handy schaue, benutze ich lieber meine Lesebrille. Jetzt, in Zeiten von Corona-bedingtem Homeoffice, wechsle ich viel die Brille. Ergo hat es ganze zwei Tage gedauert, bis ich meine sauteuere Brille im Haus verloren haben.

Ich vermutete sie entweder auf einer der zahlreichen Ablageflächen im Wohnzimmer oder im Kleiderschrank vor dem Flur, wo ich an dem Tag eine Steckdose angebracht hatte (für das Herumfummeln mit den Kabeln und den Schräubchen ist Lesebrille die schlauere Wahl). Beides Fehlanzeige. Ich suchte und räumte und kramte und stellte das Haus auf dem Kopf. Die Brille blieb verloren. Weg. Glücklicherweise besitze ich eine – wenn auch weniger hochwertige – Ersatzbrille.

Ich gab das Suchen auf und erkundigte mich schon mal im Internet, wo man in diesen Zeiten eine preiswerte Brille (vielleicht doch Gleitsicht?) erhalten kann, und daneben lobte ich 10 € (für meinen großen Sohn) bzw. ein Heft vom Kiosk (für meinen kleinen Sohn) aus, wenn sie meine Brille fanden.

Sie suchten gestern eine halbe Stunde lang und gaben dann auf.

Heute kramten sie im DVD-Schrank nach einem Scooby-Doo-Film und fanden dabei die DVDs meines Kollegen. Da, wo ich schon mehrmals und auch besonders gründlich gesucht hatte.

Geflügelt von dem Erfolg schaute mein Sohn noch mal im Kleiderschrank nach meiner verschwundenen Brille. Da lag sie dann auch.

Ich bin fassungslos. Und um 10 Euro und ein Lego-Heft ärmer. Und morgen schaue ich Spiderman.

Über Pfeffermatz

... ist ein schokonalytischer Glühwurstematiker.
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11 Antworten zu Verluste

  1. Anonymous schreibt:

    Grandios. Einer deiner besten Texte (vielleicht weil ich mich damit auch so gut identifizieren kann?! Vielleicht.)

  2. Mindsplint schreibt:

    Hahahaaa))))….wie herrlich. 🙂 Danke fürs Teilen! 🙂

  3. franhunne4u schreibt:

    Vielleicht hättest du dir den Film Ein Fall für die Borger ansehen sollen statt Spiderman. Dann hättest du weniger erstaunt reagiert …
    Gibt es auch als Buch, https://en.wikipedia.org/wiki/The_Borrowers

  4. gnaddrig schreibt:

    Das mit der Brille an genau der Stelle – die Welt ist schlecht. Genauso wie wenn ein Glas runterfällt, man die Scherben wegfegt, nochmal gründlich fegt, dann staubsaugt, sorgfältig nachschaut, ob da noch Glas liegt, sicherheitshalber nochmal staubsaugt, alles wegräumt und einem dann mitten auf dem Fußboden eine dicke, fette Scherbe angrinst…

  5. hanneweb schreibt:

    Einfach herrlich zu lesen! 😃
    Liebe Grüße von Hanne

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